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Sophia Schiebe

SPD 17.07.2024 Sitzungen 20/63

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident! Liebe Kolleg_innen! Um gut aufwachsen zu können und nicht Gefahr zu laufen, gewalttätig zu werden, benötigen Kinder und Jugendliche eine Vielzahl von Faktoren, die zu ihrer physischen, emotionalen und sozialen Entwicklung beitragen. Eine zentrale Rolle spielen dabei ein stabiles und unterstützendes familiäres Umfeld, eine qualitativ hochwertige Bildung sowie die Förderung von sozialen Kompetenzen und Freizeitaktivitäten. Das familiäre Umfeld ist der erste und wichtigste Einflussfaktor im Leben eines Kindes. Eltern sollten ihren Kindern ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit vermitteln. Dies geschieht durch liebevolle Zuwendung, Respekt und das Setzen von klaren Grenzen. Ein stabiler, emotionaler Rückhalt hilft Kindern, ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln, welches sie vor negativen Einflüssen schützen kann. Konflikte innerhalb der Familie sollten auf konstruktive Weise gelöst werden, damit Kinder lernen, wie man mit Problemen und Spannungen umgeht, ohne zu Gewalt zu greifen. Neben der Familie spielt das soziale Umfeld eine entscheidende Rolle. Der Kontakt zu Gleichaltrigen und das Erleben von Gemeinschaften sind essenziell für die soziale Entwicklung. Kinder und Jugendliche sollten die Möglichkeit haben, Freundschaften zu schließen und in Gruppenaktivitäten eingebunden zu sein. Diese Erfahrungen fördern Empathie, Teamfähigkeit und die Fähigkeit, Konflikte gewaltfrei zu lösen. Auch die Teilnahme an sportlichen Aktivitäten kann positive Effekte haben, da sie nicht nur die körperliche Gesundheit stärkt, sondern auch Disziplin, Fairness und den Umgang mit Niederlagen lehrt. Ein wichtiger Aspekt ist die Bildung. Schulen sollten nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Werte, und soziale Kompetenzen fördern. Programme zur Gewaltprävention und zur Förderung von sozialen und emotionalen Fähigkeiten können einen großen Beitrag dazu leisten, dass Kinder lernen, Konflikte gewaltfrei zu lösen und respektvoll miteinander umzugehen. Es ist wichtig, dass Lehrkräfte als positive Vorbilder agieren und ein Schulklima schaffen, in dem sich alle Schüler_innen sicher und wertgeschätzt fühlen. (Beifall SPD) (20. WP) – 63. Sitzung (neu) – Mittwoch, 17. Juli 2024 Auch der Zugang zu Freizeitaktivitäten spielt eine wesentliche Rolle. Angebote in der Jugendarbeit, wie zum Beispiel Sportvereine, Musikschulen und Jugendzentren bieten Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, ihre Interessen und Talente zu entdecken und auszuleben. Diese Aktivitäten können eine wichtige Alternative zu negativen Freizeitbeschäftigungen bieten, die mit einem höheren Risiko für Gewaltverhalten verbunden sein können. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Mediennutzung. Kinder und Jugendliche wachsen in einer digitalisierten Welt auf, in der sie ständig mit Informationen und Eindrücken konfrontiert werden. Eltern und Pädagog_innen sollten Kinder dabei unterstützen, einen kritischen Umgang mit Medien zu entwickeln. Dies beinhaltet nicht nur den Schutz vor ungeeigneten Inhalten, sondern auch die Förderung eines bewussten und reflektierten Medienkonsums. Medienkompetenz ist entscheidend, um den Einfluss von Gewalt in Medien zu verstehen und entsprechend zu verarbeiten. Die Prävention von Gewalt unter Jugendlichen erfordert auch ein gesellschaftliches Engagement. Politik und Gesellschaft sind gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Familien unterstützen und benachteiligte Gruppen fördern. Sozialarbeiter_innen und Psycholog_innen sollten in Schulen und vor Ort präsent sein, um frühzeitig Hilfe anzubieten, präventiv tätig zu werden. Rahmenbedingungen, die auf die Förderung von sozialer Gerechtigkeit und Chancengleichheit abzielen, können langfristig dazu beitragen, Gewalt und Aggressionen zu reduzieren. Dies alles zeigt, dass wir einen ganzheitlichen Ansatz brauchen, um Kinder- und Jugendgewalt Herr zu werden. Auch die gemeinsame Anhörung des Bildungs‑, Sozial- und Innenausschusses haben dies gezeigt. Ich danke an dieser Stelle allen Anzuhörenden, die uns mit ihrer Expertise zur Seite gestanden haben. (Beifall SPD, SSW und Catharina Johanna Nies [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Genau dieser ganzheitliche Ansatz ist uns beim Antrag der anderen Fraktionen zu kurz gekommen. Wir sind mit eigenen Vorschlägen auf Sie zugekommen, die Sie allerdings nicht übernehmen wollten. Leitfäden und Runde Tische können sicherlich helfen, uns waren es aber insgesamt zu wenig Punkte, bei denen die Kinder- und Jugendlichen direkt von Angeboten und Hilfsmaßnahmen profitieren. Darüber hinaus sind wir der Ansicht, dass wir strukturelle Veränderungen brauchen – weg von Projekten (Sophia Schiebe) und Modellversuchen. Unsere Kinder und Jugendlichen müssen es uns wert sein, sie allumfassend zu unterstützen. Das hilft nicht nur dabei, Gewalt entgegenzutreten, sondern ermöglicht auch ein gleichwertiges Aufwachsen. (Beifall SPD) Am Ende ist mir noch eines wichtig zu sagen: Nur ein minimaler Bruchteil unserer Kinder und Jugendlichen weisen ein delinquentes Verhalten auf. Viel häufiger sind sie selbst von Gewalt betroffen – von Gewalt, die durch uns Erwachsene ausgeübt worden ist. Es ist unsere Aufgabe, sie genau vor dieser zu schützen, und das tun wir bei Weitem noch nicht genug. Daher sollten wir uns diesem Thema mit mindestens dem gleichen Nachdruck widmen wie dem der Kinder- und Jugendgewalt. – Vielen Dank. (Beifall SPD)

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