Martin Habersaat
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Damen und Herren! Die SPD-Landtagsfraktion hatte um diesen Bericht gebeten; er liegt jetzt vor. Dafür vielen Dank an alle Beteiligten. (Beifall SPD, vereinzelt CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wir hatten im Berichtsantrag fünf Punkte aufgeführt, zu denen wir gern etwas gelesen hätten. Nicht zu allen fünf Punkten haben wir Antworten erhalten. Das hat unsere Freude etwas getrübt. Insofern vielen Dank für die Bereitschaft, dass wir darüber noch einmal im Ausschuss sprechen. Darum geht es: Schülerinnen und Schüler, die beim Übergang von der Schule in den Beruf Schwierigkeiten zu bekommen drohen, bekommen mancherorts Coaching-Fachkräfte an die Seite gestellt. Das ist total sinnvoll. Eine Schulleiterin schrieb mir – ich hoffe, sie wird vom Bildungsministerium nicht abgemahnt, dass sie mir geschrieben hat; ich zitiere mit Erlaubnis der Präsidentin –: Unsere Berufscoaches sind für (Martin Habersaat) unsere Schülerinnen und Schüler unentbehrlich im Prozess der Berufsorientierung. An unserer Schule haben wir überdurchschnittlich viele Schülerinnen und Schüler, deren Eltern das deutsche System nicht kennen oder völlig überfordert sind, sie zu unterstützen. Daher brauchen wir diese Menschen, die als Experten die Jugendlichen beraten und begleiten können, damit sie einen guten Weg in den Beruf wählen können. Die Coaches sind sehr gut vernetzt mit Betrieben und Netzwerkpartnern und können über kurze Wege für unsere Schülerinnen und Schüler schnell und gut Lösungen suchen und finden. Auch das klingt total gut und sinnvoll, aber ein genauer Blick zeigt: Es ist nicht alles gut. Ein Problem ist zum Beispiel die Kommunikation zwischen Coaching-Kräften und Schülerinnen und Schülern. Eine Coaching-Fachkraft schrieb mir: Kranke Systeme zeichnen sich durch gestörte Kommunikation aus. Das im Bericht der Landesregierung zitierte multiprofessionelle Team ist als System in seiner Arbeitsfähigkeit behindert. Rechtssichere und zügige Kommunikation mit den Schülerinnen und Schülern und den Lehrkräften könnte über Itslearning gut funktionieren. Die Flex-Schüler_innen sind im Umgang mit Mails ungeübt und eine SMS zu versenden, kostet oft Geld. Die üblichen Messenger-Dienste sind aus Datenschutzgründen nicht erlaubt. Itslearning wäre gut. Von den Projektverantwortlichen im Ministerium wird seit 2020 zurückgemeldet, dass das Problem bekannt sei, aber aus Datenschutzgründen leider nicht gelöst werden könne. Gebraucht würden ein Zugang zur Berufsorientierungs-Kachel und die Chat-Funktion mit Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern. Geliefert wurde bisher nichts. Möglich wäre auch eine Vernetzung aller Coaching-Kräfte des Landes auf dieser Plattform – wenn es denn gewollt wäre. Heute sieht es so aus: Schülerinnen und Schüler und Eltern mit Mail-Adressen aus aller Welt, zum Beispiel auch aus Russland – man stelle sich das vor! –, können an Itslearning angebunden werden und stellen kein datenschutzrechtliches Problem dar, aber eine Coaching-Fachkraft mit einer MailAdresse von einem anerkannten Bildungsträger schon. „Ernsthaft?“, muss man sich da fragen. Ein anderes Problem: Die Arbeitsplätze dieser wichtigen Menschen sind an Projektgelder gebunden. Die Coaching-Kräfte sind überwiegend projektbezogen mit befristeten Verträgen bei den Bildungsträgern beschäftigt, teilweise zum Mindestlohn. Endet ein Projekt, dann melden sich diese (20. WP) – 63. Sitzung (neu) – Mittwoch, 17. Juli 2024 Kräfte drei Monate vor Ablauf des Projekts bei der Arbeitsagentur als arbeitsuchend. Das führt zu einem großen Verwaltungsaufwand und somit zu Kosten, die von der Allgemeinheit zu tragen sind. Außerdem gehen in diesen Phasen regelmäßig Coaching-Fachkräfte verloren, die sich auf andere Arbeitsverhältnisse bewerben. Die Qualifizierung des HK STEP – Handlungskonzept Selbsteinschätzung, Training, Entwicklung, Perspektive – hat sehr gute Coaching-Kräfte ausgebildet und zertifiziert, die dann aber nicht mehr zur Verfügung stehen; Netzwerke gehen verloren. Der Bereich, über den ich jetzt rede, ist der, zu dem ich leider keine Antworten im schriftlichen Bericht bekommen habe und über den wir deswegen im Ausschuss gern noch einmal reden sollten. All das sind Umstände, die in der Schulwirklichkeit leicht zu finden sind, im Bericht – wie gesagt – leider nicht. Meine Damen und Herren, eigentlich müssten wir Schule systemisch stärken. Alle Gemeinschaftsschulen, insbesondere die PerspektivSchulen, aber auch die Förderzentren und die beruflichen Schulen bräuchten dringend feste Coaches für die Arbeit in den multiprofessionellen Teams aus Lehrkräften, Sozialpädagog_innen, Präventionsfachkräften, Schulpsycholog_innen und Berufscoaches. Die Lehrkräfte – auch das melden mir Schulen zurück, die mit Coaches arbeiten – können die Erwartungen der Wirtschaft ohne diese Coaches nicht erfüllen. Daher sollten wir uns gesicherte, unbefristete Arbeitsverträge und eine angemessene Bezahlung für diese Kräfte zum Ziel setzen und bis dahin offen über die Lage reden. – Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit. (Beifall SPD und SSW)
