Malte Krüger
Danke, Herr Stender. – Ich frage mich, ob Ihnen bewusst ist, dass wir uns in Zeiten eines extremen demografischen Wandels befinden. Wenn ich in Steinburg unterwegs bin, merke ich das überall. Und ich frage mich, ob Sie davon überzeugt sind, dass egal, wer in der Regierung sitzt – ob Sozialdemokraten, Grüne, FDP oder CDU –, in Zeiten des demografischen Wandels sie wirklich in der Lage sein wird, alle Ausbildungsplätze zu besetzen. – Herr Krüger, selbstverständlich bin ich mir dessen bewusst. Und ja: Ich bin der Meinung, dass wir als Land dafür sorgen sollen, dass von diesen 2.500 Ausbildungsstellen so viele wie möglich besetzt werden müssen. Wir können einiges dafür tun. Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen: Über dieses Konzept, von dem ich gerade gesprochen habe, haben wir im Rahmen der Kleinen Anfrage von Herrn Habersaat vor drei Jahren schon einmal diskutiert. Da ist ganz deutlich geworden, dass dies nicht ausreicht, um die Stellen zu besetzen. Wir können noch mehr machen. Ich rede ja jetzt über die Praktikumsprämie und kann gern gleich noch ein paar Sätze dazu sagen; denn ich habe ja gesehen, wie viel dafür eingestellt wurde: 80.000 Euro. Bei diesem Prämienprogramm bekommt man 240 Euro für zwei Wochen Praktikum in den Ferien. Das bedeutet, dass von diesem Angebot in ganz Schleswig-Holstein 333 Schüler_innen Gebrauch machen können – bei 2.500 unbesetzten Plätzen. Und wenn man sich dann noch einmal überlegt, dass wir an den allgemeinbildenden Schulen in Schleswig-Holstein allein im 9. Jahrgang knapp 24.000 Schüler_innen haben, dann können von diesem Programm, das Sie so wunderbar durch die Medien geschickt haben, 1,5 Prozent Gebrauch machen. Es gab mal einen klugen Mann, der gesagt hat: Die Lösung muss so groß sein wie das Problem. – Das ist sie hier in diesem Fall nicht. (Beifall SPD – Zuruf SPD: Die Fraktion war so groß wie sein Problem!) Jetzt haben wir gestern darüber gesprochen, dass das Geld überall knapp ist; Herr Knöfler hat es gerade noch mal gesagt. Wir haben auch gesagt, dass wir uns gegenseitig nicht so viele Vorwürfe machen sollen. Deswegen finde ich diesen FDP-Antrag ja auch so passend; denn die Werkstatttage kosten uns keine Unsummen. Die Handwerkskammer hat mir letzte Woche sogar gesagt, dass sich viele Betriebe freuen würden, wenn sie mehr Möglichkeiten bekämen, jungen Menschen ihre Berufsfelder nahezubringen. Deswegen stimmen wir dem auch gerne zu. Das ist wirksamer und günstiger als das, was Sie auf den Weg gebracht haben. Über den Alternativantrag – also bitte! – würde ich am liebsten gar nicht reden. Immerhin steht darin etwas – Herr Vogt hat es eben gesagt – von der Weiterentwicklung des Landeskonzepts Berufliche Bildung. Aber darüber, dass Sie jetzt eine Evaluation der Berufsfelderprobung in Abstimmung mit Ihrem Programm „PerspektivSchule Kurs 2034“ als Alternative zu dem Vorschlag der FDP zum Thema (Kianusch Stender) Werkstatttage vorschlagen, musste ich schon ein bisschen schmunzeln. Sie, Herr Krüger, finden, die Werkstatttage gingen nicht weit genug, und kommen dann mit diesem Alternativantrag? – Ich weiß nicht. Wir werden natürlich nicht zustimmen. Es wäre schön, wenn Sie einfach einmal sagen würden, dass Sie dem FDPAntrag nicht deshalb nicht zustimmen, weil es nicht Ihre Position ist, sondern weil es ein Antrag von der FDP ist und er von der Opposition kommt. (Martin Balasus [CDU]: Oh, jetzt wird es aber ganz platt!) Es wäre schön, wenn Sie einfach sagen könnten, dass es nicht immer Sie sind, die die geileren Ideen haben. (Lukas Kilian [CDU]: Sind wir hier im Bierzelt?) – Nein, wir sind nicht im Bierzelt, Herr Kilian. Es ist in Ordnung. (Zuruf Uta Wentzel [CDU]) Zum Schluss komme ich zurück zu meiner Schwester, vielen Dank, Frau Wentzel. (Martin Balasus [CDU]: Genau! Das ist viel spannender!) Ich habe ihr am Ende vorgeschlagen, eine Tischlerlehre zu machen. Damit kann man irgendwann wunderbar auch in der Entwicklungszusammenarbeit arbeiten. Heute ist sie eine der besten Tischlergesellinnen im Land. Während ich ihr früher gezeigt habe, wie man Dübel in die Wand bringt, ist es heute eher umgekehrt. Sie ist glücklich in ihrem Job, und ich freue mich, dass ihr beruflicher Weg so verlaufen ist. Aber: Durch die Schule wurde ihr dieser Weg und diese Perspektive nicht unbedingt eröffnet. Durch die Werkstatttage wäre sie vielleicht früher darauf gekommen. – Vielen Dank. (Beifall SPD)
