Karin Prien
Nein, ich würde jetzt gerne weiterreden. Herr Stender, Sie können sich dann gerne noch einmal zu Wort melden. Der Masterplan zur beruflichen Bildung – auch das muss noch einmal gesagt werden – ist im Übrigen ein Auftrag an die FDP, der nicht aus dieser Legislatur stammt, sondern aus der letzten Legislatur, Herr Kollege Buchholz. Insofern sind wir da, glaube ich, gemeinsam der Auffassung, dass wir unser System der beruflichen, vor allem der dualen Ausbildung jetzt zukunftsfest machen müssen. Wir sind da, glaube ich, gar nicht weit auseinander. Man muss allerdings – da sollten wir uns ehrlich machen – erstens sagen: In Wahrheit ist die Fachkräftelücke größer; bis 2035 fehlen nicht 180.000 Fachkräfte, sondern bis zu 330.000. Da muss man sich die Zahlen genau anschauen. Zweitens sind es nicht im Wesentlichen die Berufe im Handwerk, in denen die Fachkräfte fehlen werden, sondern die Berufe im Bereich von Erziehung und Pflege. Das macht es überhaupt nicht besser, was im Handwerk passiert. Ich sage nur, dass wir diese Bedarfe natürlich in allen möglichen Berufen haben und nicht nur dort, wo es vielleicht Sinn macht, sich einmal im Rahmen von Werkstatttagen auch über Handwerksberufe schlauzumachen. Das Problem ist sehr viel größer; deshalb muss die Antwort auch größer sein, um einen – wie haben Sie gesagt Herr Stender? – (Kianusch Stender [SPD]: Ein kluger Mann!) – klugen Mann zu zitieren. Ich fürchte, das Problem ist größer, und deshalb muss die Antwort auch noch ein bisschen breiter sein. Richtig ist aber: Berufsfelderprobung und Werkstatttage sind eine absolut sinnvolle Sache, wenn sie gut gemacht sind. Denn das ist auch unsere Erfahrung: Wir haben mehrere solcher Versuche im Land laufen. Mölln läuft gut, andere laufen nicht so gut und müssen neu aufgesetzt werden. Deshalb macht es total viel Sinn, genau draufzuschauen. Wir haben seit 2021 im Rahmen des Landeskonzeptes die Mittel für die Berufsfelderprobung von knapp 400.000 Euro auf 1,2 Millionen Euro aufgestockt – also massiv aufgestockt. Wir geben da sehr viel Geld aus. Darüber hinaus fördern wir Berufsfelderprobung – das ist übrigens ein Begriff, den der Bund geprägt hat; der ist vielleicht nicht sexy, aber so heißt es nun einmal beim Bund –, und der Bund stellt uns weitere Mittel in Höhe von 3,2 Millionen Euro zur Verfügung. Wir versuchen im Augenblick noch einmal ein bisschen besser abzustimmen, wie die Bundesmittel und die Landesmittel besser im Land verteilt werden können und dabei zu berücksichtigen, welche Modelle gut funktionieren und welche nicht gut funktionieren, um dadurch ein weiteres Ausrollen im Land zu ermöglichen. Wir werden uns auch die anderen Maßnahmen im Rahmen des Landeskonzepts anschauen. Das wird möglicherweise dazu führen, dass wir die Gelder aus diesem Bereich – wie gesagt, wir geben da sehr viel Geld aus – noch einmal umsteuern werden. Auch Teil des Landeskonzeptes ist übrigens, dass wir erstmals in Schleswig-Holstein verpflichtende Berufsorientierung an Gymnasien eingeführt haben. Diese Berufsorientierung umfasst ausdrücklich nicht nur das Studium, sondern eben auch andere Formen, übrigens nicht nur der dualen Ausbildung. Wir haben ja inzwischen auch an unseren beruflichen Schulen sehr viele vollschulische Ausbildungen. Insbesondere in den von mir erwähnten Erziehungs- und Pflegeberufen spielen die eine sehr große Rolle. Wir haben auch andere Instrumente eingeführt, wie den Stärken-Parcour, den alle Jahrgänge in der 7. Klasse an den Gemeinschaftsschulen durchlaufen. Wir haben das sehr erfolgreiche BerufswahlSIEGEL mit inzwischen 77 zertifizierten Schulen, die vorbildliche berufliche Orientierung bieten. Und wir haben vieles anderes mehr, meine Damen und Herren. Es ist auch richtig und notwendig, das so zu machen. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Die Wahrheit ist: Wir haben auch rückläufige Studierendenzahlen. Es ist ja gar nicht so einfach, dass man sagen könnte: Ach, wenn jetzt einmal alle, viel mehr einfach in die beruflichen Ausbildungen oder die vollschulischen Ausbildungen gingen, wird alles gut. – Nein, dann fehlen sie uns nämlich an den Hochschulen. Das ist das Problem. Wenn wir ernsthaft miteinander diskutieren wollen, müssen wir uns mit dieser demografischen Entwicklung auseinandersetzen. Es ist eben nicht so einfach, dass man sagen kann: Wenn es nur an dieser Stelle mehr gibt, wird alles gut. – Nein, es ist leider deutlich komplizierter. Über eine Debatte im Bildungsausschuss, die auch dieser Größe des Problems gerecht wird, würde (Ministerin Karin Prien) ich mich sehr freuen und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW)
