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Peer Knöfler

CDU 20.06.2024 Sitzungen 20/61

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Wir diskutieren in den letzten Jahren immer wieder über den Fachkräftemangel, der sich auch in den Ausbildungsbetrieben zeigt. Es geht um ein Problem, das wir auch als Kunden, als Privatmenschen kennen. Wir haben besprochen, was wir dagegen tun wollen und müssen. Wir müssen – das hat der Kollege Vogt eben schon gesagt – mehr jungen Menschen den Weg in Handwerksberufe ebnen; da sind wir uns, denke ich, alle hier einig. Sie müssen in eine Ausbildung kommen, diese erfolgreich abschließen und dann motiviert in einem Beruf arbeiten, sich eventuell sogar weiterqualifizieren und immer besser werden wollen. Klar ist eines: Nicht jeder ist ein guter BWLer oder ein guter Ingenieur. Manch einer wird sich im Rahmen des Studiums fragen: Warum habe ich mich eigentlich für dieses Studium entschieden? – Vielleicht, weil es noch zu wenig Möglichkeiten gibt, realistische, praktische Erfahrungen zu sammeln und sich in unterschiedlichen Berufen auszuprobieren. Vielleicht hätte der junge Mensch sonst festgestellt, dass der angestrebte Abschluss als angesehener Ingenieur nicht so cool ist wie die Ausbildung zum Tischler mit der Aussicht, später Ausbilder in einem handwerklichen Beruf zu sein. Vielleicht wäre auch die Ausbildung zum Erzieher oder Krankenpfleger naheliegender gewesen. Um also sicherzustellen, dass sich die Jugendlichen für einen Beruf entscheiden, der ihren Stärken und ihren Interessen entspricht, ist die Teilnahme an Werkstatttagen, wie sie insbesondere – das ist eben schon genannt worden – am BBZ Mölln stattfinden, oder an den sogenannten Berufsfelderprobungen im Lande, wie es seit 2021 heißt, ein wichtiger Bestandteil der beruflichen Orientierung. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 2021 wurde der ehemalige Werkstattunterricht durch den Erlass „Landeskonzept Berufliche Orientierung“ zur „Berufsfelderprobung“ weiterentwickelt. Parallel dazu kam es zu einer Ausweitung der Berufsfelder, die neben den klassischen Handwerksberufen – darum geht es speziell in Mölln – auch kaufmännische Berufe, Dienstleistungsberufe, IT-Berufe und grüne Berufe umfassen sollen, um möglichst vielen Menschen zu ihren Interessen und Neigungen passende Lernerfahrungen zu ermöglichen. Berufsfelderprobungen finden in überbetrieblichen Berufsbildungsstätten und beruflichen Schulen oder vergleichbaren Institutionen statt. Mit ihren Lehrwerkstätten wird die ideale Umgebung zum realistischen Ausprobieren geboten. Im Gegensatz zu einem Praktikum, bei dem Jugendliche überwiegend danebenstehen und zusehen dürfen, wie die Mitarbeiter des Praktikumsbetriebs arbeiten, dürfen und müssen sie bei den Werkstatttagen selbst aktiv werden und Hand anlegen. Nur so können wirkliche Erfahrungen gemacht werden, die hilfreich bei der Berufsauswahl, also für die Zukunft sind. In diesem Bereich der beruflichen Orientierung stehen die Jugendlichen im Mittelpunkt und können sich in einem geschützten Raum, wie die Schule es ist, selbst betätigen. Je nach Bildungsstätte und regionalen Branchenschwerpunkten erhalten sie Einblicke in die Bereiche Produktion, Handwerk, Technik, Dienstleistungen, Wirtschaft und Soziales. Es gibt schon einige Schulen, die solche Angebote wahrnehmen, aber mehr geht immer. Dennoch darf auch die Situation in den allgemeinbildenden Schulen und Förderzentren nicht übersehen werden, die häufig keine zehntägige Berufsfelderprobung ermöglichen können, da sie bereits andere Angebote in der beruflichen Orientierung umsetzen. Auch deshalb ist 2023 die Anzahl der Tage auf fünf bis zehn flexibilisiert worden. Wenn es unser Ziel ist, dass mehr Schulen und Schularten, auch das berufliche Gymnasium zum Beispiel, das Angebot der Berufsfelderprobung in Anspruch nehmen, dann sollten wir damit rechnen, dass das eine bessere und höhere Auslastung der beruflichen Schulen zur Folge haben wird. Diese positive, steigende Entwicklung bei der Belegung der Labore hätte nicht nur einen höheren Personalbedarf zur Folge, den wir aktuell nicht wirklich decken können, sondern auch einen Mehrbedarf bei den Räumen. Damit sind wir beim Totschlagargument: Konnexität. (Peer Knöfler) Für mich lautet die Frage nicht: Können wir uns das leisten? Wir müssen uns das leisten! (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW) Wir müssen mehr praxisnahe Erfahrungen in die Schulen bringen, die Kids rausholen aus ihren YouTube- und TikTok-Welten, rein ins reale Leben: Ideen entwickeln, planen, anpacken, mit allen Sinnen spüren und erleben, was man geschaffen hat, um dann mit mehr Motivation in den Abschluss und in eine passende Ausbildung zu starten. Lassen Sie mich am Ende noch sagen: Das ist ein hehres Ziel. Trotzdem müssen wir in der Realität bleiben und uns die berufsbildende Landschaft angucken. Wir müssen uns die Anzahl der Labore angucken und uns bewusst werden: Wenn wir tatsächlich jeden Schüler in bestimmten Bereichen dort hinschicken wollen, dann wird das sehr schwierig werden, und das wird sehr viel Geld kosten. Auch wenn es das wert ist, müssen wir dieses Geld auch haben. Wir müssen dann Labore bauen, denn die Werkstätten in den beruflichen Schulen sind in erster Linie für die duale Ausbildung gebaut, und sie sind – das kann ich aus eigener Erfahrung sagen – sehr gut belegt. „Sehr gut belegt“ heißt manchmal auch „ausgefüllt“. Seit Jahr und Tag, schon seit mehr als zehn Jahren gibt es Kooperationsvereinbarungen zwischen beruflichen Schulen der Kreise und den Gemeinschaftsschulen – meist sind es Gemeinschaftsschulen – im Umfeld.

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