Martin Habersaat
Vielen Dank, Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Im gesamten Schuljahr 2022/23 waren 4.325 Personen befristet als Vertretungslehrkräfte an unseren Schulen angestellt. Allein am Stichtag, am 1. Oktober 2023, waren es mehr: 4.487, davon 3.127 ohne Lehramtsausbildung. Hinzu kamen zahlreiche Stellen an Schulen, die gar nicht zu besetzen waren und die interessanterweise trotzdem zur Unterrichtsversorgung beitragen. Die Lage wird nicht besser. Die KMK rechnete 2022 für das Jahr 2025 mit 20.000 fehlenden Lehrkräften, 2030 mit 13.000. Dabei fehlen vor allem Grundschullehrkräfte und Sonderpädagog_innen. Klaus Klemm stellte fest, dass bei den Bedarfszahlen Entwicklungen wie Inklusion, Ganztag und die Förderung von Brennpunktschulen, die jetzt ja bundesweit über das Startchancen-Programm gesichert ist, unberücksichtigt geblieben sind und die Angebotsseite nicht valide berechnet sei. Besonders in den MINT-Fächern werde nur ein Drittel der Stellen fachlich adäquat besetzt werden können. Er kam auf eine Lücke von bis zu 80.000. Deshalb hat die Landesregierung richtigerweise verschiedene Pakete gegen den Lehrkräftemangel angekündigt und vorgelegt. Die Bildungsministerin sagte dazu im Januar 2023, und ich zitiere aus dem Plenarprotokoll: „Wir werden im Rahmen unseres Handlungsplans in diesem Jahr wie folgt vorgehen: Wir werden im Februar die ersten Vorschläge gemeinsam mit der Allianz für Lehrkräftebildung vortragen. Wir werden einen zweiten (Martin Habersaat) Teil von Bausteinen im Juni 2023 vorstellen, und wir werden dann, nachdem die Ständige Wissenschaftliche Kommission im Herbst ein großes Gutachten zur grundlegenden Reform der Lehrerbildung in Deutschland vorstellen wird, ein drittes Paket von Bausteinen für Schleswig-Holstein vorschlagen.“ Ich lese das vor, weil ich glaube, dass daraus ein Missverständnis herrührte, jedenfalls auf meiner Seite. Ein drittes Paket nach Gutachten zu einer grundlegenden Reform; das erweckte bei vielen interessierten Zuhörer_innen den Eindruck, das dritte Paket würde ein großes Paket sein. Tatsächlich wurde es das nicht. Sie haben Schleswig-Holstein zum Lehrkräftegewinnungsland ausgerufen, aber das dritte Paket beschränkt sich im Wesentlichen darauf, Lücken zwischen den beiden ersten Paketen zu schließen. SPD, FDP und SSW hatten nach dem zweiten Paket, die Regierung in ihrer Ideensuche unterstützend, zwölf Vorschläge auf den Tisch gelegt und die beschwörende Überschrift gewählt: „Das dritte Paket zur Lehrkräftegewinnung darf nicht zu klein sein.“ Zur Erinnerung die zwölf Punkte: berufsbegleitende Aufbau-Masterstudiengänge wie in Hamburg, EinFach-Lehrkräfte, duale Studiengänge wie in BadenWürttemberg, Unterstützungsstrukturen für Vertretungslehrkräfte an Schule und Hochschule, Studienorientierung, Arbeitszeitmodelle, mehr Lehrkräfte im Referendariat, Reform der Curricula, Abbau von Hürden für Lehrkräfte mit im Ausland erworbener Qualifikation, jährlicher Etat für die Allianz für Lehrkräftebildung und Ausstattung der Hochschulen. Sie haben sich dann für das dritte Paket entschieden, wie Sie sich entschieden haben. Ich verzichte darauf, meine Bewertung zu wiederholen. Die GEW sprach von einem Kompaktbrief anstelle eines Pakets. Kein Wunder also, dass die FDP heute eine Idee aus diesem Zwölf-Punkte-Plan noch einmal in ausgearbeiteter Form vorlegt, die Möglichkeit eines dualen Studiums. Es ist wenig überraschend, dass die Koalition nun in ihrem Antrag schreibt, ich zitiere: „Lehrkräftegewinnung ist ein komplexes Thema, welchem nicht durch Einzelmaßnahmen allein, sondern nur durch ein Zusammenspiel unterschiedlicher Maßnahmen begegnet werden kann.“ Herr Vogt, hätten Sie sich doch bloß nicht auf eine Maßnahme konzentriert, sondern mehrere vorgeschlagen. (Christopher Vogt [FDP]: Wie man es macht!) Ich ende mit einem Spoiler: Wir werden das im Juli auch tun und dann die Lage der Vertretungslehrkräfte zur Diskussion stellen, natürlich, wie Sie uns kennen, verbunden mit konstruktiven Vorschlägen zur Verbesserung der Lage im Land. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall SPD und Dr. Heiner Garg [FDP] – Zuruf Dr. Heiner Garg [FDP])
