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Sybilla Nitsch

SSW 17.07.2024 Sitzungen 20/63

Geehrte Präsidentin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Coaches gewähren Schülerinnen und Schülern eine neue Perspektive. Sie vergeben nämlich keine Noten und sprechen auch nicht die Lehrersprache. Ihr Verhältnis zu den Schülern basiert auf Vertrauen. Sie können Brücken zwischen Schule und Arbeitsmarkt bauen. Sie können Stärken erkennen und dementsprechend zu den nächsten Schritten motivieren. Der Einsatz von Coaches ist richtig gut; eine Verstetigung der Programme ist daher sehr wichtig, gerade weil wir auch immer wieder von dem Fachkräftemangel sprechen, von Fachkräfteinitiativen und den Problemen, die damit einhergehen, dass wir viele Schulabbrecher in unserem System haben. Bei den Verhandlungen zur kommenden ESFFörderperiode muss sich die Landesregierung dementsprechend zu Wort melden. Die Coaching-Programme dürfen einfach keine Eintagsfliege bleiben. Der vorgelegte Bericht zeigt die Bemühungen der Landesregierung, den jahrzehntelangen Übergangs- (Sybilla Nitsch) automatismus von den Förderzentren in die Werkstätten für behinderte Menschen aufzulösen. Das wäre ein Riesenschritt zur Inklusion. Bekämen die Förderzentren das mittels Coachings hin, klingt das sehr vielversprechend und unterstützenswert. Behinderungen dürfen auf dem Arbeitsmarkt keine Rolle spielen. Schließlich gibt es eine breite Palette an technischen, aber auch an gesetzlichen Hilfsmitteln, die den Arbeitnehmern mit Behinderung einen Zugang zum ersten Arbeitsmarkt ermöglichen. Ich begrüße es ganz ausdrücklich, dass die Landesregierung diesen Weg konsequent weitergehen will. Coaching ist dafür ein wichtiger Baustein. Wer sich allerdings ein bisschen in der Bildungspolitik rumtreibt, weiß, dass dem Schulabschluss eine zentrale Rolle zukommt. Da bekommen gerade viele Geflüchtete zu spüren, dass sie zwar ausgesprochen hohe Kompetenzen haben, aber eben keinen Schulabschluss oder ihren Schulabschluss nicht anerkannt bekommen. Viele Betriebe klappen Bewerbungsmappen sofort wieder zu, wenn dort kein Abschlusszeugnis zu finden ist. Der Abschluss ist die Eintrittskarte in den Arbeitsmarkt. Darum setze ich mich für die Maßnahmen ein, die es Schülerinnen und Schülern ermöglichen, zumindest den ersten Abschluss hinzubekommen. Dann können sie sich zwischen Ausbildung und dem direkten Einstieg in den Arbeitsmarkt entscheiden. Wer später im Leben den Abschluss nachmachen möchte, hat meist schon Familie oder andere Verpflichtungen. Dann wird es dementsprechend schwer. Wenn Coaches dagegen direkt zum Abschluss motivieren, meine ich: „Her mit ihnen!“, denn das ist dann ein richtig guter Schritt. (Beifall SSW und Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] – Christian Dirschauer [SSW]: Sehr gut!) Leider zeigt der Bericht, dass das Coaching nicht immer in einem Abschluss mündet. Auch da geraten Coaches natürlich manchmal an ihre Grenzen; ich kenne das aus der Praxis. Aber der beeindruckende Sachbericht eines Trägers im Bericht zeigt letztlich, dass es in dem geschilderten Fall nicht zu einem Abschluss gereicht hat. Ich gehe davon aus, dass das Kultusministerium den Fall als typisch angesehen hat und deshalb ausführlich zitiert. Sollte es allerdings typisch sein, dass kein Abschluss anvisiert wird, erweist man den Schülerinnen und Schülerinnen einen Bärendienst. Spätestens in zehn Jahren wird der Fall – eine Person, die auch einen Namen hat, nämlich Gibran – ohne Abschluss den Sitzung (neu) – Mittwoch, 17. Juli 2024 4759 weiteren Karriereweg nicht so beschreiten können wie seine Kollegen mit Abschluss. Diese Konsequenz kann er jetzt noch nicht absehen. Dafür muss sein Coach sorgen beziehungsweise die Strukturen, die die Coaches unterstützen. Lassen Sie mich zum Abschluss ein Wort zu den Schulen der dänischen Minderheit verlieren, die immer noch nicht in allen Landkreisen und Gemeinden als gleichberechtigte Bildungswege in die Planungen einbezogen werden. Nicht immer werden bei neuen Programmen diese Schulen eingeladen, informiert oder überhaupt erst einmal angeschrieben, was einige Schulen auch bei den CoachingProgrammen kritisieren. Ich wünsche mir, dass wir diese Trennung endlich überwinden und dass die Schulen der dänischen Minderheit in die Routinen der Behörden eingepflegt werden. Das wäre doch mal etwas für uns alle. – Mange tak. (Beifall SSW und SPD)

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