Sophia Schiebe
Sehr geehrte Landtagspräsidentin! Liebe Kolleg_innen! Sozialarbeiter_innen spielen eine zentrale Rolle in unserer Gesellschaft. Sie unterstützen und fördern Menschen in schwierigen Lebenslagen. Sie bieten Hilfe bei sozialen, emotionalen und wirtschaftlichen Problemen und arbeiten in vielfältigen Bereichen wie der Kinder- und Jugendhilfe, der Familienberatung, der Suchtberatung, der Altenpflege und der Obdachlosenhilfe. Ihre Arbeit ist entscheidend für das Wohlbefinden und die Integration benachteiligter und marginalisierter Bevölkerungsgruppen. Sozialarbeiter_innen unterstützen Individuen und Familien dabei, ihre Lebensqualität zu verbessern. Sie helfen bei der Bewältigung persönlicher Krisen, bieten psychologische Unterstützung und vermitteln notwendige Dienstleistungen. Diese Unterstützung kann entscheidend sein, um Menschen zu stabilisieren und ihnen eine Perspektive zu bieten. Zudem tragen Sozialarbeiter_innen zur gesellschaftlichen Integration bei. Sie arbeiten oft mit Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen von der Gesellschaft ausgegrenzt werden, wie beispielsweise Obdachlose oder Menschen mit Behinderungen. Durch gezielte Programme und Maßnahmen fördern sie die soziale Teilhabe dieser Menschen und tragen so zur Reduktion von sozialer Ungleichheit und Exklusion bei. Um als Sozialarbeiter_in effektiv und professionell arbeiten zu können, ist eine fundierte Ausbildung unerlässlich. In Deutschland ist hierfür in der Regel ein Studium der Sozialen Arbeit erforderlich. Dieses Studium wird an Fachhochschulen und Universitäten angeboten und schließt in der Regel mit dem Bachelor of Arts ab. Es umfasst theoretische und praktische Inhalte, die die Studierenden auf die vielfältigen Aufgaben in der Praxis vorbereiten. Die Studieninhalte sind weit gefächert und umfassen Bereiche wie Kindheitspädagogik, Sozialpädagogik, Soziologie, Psychologie, Recht, Ethik und Methoden der sozialen Arbeit. Ein besonderer Fokus liegt auf der Vermittlung von Handlungskompetenzen und praktischen Fähigkeiten. Daher sind Praxisphasen und Praktika ein integraler Bestandteil der Studien. Diese ermöglichen den Studieren- (20. WP) – 63. Sitzung (neu) – Mittwoch, 17. Juli 2024 den, das theoretisch erworbene Wissen in der Praxis anzuwenden und wertvolle Erfahrungen im Umgang mit den Klient_innen zu sammeln. Nach dem Abschluss gibt es die Möglichkeit, ein weiterführendes Masterstudium zu absolvieren, um sich in bestimmten Bereichen der sozialen Arbeit zu spezialisieren oder Führungspositionen zu übernehmen. Zudem ist eine kontinuierliche Weiterbildung wichtig, da sich die gesellschaftlichen Herausforderungen und Anforderungen in den Berufen der sozialen Arbeit ständig verändern. Nach dem Bachelor- oder Masterabschluss folgt noch die staatliche Anerkennung. Sie ist ein formales Verfahren, das sicherstellt, dass Absolvent_innen der Sozialen Arbeit die professionellen Standards erfüllen, die für die Ausübung des Berufs notwendig sind. Dies ist besonders wichtig, da die Soziale Arbeit, wie bereits dargestellt, oft mit vulnerablen Bevölkerungsgruppen arbeitet. Auch in der Sozialen Arbeit, wie überall, haben wir einen Fachkräftemangel. Daher war es unsere Aufgabe bei der Anpassung, eben diese Anerkennung abzuwägen und in Einklang zu bringen, wie wir auf der einen Seite die Qualitätsstandards halten und auf der anderen Seite keine unnötigen Hürden, die dafür sorgen könnten, dass uns angehende Sozialarbeiter_innen verloren gehen, aufbauen. Genau das war der Spagat, den wir nach der Anhörung im Bildungsausschuss zu bewältigen hatten. Doch vorweg: Ich freue mich sehr darüber, dass Schwarz-Grün nach den Stellungnahmen der Hochschulen Änderungsanträge auf den Weg gebracht hat, die dazu beitragen, die Situation der angehenden Sozialarbeiter_innen zu verbessern. Diesen werden wir selbstverständlich zustimmen. Ich hätte auch nichts dagegen, wenn das, was zumindest die Ausschüsse, in denen ich vertreten bin, betrifft, jetzt häufiger passiert. Uneinig waren wir uns jedoch bei unserem Vorschlag, der es ermöglicht hätte, dass eine gleichgestellte Fachkraft mit Berufserfahrung die angehenden Sozialarbeiter_innen alleine auf ihren Weg begleitet. Darüber kann sicherlich gestritten werden, auch darüber, dass das gar nicht notwendig sei, weil wir angeblich in der Regel nur Träger, bei denen mindestens eine Person arbeitet, die eine Anerkennung der Sozialen Arbeit bereits besitzt, haben. Ich wünsche mir dann aber, dass diese Standards überall angelegt werden. Es fällt mir schwer nachzuvollziehen, dass ausgebildete pädagogische oder psychologische Fachkräfte mit Berufserfahrung zukünftige Sozialarbei- (Sophia Schiebe) ter_innen nicht alleine begleiten dürfen, aber ungelernte Personen bei einem abgesenkten FachkraftKind-Schlüssel und ohne jeglichen Eingangslehrgang pädagogische Aufgaben bei Kindern übernehmen dürfen. (Beifall SPD) Es klingt im ersten Moment vielleicht nach einem Vergleich von Äpfeln und Birnen, weil es in dem einen Fall um eine Ausbildungssituation und im anderen Fall um die pädagogische Arbeit im Alltag geht. Aber die Diskrepanz im Umgang mit Qualitätsstandards ist so groß, dass da einfach ein Geschmäckle bleibt. (Beifall SPD) Nun gut. Wir alle haben die Aufgabe, dass wir zukünftig ausreichend Fachkräfte in den Bereichen der sozialen Arbeit haben wollen. Daher sollten wir jetzt gemeinsam die Änderung des Gesetzes auf den Weg bringen. – Vielen Dank. (Beifall SPD)
