Malte Krüger
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Ich glaube, was die Gleichwertigkeit von Ausbildung und Studium angeht, sind wir uns alle einig. Ich glaube, das ist nicht Teil dieser Diskussion. Noch nicht einig sind wir uns über den konkreten Weg. Die FDP schlägt jetzt den Werkstattunterricht vor. Ich würde sagen – so habe ich auch Peer Knöfler verstanden –: Wir müssen viel breiter an das Thema herangehen. Der Werkstattunterricht kann da nur ein kleines Rad sein. Deswegen finde ich es richtig, dass wir in unserem Alternativantrag die Berufsfelderprobung angehen. An dieser Stelle sei mir ein Hinweis erlaubt – ich war in der letzten Legislaturperiode ja noch kein Abgeordneter –: Der Begriff „Berufsfelderprobung“ ist ein bisschen sperrig. Ich kann mir nicht vorstellen, wie ein Schüler zum anderen Schüler sagt: „Ey, ich habe übrigens morgen meine Berufsfelderprobung“. In unserem Antrag fordern wir ja auch, dass dieses ganze Thema evaluiert wird. Vielleicht finden wir da noch irgendeinen Begriff, der etwas einprägsamer ist. (Christopher Vogt [FDP]: „Werkstattunterricht“!) Ich glaube, zumindest die Schülerinnen und Schüler fänden das gut. Herr Vogt, es ist klar: Jemand, der wie Sie aus dem Herzogtum Lauenburg kommt, muss natürlich – das sehe ich ja auch so – ein sehr gutes Programm wie das des BBZ Mölln, nämlich den Werkstattunterricht, in den Vordergrund stellen. (Christopher Vogt [FDP]: Nee, nee! Komm jetzt nicht so!) Ich will das auch gar nicht kleinreden; das ist gut und sinnvoll. Aber im Rahmen der Berufsfelderprobung flächendeckend nur Werkstattunterricht anzubieten, würde, glaube ich, zu kurz greifen. Da muss es noch andere Ansätze geben. Dass wir bei diesem ganzen Thema der beruflichen Orientierung und beruflichen Bildung in der Tat ein Problem haben, hat der Kollege Bernd Buchholz als Wirtschaftsminister in der letzten Legislatur – mitten in der Pandemie – sehr deutlich gemacht. Auch meine Kollegin Ines Strehlau hat dies in der letzten Legislatur deutlich gemacht. Sie hat darauf hingewiesen, dass bis 2035 bis zu 180.000 Fachkräfte fehlen werden. Gleichzeitig gibt es erhebliche regionale Unterschiede: Bei uns an der Westküste ist das etwas anderes als in Flensburg oder in Kiel, wo es teilweise ganz andere Entwicklungen gibt. Das muss natürlich immer einbezogen werden. Wir müssen bei der Berufsfelderprobung und generell bei der Berufsorientierung auch auf die Lehrkräfteausbildung schauen. Lehrkräfte brauchen eine (Malte Krüger) gewisse Orientierung, wenn es darum geht, Berufsorientierung zu geben. Deswegen lohnt es sich, das Thema stärker in die Ausbildung zu integrieren; denn es ist ein Querschnittsthema. Es ist ja nicht nur so, dass im WiPo-Unterricht Berufsorientierung gegeben wird. Ich stelle es mir zumindest in meiner idealen Welt so vor, dass Schülerinnen und Schüler zu der Lehrkraft gehen, mit der sie darüber sprechen wollen, und dass alle Lehrkräfte am Thema Berufsorientierung mitarbeiten. Mir ist ganz wichtig: Duale Ausbildung findet eben nicht nur in Werkstätten statt, sondern das Feld der dualen Ausbildung ist viel breiter. Man denke an Wirtschaftsberufe: Da ist ein Werkstattberuf nicht vorgesehen. Das ist eben der Unterschied zwischen dem FDP-Antrag und dem Antrag von CDU und Grünen. Bei der Berufsfelderprobung geht es nämlich um das Kennenlernen und Ausprobieren von Berufsleben und Werkstoffen. Dabei geht es nicht nur darum, Werkstätten zu besuchen, sondern um viel mehr. Ich finde es absolut richtig, dass wir an Werkstätten herangehen; bitte verstehen Sie das nicht falsch. Aber Herr Knöfler hat ja auf die Probleme hingewiesen, die wir in dem Bereich haben. Zum Teil sind diese ausgelastet, und wir müssen dort mehr Möglichkeiten schaffen. Als ehemaliger Realschüler kann ich nur sagen: Wir sind da schon ein ganzes Stück weitergekommen. Als ich Berufsorientierung hatte, war das so: Man wurde vor einen Computer gesetzt und sollte drei Fragen beantworten; vielleicht waren es auch ein paar mehr. Bei mir kam heraus, dass ich doch vielleicht Architekt werden könnte. Ich glaube, mein Vater ist bis heute froh, dass das nicht passiert ist. Er hätte sehr viel Angst, über die Brücken zu fahren, die ich gebaut hätte. Bei diesem Thema sind wir inzwischen deutlich weiter. Mir ist noch wichtig, dass wir auch die Förderzentren in den Blick nehmen; das haben wir hier auch schon im Februar getan. Der Zugang zum ersten Arbeitsmarkt ist enorm wichtig, und das hat natürlich auch viel mit Berufsorientierung zu tun. Wir dürfen Berufsorientierung nicht nur für Gymnasien und Gemeinschaftsschulen denken, sondern wir müssen sie wirklich für alle Schulformen in den Blick nehmen. (Christopher Vogt [FDP]: Das sehen wir auch so!) Ich finde es wichtig, dass wir es bei der beruflichen Bildung so handhaben können – ich denke da an Itzehoe, wo es viele allgemeinbildende Schulen gibt –, dass es zwischen den allgemeinbildenden Schulen und den beruflichen Schulen mehr Austausch gibt. Auch die beruflichen Schulen haben ja Werkstätten vor Ort. Wir sollten dort viel stärker vernetzt denken, und auch andere Städte sollten da vorangehen. Mölln tut das ja bereits, aber es ist doch unbenommen, dass auch andere Städte und andere Berufsschulen da vorangehen können. Das wünsche ich mir. Ein letzter Satz noch zum Masterplan:
