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Malte Krüger

GRÜNE 20.06.2024 Sitzungen 20/61

Sehr geehrte Herr Präsident! Martin Balasus hat es gerade schon skizziert: Wir sind in einem sehr umfangreichen Prozess zur Lehrkräftegewinnung. Das Thema beschäftigt uns nicht erst seit gestern. Es wird uns auch noch in den nächsten Jahren weiter beschäftigen, weil der Bedarf so groß ist. Der Vorschlag mit dem dualen Studium ist nicht neu. Er wird gerade in ganz Deutschland in fast allen Bundesländern diskutiert. Martin Balasus wies darauf hin, die Uni in Erfurt hat schon 1.400 Euro als Lohn für den Bachelor und 1.650 Euro im Masterstudium vorgelegt. Als Projekt läuft es so ab, dass man im ersten und im zweiten Semester Grundlagen lernt. Ab dem dritten Semester gibt es dann drei Tage Uni und zwei Tage in der Schule. Das ist das dortige Konzept. Es soll fast gleich auch an der Uni Magdeburg funktionieren. In Bremen will man erst einmal einen Modellversuch starten. Da gibt es gerade eine Debatte darüber, wie man den genau aufstellt. In Baden-Württemberg überlegt man auch, ob so ein Modellprojekt sinnvoll sein kann, und sogar in Bayern, wo man von den Problemen, die in Thüringen oder in anderen ostdeutschen Bundesländern vorherrschen, weit entfernt ist, gibt es Überlegungen, bei den dualen Studiengängen voranzugehen. Wie sieht die Situation in Schleswig-Holstein aus? Wir haben vor allem den dualen Masterstudiengang Sonderpädagogik, bei dem wir in unserem Antrag auch sagen, dass wir den evaluieren, um schauen zu können, wo wir hier nachjustieren und weiterentwickeln können. Es wurde schon viel über den dualen Master für das Lehramt an berufsbildenden Schulen erzählt. Christopher Vogt sagte vorhin, er selbst habe einen dualen Bachelor gemacht, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Genau für so jemanden wie Sie wäre das duale Masterstudium für das Lehramt an berufsbildenden Schulen eigentlich gewesen, um einen Anreiz zu bieten, in das Lehramt zu wechseln. (Christopher Vogt [FDP]: Darauf hat die Welt gewartet!) – Herr Vogt, wenn wir schon bei Ihnen sind: Ehrlich gesagt kann ich den Vorwurf an unseren Antrag nicht ganz verstehen. Ich finde, wir sind in unserem Antrag sehr konkret. Wir verweisen auf vier Drucksachen. Die Drucksachen lese ich jetzt nicht alle vor, die können Sie sich durchlesen. Das soll einfach nur zeigen, dass wir schon sehr lange an dem Thema dran sind und dass wir hier im Landtag dazu schon diverse Beschlüsse gefasst haben. Zur Evaluierung des Masterstudiengangs Sonderpädagogik habe ich schon erzählt, dass wir die Verknüpfung von erster und zweiter Phase in den Blick nehmen wollen. Das haben Sie in ihrer Rede gerade selbst gefordert. Das finden Sie auch in (Malte Krüger) unserem Antrag. Dass wir den Handlungsplan der Lehrkräftegewinnung umsetzen wollen, dürfte nicht überraschen. (Christopher Vogt [FDP]: Das hat mich am meisten überrascht!) Dass wir die Ein-Fach- und Doppelfachstudiengänge Informatik und Mathematik einführen wollen und gucken wollen, was es noch für weitere Studien gibt, die wir noch anführen können, dürfte auch nicht verwirren. Wir wollen auch Deutsch als Zweitsprache für die Lehrkräfteausbildung prüfen, und ob wir dies als eigenständiges Fach gestalten. Bei der Lage, die wir gerade haben, ist das, so glaube ich, total angebracht. Bei dem Fachkräftemangel, den wir in dem Bereich haben, ist das auch eine Sache, die wir uns werden anschauen müssen. Dass die Anpassungslehrkraft für die ukrainischen Lehrkräfte evaluiert und dann sogar für weitere ausländische Lehrkräfte geöffnet werden soll, ist doch auch eine sehr konkrete Forderung, ebenso wie zusätzliche Weiterbildungsangebote für Lehrkräfte und so weiter. Ich verstehe Ihren Vorwurf ehrlich gesagt nicht, weil ich finde, an konkreten Vorschlägen mangelt es in unserem Antrag tatsächlich nicht. Ich will noch einen Vorschlag aufgreifen, den ich besonders wichtig finde. Das ist die verbesserte Verbindung von Studium und Vorbereitungsdienst. Ich glaube tatsächlich, dass wir da immer noch enorme Reibungsverluste haben. Viele Studierende oder LiV, die im Vorbereitungsdienst sind, sagen, dass sie sich nicht für den Vorbereitungsdienst vorbereitet fühlen. Sie sind überfordert, weil sie im Studium nicht das Werkzeug an die Hand bekommen, das sie im Vorbereitungsdienst brauchen. Das hören wir nicht nur in Schleswig-Holstein, das ist kein schleswig-holsteinisches Problem. Das hören wir eigentlich in allen Bundesländern. Das ist etwas, wo wir ran müssen. Deswegen ist die Idee der Allianz für Lehrkräftegewinnung auch so wichtig, nämlich dass wir im Studium mehr Vorbereitung auf den Vorbereitungsdienst brauchen, um die Überforderung abzubauen. Der Landtag hat dazu schon in den letzten Legislaturperioden Beschlüsse gefasst. Wir haben mehr Praktika geschaffen, wir haben das Praxissemester eingeführt. Ich glaube, wir müssen darangehen, dass Lehrkräfte eine Handlungskompetenz an die Hand bekommen, sodass sie nicht nur die theoretische Pädagogik lernen, sondern ganz konkret, wie man im Klassenzimmer mit Schüler_innen umgeht. Ich glaube, dass das im Studium viel zu kurz kommt oder zum Teil gar nicht passiert. Das halte ich für einen Fehler. Wir sollten in Schleswig-Holstein sehr genau beobachten, was in den anderen Bundesländern zu dem Thema duale Studiengänge und den ganzen Modellprojekten, die da auf dem Weg sind, passiert. Ich glaube, dass hier der Bildungsföderalismus tatsächlich eine Chance sein kann, weil bei diesen dualen Studiengängen viele verschiedene Schwerpunkte gesetzt werden. Daraus können wir in Schleswig-Holstein wichtige Lehren ziehen, wenn wir das ganz genau beobachten. Das wünsche ich mir. – Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Martin Balasus [CDU] und Wiebke Zweig [CDU])

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