Martin Habersaat
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Damen und Herren! Ich finde wichtig, dass wir uns noch einmal klarmachen, dass trotz der prominenten Fälle, die wir in Heide und anderswo im Land haben, die Gewalt unter Kindern und Jugendlichen in den letzten 20 Jahren nicht dramatisch zugenommen hat, sondern eher im Gegenteil. Wir haben allerdings nach Corona Anstiege zu verzeichnen, was naheliegend ist, weil sich die Kinder und Jugendlichen in den Jahren davor in den Schulen nicht gesehen haben. Trotzdem ist es richtig, sich dieses Themas anzunehmen. Wir als Fraktion fanden es wichtig, dieses Thema – wie Frau Schiebe schon sagte – ganzheitlich zu betrachten, eben über die Familie, die frühkindliche Bildung, die Schule, die Freizeitangebote und die medizinischen Hilfsangebote. Das ist letztlich nur ein systematisch anderer Ansatz. Da hätte man sicherlich zusammenkommen können. Was uns am vorliegenden Antrag der anderen Fraktionen ein bisschen gestört hat, sind zum Beispiel – vielleicht gar nicht beabsichtigte – Häufungen in den ersten drei Punkten. Punkt eins: Es soll ein Leitfaden durch die Einberufung eines Runden Tisches entwickelt werden. Punkt zwei: Es sollen vorhandene Handreichungen für Schulen überarbeitet werden. Punkt drei: Es soll eine Handreichung erstellt werden. – Das ist das, was der Kollege Dirschauer damit meinte, dass man die Schulen nicht mit Papier überschütten sollte. Es gibt auch eine gewisse allergische Reaktion an den Schulen in Schleswig-Holstein, wenn immer wieder der Eindruck entsteht, wir hier im Landtag glaubten, was den Schulen am allermeisten fehle, seien Handreichungen und Fortbildungen, weil die es nämlich nicht könnten. Das wird an den Schulen ganz an- (Martin Habersaat) ders gesehen, meine Damen und Herren. Da geht es oft um Ressourcen. (Vereinzelter Beifall SPD) Das ist unser nächster Kritikpunkt. Ressourcen tauchen in dem Antrag der anderen Fraktionen überhaupt nicht auf. Sie haben immerhin in einem Punkt geschrieben, Sie wollten Präventionsangebote weiterentwickeln. Das kann ja positiv interpretiert bedeuten, dass diese Präventionsangebote auch mit zusätzlichen Mitteln hinterlegt werden. Eine der wichtigsten Rückmeldungen für mich aus dieser ganztägigen Anhörung war: Guckt euch doch einmal an, was im Land an diesen ganzen Projekten, die es gibt, erfolgreich gelaufen ist, und dann verstetigt diese Projekte mal! – Wir haben es in ganz vielen Fällen mit sehr engagierten Menschen zu tun, die immer in prekärer Beschäftigung arbeiten und sich von Projekt zu Projekt hangeln. Das ist ein Ansatzpunkt, den wir gemeinsam aufgreifen müssen. Dann habe ich noch verschiedene andere Fragen. Wir haben Ihnen unsere Vorschläge gemacht, die Koalition war aber nicht bereit, diese aufzugreifen. Deshalb haben wir unsere Vorschläge in einen eigenen Antrag geschrieben. Wir freuen uns, wenn der überwiesen und noch einmal beraten wird. Es gibt zum Beispiel das Cop4U-Konzept aus Hamburg, das wir Ihnen vorschlagen. Das widerspricht Ihrem Ansatz nicht und ist eines der Projekte, bei denen wir von Hamburg wieder einmal lernen können. Warum Sie die Schulaufsicht nicht beauftragen wollen, stichprobenartig die Existenz von Präventionskonzepten zu überprüfen, erschließt sich mir nicht. Das schreiben Sie in die Begründung Ihres Antrages, aber nicht als zu beschließenden Punkt. Das leuchtet mir nicht ein. Vor dem Hintergrund würde ich mich freuen, wenn wir beide Anträge in den Ausschuss überweisen. Ansonsten freue ich mich, wenn wir zumindest anhand des einen an der Thematik systematisch weiter arbeiten. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall SPD)
