Karin Prien
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir alle kennen das: Das Gras auf der anderen Seite des Zaunes ist immer grüner. Es ist die klassische Herangehensweise und die edle Pflicht der Opposition, nach woanders zu schauen. Ich finde es gut zu schauen, wie man es woanders macht und zu überlegen, ob das für uns vielleicht auch eine Idee ist. Ich finde das voll in Ordnung, Herr Vogt. Das ist ja einer der drei Wege, die zur Gewinnung zusätzlicher Lehrkräfte – ich betone: zusätzlicher Lehrkräfte – aufgezeigt wird. Glauben Sie mir, auch wir haben uns die Frage gestellt, ob das für Schleswig-Holstein ein Weg sein könnte. Nun ist es so – Sie haben darauf hingewiesen –, dass die Experten dazu unterschiedlicher Auffassung sind. Wir gehen an dieses Problem so heran: Wir haben eine Allianz für Lehrkräftebildung und einen Wissenschaftlichen Beirat. Dort wird das diskutiert, weil dort die Fachkräfte sitzen. Die diskutieren darüber miteinander und kommen zu Ergebnissen und Empfehlungen. Die Experten im Wissenschaftlichen Beirat der Allianz sagen uns: Nein, für Schleswig-Holstein kommen zwar in einzelnen Sonderkonstellationen duale Studiengänge in Betracht, zum Beispiel im Bereich der Sonderpädagogik – da klappt das gut –, aber das ist kein generell geeigneter Weg. Ich will einmal versuchen, Ihnen zu erklären, warum das so ist. Wissen Sie, wie viele Seiteneinsteiger es in Sachsen-Anhalt in den letzten zehn Jahren gab? 53 Prozent der eingestellten Lehrkräfte sind (Ministerin Karin Prien) Seiteneinsteiger. Wissen Sie, wie viele es in Schleswig-Holstein sind? (Christopher Vogt [FDP]: Sechs!) – Sechs Prozent, genau. Sehr gut! (Christopher Vogt [FDP]: Ich habe Ihre Rede ja schon gelesen! – Heiterkeit und Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP, SSW und vereinzelt CDU) – Das ist gut. Ich finde es super, dass Sie meine Reden lesen. Das trägt ja bei Ihnen hoffentlich ein bisschen zur Erhellung bei. (Christopher Vogt [FDP]: Wenn Sie meine Fragen haben wollen! – Heiterkeit FDP) Ich glaube, daran kann man klar erkennen, dass die Situation in Sachsen-Anhalt – das gilt auch für Brandenburg oder Thüringen, wo die Zahlen ähnlich sind – eine völlig andere ist als hier in Schleswig-Holstein. Deshalb kommt die Allianz für Lehrkräftebildung, der Wissenschaftliche Beirat zu dem Ergebnis, dass für Schleswig-Holstein andere Modelle besser geeignet sind, insbesondere der Quereinstiegs-Master; das ist ja eine der drei Alternativen, die dort aufgezeigt werden. Warum ist das so? Weil wir sonst befürchten müssen, dass wir einen massiven Verdrängungseffekt bekommen. Genau diesen massiven Verdrängungseffekt wollen wir verhindern. Kennen Sie auch die Antwort auf die Frage, warum das im Bereich der beruflichen Bildung nicht klappt? Weil es da einfach keine Menschen gibt. Man muss einfach mal ausrechnen, was das kostet, was Sie hier heute alles gefordert haben, was man Ihrer Meinung nach machen sollte. Rechnen Sie mal aus, wie viel Geld Sie dafür brauchen! Dieses Geld haben wir schlicht nicht. Auch das ist die klassische Herangehensweise der Opposition. (Christopher Vogt [FDP]: Kommen Sie! Das ist jetzt albern!) Sie dürfen das; aber wir müssen sehen, dass wir mit den vorhandenen Mitteln die Maßnahmen ergreifen, die wirksam sind. Wir sind der festen Überzeugung, gestützt durch die Expertise der Allianz für Lehrkräftebildung und des Wissenschaftlichen Beirats, dass die richtigen Maßnahmen insbesondere sind: Förderung von Weiterbildungsstudiengängen, Förderung des Quereinstiegs-Masters und viele Maßnahmen zur Flexibilisierung des Zugangs zum Lehramt. Diese Wege werden wir konsequent weitergehen, meine Damen und Herren. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
