Martin Habersaat
Vielen Dank, Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ich finde die Warnung des Kollegen Garg ganz richtig. Es wäre schade, wenn in der nächsten Legislaturperiode eine Landesregierung da säße und sagen würde: Da hat die Ministerin ein Programm eingeführt und wie einst der Minister Garg nicht zu Ende gerechnet oder wie einst der Kollege Buchholz wichtige Dinge nicht im Vorfeld beachtet. Das soll ja nicht passieren, und deswegen sollten wir kritische Fragen schon jetzt stellen. Und ich habe einige aus dem Blickwinkel Schule, den ich ehrlicherweise mitbringe. Mein Grundwunsch als Bildungsausschussvorsitzender ist es, dass möglichst viele Kinder mit sechs Jahren möglichst gut vorbereitet auf die Schule von der Kita in die Schule kommen. Das wäre mein politisches Ziel. Dann gucke ich nach Hamburg und stelle fest: Hamburg kommt diesem Ziel ein großes Stück näher, indem es alle Viereinhalbjährigen zu einem Screening einlädt und dann besondere Fördermaßnahmen für die Viereinhalbjährigen anordnet, bei denen es erforderlich ist. Für diese Untersuchung sehe ich zunächst einmal gar nicht so riesige zusätzliche Kosten. RheinlandPfalz hat das so gelöst, dass die Schuleingangsuntersuchung einfach von dem Zeitpunkt halbes Jahr vor Einschulung auf den Zeitpunkt eineinhalb Jahre vor Einschulung vorverlegt wurde. Das stelle ich mir als Möglichkeit vor. Sie müssten sagen, warum das nicht geht. Und dann könnte ich identifizieren, welche Kinder denn einen besonderen Förderbedarf haben. Kosten entstehen dann ja erst und nur bei den Kindern, bei denen ich einen besonderen Förderbedarf festgestellt habe und sage: „Du musst jetzt ein besonderes Förderangebot wahrnehmen!“ Da ich das dann zielgerichtet machen kann, habe ich die Hoffnung, dass ich möglicherweise mit weniger Mitteln klarkomme, als wenn ich allen Kitas zusätzliches Personal zur Verfügung stelle. Sie haben sich jetzt für den Weg entschieden, dass Sie sagen, Sie nehmen 45 Kitas in Schleswig-Holstein; mit denen fangen Sie an. Das heißt für mich erst einmal, dass es über 8.000 Kitas in SchleswigHolstein geben wird, an denen das nicht passiert. An über 8.000 Kitas in Schleswig-Holstein werden Kinder sein, die diesen besonderen Bedarf haben, den wir aber nicht feststellen, und die dann nicht optimal vorbereitet in der Grundschule auflaufen. Wenn ich das eben richtig verstanden habe – aber vielleicht können Sie das noch einmal sagen –, sollen dann diese Screenings für die Viereinhalbjährigen nicht einmal an allen diesen Kitas stattfinden, sondern nur an einigen von diesen 45 Kitas. Das wäre dann ja noch weniger und noch bedauernswerter. Denn letztlich finde ich den Gedanken des PerspektivSchul-Programms und des PerspektivKita-Programms richtig, Ungleiches ungleich zu behandeln und da mehr zu fördern, wo mehr Bedarf ist. Aber am besten wäre es ja, das kindscharf zu regeln, indem ich die Kinder, die den besonderen Bedarf haben, besonders fördere. Da sehe ich uns noch nicht auf einem Weg, der uns schnell zum Ziel bringt. – Vielen Dank.
