Annabell Krämer
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kollegen! Heute sprechen wir über ein Thema, das uns fast alle betrifft, nämlich über Frauengesundheit. Ich möchte die Gelegenheit nutzen und einen besonderen Aspekt der Großen Anfrage hervorheben. Sie wissen: Ich bin Mitglied einer optimistischen, lebensbejahenden, positiv denkenden Partei. (Zuruf CDU: Der CDU? – Zuruf SPD: Ich dachte, der FDP?) Deshalb möchte ich heute insbesondere über ein Thema reden, das in Schleswig-Holstein richtig gut klappt und auf das wir richtig stolz sein können. Ich möchte das Mammografie-Screening-Programm QuaMaDi – Qualität in der Mammadiagnostik – beziehungsweise eQuaMaDi, das digitale Pendant, und die damit verbundenen Erfolge in unserem Bundesland hervorheben. Die Mammografie, ein zentrales Instrument in der Brustkrebsfrüherkennung, zeigt sich hierzulande als außerordentlich effektiv, und das schon über viele Jahre. Schleswig-Holstein ist dabei in vier Regionen unterteilt, in denen sowohl stationäre Zentren als auch mobile Röntgeneinheiten, die sogenannten Mammobile, bereitstehen. Diese breite Aufstellung stellt sicher, dass jede Frau unabhängig von ihrem Wohnort Zugang zu dieser lebenswichtigen Untersuchung hat. Ein besonderer Erfolg ist das Programm QuaMaDi. Dieses einzigartige Angebot, das wir auf Landesebene haben, ermöglicht es nicht nur, mehr Frauen ein Screening anzubieten, sondern gewährleistet durch die Möglichkeit von Zweit- und Drittmeinun- (Annabell Krämer) gen eine besonders gesicherte Diagnostik. Ich hebe hier gern die entscheidende Rolle von unserem ehemaligen Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg hervor, der maßgeblich zur Etablierung von eQuaMaDi beigetragen hat. Dieses Programm hat die digitale Übermittlung von Befunden und bildgebender Diagnostik eingeführt, wodurch die Behandlungsprozesse noch viel effizienter und somit auch präziser geworden sind. Die Zahlen sprechen hier für sich: Im Vergleich zum bundesweiten Screening wird bei QuaMaDi eine dreimal höhere Tumorrate detektiert. Mit 5,6 Prozent der detektierten Mammakarzinome im Rahmen von QuaMaDi zeigt sich, dass dieses Programm in Schleswig-Holstein eine unverzichtbare Säule in der Brustkrebsfrüherkennung darstellt. (Beifall FDP, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SSW, vereinzelt CDU und SPD) Das ist ein klarer Beleg dafür, dass die Mammografie und besonders unser QuaMaDi Leben retten. Doch bei aller technischen und organisatorischen Unterstützung dürfen wir eines nicht vergessen, und das betone ich ganz deutlich: Oftmals ist die Eigenverantwortung jeder Einzelnen entscheidend. Prävention beginnt im Alltag: Die regelmäßige Teilnahme an den angebotenen Screening-Programmen ist hier natürlich von essenzieller Bedeutung. Jede Frau sollte sich der Bedeutung dieser Untersuchung bewusst sein und somit die Vorsorge aktiv nutzen; denn grundsätzlich dürfen am Mammografie-Screening-Programm alle Frauen ab 50 Jahren bis einschließlich 69 Jahren alle zwei Jahre teilnehmen. Das sind in Schleswig-Holstein pro Jahr circa 450.000 Frauen. Was ist nun das Gute an QuaMaDi? – Es gibt keine Wartezeiten! Im Rahmen des Programms werden alle Frauen, die infrage kommen, schriftlich per Post alle zwei Jahre nach ihrer letzten Untersuchung oder letzten Einladung erneut eingeladen. Sie erhalten die besagte Einladung zum Screening bereits mit einem Terminvorschlag, wodurch keinerlei Wartezeiten entstehen. Lassen Sie uns daher gemeinsam daran arbeiten, das Bewusstsein für die Brustkrebsvorsorge weiter zu stärken und die bestehenden hervorragenden Programme in Schleswig-Holstein weiter auszubauen. Die Gesundheit unserer Frauen ist ein unverzichtbares Gut, das es zu schützen gilt. Deswegen appellieren wir an alle Frauen im Land: Nutzen Sie das Vorsorgeangebot zur frühzeitigen Krankheitsprävention! Hier meine ich nicht nur die Brustkrebsvorsorge, sondern natürlich auch Darm‑, Haut- oder Gebärmutterhalskrebsvorsorge. Wie gesagt, Vorsorge rettet Leben. Das kann gar nicht oft genug betont werden. (Beifall FDP, SSW, vereinzelt BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN und SPD) Da ich noch ein bisschen Zeit habe, möchte ich ganz kurz auf die Endometriose eingehen. Es wurde öfter gesagt, dass wir hier nicht wüssten, wie weit wir mit der beauftragten Landesstrategie seien. Ich rufe in Erinnerung: Es gibt keine beauftragte Landesstrategie, denn dem Antrag, der von der Opposition gestellt wurde, ist nicht stattgegeben worden. Es gab damals einen Änderungsantrag der regierungstragenden Fraktionen. Dort hatte man – wie immer – auf wen verwiesen? (Beate Raudies [SPD]: Den Bund!) – Den Bund! Genau. Dass man sich anhänge, dass es dort mittlerweile Bestrebungen gebe und man somit den Bund in der Verantwortung sehe. Wir machen schon einiges, Frau Ministerin, was die Endometriose angeht, aber es ist nicht genug. Als wir das letzte Mal debattiert haben, haben wir alle gesehen, wie viele Frauen in unserem Land betroffen sind und wie schwer diese Frauen betroffen sind, dass diese Frauen nicht arbeiten gehen können, dass uns wirklich gesellschaftlich ganz viel entgeht, wenn wir diesen Frauen nicht genügend helfen. Ich bitte darum, die Ablehnung gegenüber einer Landesstrategie noch einmal zu überdenken. Ich glaube, hier ist wirklich ein Punkt, wo wir originär in der Frauengesundheit weiter nach vorne kommen sollten und müssen. Wir würden vielen Frauen im Land ein Gutes tun. Darum bitte ich inständig. Es läuft vieles gut, viele Missstände wurden aufgezeigt. Aber ich finde, man kann die positiven Dinge hervorheben. Bei der Endometriose gehen Sie bitte noch einmal in sich, gehen Sie noch einmal ein bisschen weiter voran. Viele Frauen in unserem Land werden es Ihnen danken. – Herzlichen Dank. (Beifall FDP, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD, SSW und vereinzelt CDU)
