landtag.ltsh.de ↗

Kianusch Stender

SPD 20.06.2024 Sitzungen 20/61

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine Schwester wusste nach der Zeit auf dem Gymnasium nicht, was sie machen sollte. Es gab so viele Möglichkeiten. Die wenigsten konnte man selbst ausprobieren, und am Ende entwickelt sich der Lebensweg sowieso ganz anders, als man es sich eigentlich vorgenommen hatte. Es ist natürlich toll, dass wir so eine große Auswahl an Möglichkeiten haben. Aber wie soll man sich entscheiden? Ich war in meiner Familie der Erste mit Abitur. Deshalb hat sich meine Schwester auch an mich gewendet und mich nach Tipps gefragt, was man denn so machen kann. Dann haben wir uns hingesetzt und geschaut, was ihr Spaß macht, worauf sie Lust hat und was zu ihrem Wertekanon passt. Wir sind dann relativ schnell beim Thema Entwicklungszusammenarbeit gelandet, und ihre erste Frage war: „Wo kann man das studieren?“. Auf die Idee, eine Ausbildung zu machen, ist sie (Kianusch Stender) gar nicht gekommen, und wer soll ihr das auch verübeln? An den Gymnasien herrscht ja weiterhin der Spirit, dass man ja eigentlich studieren müsse. Warum habe man denn sonst Abitur gemacht? Wir sind in der Verantwortung, diesen Blickwickel noch zu erweitern. (Beifall SPD und Jette Waldinger-Thiering [SSW]) Das Landeskonzept Berufliche Orientierung an den weiterführenden Schulen sieht ja einiges vor. Aber selbst, wenn man mal ignoriert, wie schlecht die Schulen bei diesem Konzept mitgenommen wurden, und auch wenn man davon absieht, dass nicht mal eine Evaluierung dieses Konzepts vorgesehen war, bleibt festzustellen: Offensichtlich reicht dieses Konzept nicht aus, um die unbesetzten Ausbildungsplätze in Schleswig-Holstein zu füllen, Frau Prien. Wir haben in Schleswig-Holstein mehr als 2.500 unbesetzte Ausbildungsstellen. Ich bin ja froh, dass unsere Betriebe wieder mehr ausbilden als vor ein paar Jahren. Aber das Land SchleswigHolstein muss auch einen Rahmen schaffen, dass diese Anstrengungen von Erfolg gekrönt sind. Jetzt haben Sie ja diese Praktikumsprämie eingeführt, und ich finde das gut, Minister Madsen, ganz ehrlich. Es ist gut, wenn Schüler_innen ein Praktikum machen und sich einen Eindruck von einem Berufsfeld verschaffen. Durch diese Prämie werden vielleicht sogar junge Menschen motiviert, die einen handwerklichen Beruf vorher gar nicht für sich selbst in Betracht gezogen haben. Das ist alles in Ordnung. Aber dann habe ich gesehen, wie viel Geld Sie dafür eingestellt haben.

Alle Reden von Kianusch Stender Protokoll ↗