landtag.ltsh.de ↗

Dagmar Hildebrand

CDU 20.06.2024 Sitzungen 20/61

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste! In letzter Zeit mehren sich die Fälle, in denen Jugendliche Lachgas als Partydroge konsumieren. Anders als der Name vermittelt, ist der Stoff allerdings keineswegs lustig oder harmlos, sondern kann bei regelmäßigem Konsum zu neurologischen und auch bleibenden Schäden führen. Deswegen ist es allerhöchste Zeit, den bislang allzu einfachen Erwerb von Lachgas für Jugendliche möglichst konsequent zu unterbinden. (Beifall CDU und vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Anders als dies in den sozialen Medien dargestellt wird, ist das sogenannte Distickstoffmonoxid keineswegs ein risikoarmes Gas. Ganz im Gegenteil, bei direkter Inhalation beginnt die Gefahr schon damit, dass die Gaskartusche sehr kalt wird – bis zu minus 55 Grad. Damit sind schwere Verletzungen an Fingern und Lippen möglich, daneben Lungenrisse, die durch den hohen Druck des komprimierten, sich ausdehnenden Gases entstehen. Dazu kommen neurologische Folgen. Sie reichen von Bewusstlosigkeit, die durch die Sauerstoffverdrängung in der Lunge entsteht, über Lähmungserscheinungen bis zu hypoxischen Hirnschäden – also gerade jene Schäden, die durch Sauerstoffmangel im Gehirn entstehen. Wer sogar chronisch konsumiert, erleidet Störungen im Zellstoffwechsel, wodurch das Vitamin B 12 in seiner Funktion eingeschränkt wird. Dies kann zu schweren hämatologischen Schäden wie einer verminderten Anzahl von weißen Blutkörperchen führen, wodurch Infektionskrankheiten schneller ausbrechen können. Außerdem kann die Anzahl der Blutplättchen verringert werden, und es kann zu Einblutungen nicht nur in der Haut, sondern auch in Organen kommen. Eine Anämie kann Folge sein, also zu wenig rote Blutkörperchen, was dazu führt, dass Müdigkeit, Verringerung der Leistungsfähigkeit, Kopfschmerzen, Atemnot, Schwindel oder ein beschleunigter Herzschlag bei nur geringer Anstrengung auftreten. Neurologische Schäden wie ein Rückenmarkschaden – ich übernehme gerade Deinen Part, merkst du das? – (Jasper Balke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ach so! – Vereinzelte Heiterkeit) oder eine Störung des peripheren Nervensystems können auftreten. Das sind auch Einschränkungen der Sensorik, der Motorik oder auch der vegetativen Funktionen, also Atmung, Herzschlag und Stoffwechsel. Wenn ein B‑12-Mangel nicht rechtzeitig erkannt wird, können ernsthafte, langfristige Folgen entstehen. In der Anamnese ist diese Erkrankung oftmals nicht festzustellen, weil Patientinnen und Patienten den Konsum von Lachgas nicht angeben und die Diagnose somit nur sehr schwer gestellt werden kann. Entscheidend ist, dass nur wenige Menschen wissen, dass sie schwere, eventuell lebensgefährliche Folgen davontragen können. Deswegen ist es absolut richtig, dass die Niederlande und Großbritannien Lachgas bereits als Droge eingestuft haben. In Frankreich ist der Verkauf von Lachgas an Minderjährige verboten. Bei uns in Deutschland gibt es hierzu leider noch keine Regelung. In Betracht kommt hier für uns ein generelles Verkaufsverbot für den psychoaktiven Stoff an Minderjährige. Damit würde endlich auch der Verkauf von Lachgas über sogenannte Snackautomaten, wie es etwa aus Niedersachsen bekannt geworden ist, unterbunden. (Beifall CDU, vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP) Um es noch einmal ganz klar zu sagen, denn meine Zeit läuft jetzt ab: Lachgas wird üblicherweise professionell zur Narkose im Bereich zahnärztlicher Behandlung benutzt, in der Geburtsklinik oder zum Aufschäumen von Sahne in gastronomischen Betrieben. Der private Konsum dagegen ist schädlich und kann die erwähnten Folgen der Bewusstlosigkeit, Lähmungserscheinungen und Hirnschäden verursachen. Es gibt diese Warnungen von Ärzten in vielen Bereichen; auch die Neurologen warnen davor. Wir sollten unverzüglich handeln und diese Warnungen erstnehmen. Ich bitte um Zustimmung zu diesem Antrag. – Vielen Dank. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP)

Alle Reden von Dagmar Hildebrand Protokoll ↗