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Martin Balasus

CDU 20.06.2024 Sitzungen 20/61

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Fachkräftemangel hält ganz Deutschland in Atem, leider macht er auch vor unseren Schulen nicht halt. Die Folge: Vielerorts fehlt zunehmend pädagogisches Personal. Das Thema Lehrkräftegewinnung ist hier ein Dauerbrenner im Landtag. Wir alle wissen, dass es nicht die eine Idee gibt, die alles heilen wird. Nein, wir setzen auf ein komplexes Maßnahmenbündel, das kontinuierlich weiterentwickelt wird. Erst vor Kurzem haben wir das dritte Paket zur Lehrkräftegewinnung vorgestellt, das zukunftswei- (Martin Balasus) sende Initiativen enthält. Hier sei exemplarisch der Studiengang Mathematik an Grundschulen an der Europa-Universität Flensburg genannt, welcher die Studienabbrecherquote senken soll. Wir setzen bei der Lehrkräftegewinnung auf den Schleswig-Holstein-Way – also nicht auf par ordre du mufti, sondern auf die gemeinsame Suche nach kreativen Lösungen. Unser Instrument dafür ist die Allianz für Lehrkräftebildung aus Bildungsexperten, Wissenschaftlern, Schulleitungen und Vertretern der Schüler-, der Eltern- und der Lehrerschaft. Und das läuft bei uns ziemlich gut. Entscheidend ist, offen und mutig zu sein, keine Scheuklappen zu haben und auch einmal über ungewöhnliche Maßnahmen nachzudenken. Eine liegt uns heute hier vor. Der Kollege Vogt hat sie uns gerade vorgestellt. Die Idee lautet, ein duales Lehramtsstudium zu ermöglichen, jetzt erst einmal mit dem Schwerpunkt auf Mangelfächer und -kreise. Manche Länder planen auch bereits Modellstudiengänge für das Lehramt an allgemeinbildenden Schulen, zum Beispiel Thüringen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Warum gerade diese? – Weil der Lehrkräftemangel in den östlichen Bundesländern wesentlich stärker als in den westlichen Bundesländern ausgeprägt ist. Nach der Wende wurden unzählige Stellen im Osten abgebaut. In Sachsen-Anhalt ist es so, dass heute nahezu jede Abiturientin und jeder Abiturient Lehramt studieren müsste, um den Lehrkräftebedarf in dem Bundesland zu decken. Das zeigt, dass wir hier in Schleswig-Holstein weiß Gott zum Glück noch ganz weit entfernt von einer vergleichbaren Situation sind. Dort ist es wirklich alarmierend. In Erfurt kann man ab dem kommenden Wintersemester Lehramt im MINT-Bereich dual studieren. Das ist natürlich auf den ersten Blick attraktiv, schließlich würde man als Bachelorstudent monatlich 1.400 Euro erhalten. Bei zwei Tagen in der Schule und drei Tagen an der Uni läuft man allerdings schnell Gefahr, überfordert zu sein. Mancher wird vielleicht als Folge auch länger studieren. Viele Fragen sind noch offen: Wer begleitet und betreut die Studentinnen und Studenten an den Schulen? Wie werden sie auf das Land verteilt? Stehen sie nicht vielleicht viel zu früh vor einer Klasse? Und am wichtigsten: Wer soll das Ganze eigentlich bezahlen? Für Schleswig-Holstein wäre das duale Lehramtsstudium eine gewaltige finanzielle Herausforderung – und das in Zeiten unsicherer Kassen. Dennoch ist es ein Weg, der gegangen werden muss – könnte man jetzt meinen. Nun ist es aber so, dass die Expertinnen und Experten erhebliche Zweifel haben, ob das unser Problem, den Lehrkräftemangel, lösen kann. Im Gegenteil: Sie sagen, dass es ein Irrglaube sei, dass das duale Studium den Lehrkräftemangel mal so eben beseitigen würde. Dazu kommt noch, dass die Gewerkschaften das ebenfalls kritisch sehen.

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