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Hauke Hansen

CDU 19.06.2024 Sitzungen 20/60

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Jung, weiß, männlich – so sah lange Zeit der Einheitsmensch in der Medizin aus. Forschungsergebnisse dieser Gruppe Mensch wurden einfach auf den Rest der Bevölkerung übertragen – und das ist auch heute teilweise noch der Fall. Dass der männliche Körper als Maß aller Dinge genommen wurde und wird, hat – wie wir wissen – gravierende Folgen. Denn Frauen und Männer sind unterschiedlich krank, sind anders krank. Das Geschlecht muss bei Diagnose und Behandlung berücksichtigt werden. Ein bekanntes Beispiel wurde hier schon genannt: Symptome bei einem Herzinfarkt stellen sich bei Frauen anders dar als bei Männern. Durch Fehleinschätzungen kann dies lebensbedrohliche Konsequenzen haben. So ist die Sterblichkeit bei Frauen im Diagnosebereich der Herzkrankheiten deutlich höher als bei Männern, obwohl deutlich mehr Männer von Herzerkrankungen betroffen sind. Frauen sind in der Forschung noch unterrepräsentiert, und die Umsetzungen der Erkenntnisse der Forschung in die Versorgung läuft eher schleppend. Ich freue mich daher sehr darüber, dass wir heute über das so wichtige Thema Frauengesundheit sprechen. Auch diese Debatte trägt dazu bei, den eingangs beschriebenen Gender Health Gap zu verringern. Es sind etliche Arbeitsstunden in die Beantwortung dieser Großen Anfrage geflossen, 357 Seiten mit mehr als 140 teils sehr detaillierten Tabellen und diversen Erläuterungen liegen uns heute zur Beratung vor. Ich möchte für die CDU-Fraktion die Chance nutzen und mich beim Team der Ministerin von der Decken für die hervorragende Fleißarbeit herzlich bedanken, die uns einen Überblick darüber gibt, wie die Lage in unserem Land ist. Vielen Dank für die Beantwortung! (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD und FDP) Aus den Antworten habe ich persönlich die konkreten Maßnahmen zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung für jeden Einzelnen mitgenommen. Klar wird: Das Land spielt hier eine ganz entscheidende Rolle. Es wird aber auch transparent, dass das Land Schleswig-Holstein nicht in allen Bereichen alles abdecken kann. Dies ist auch nicht sinnvoll; hier sind andere Institutionen zuständig, zum Beispiel Krankenkassen oder Rentenversicherungsträger. Auch braucht es in vielen Bereichen eine andere Rahmengesetzgebung durch das Bundesgesundheitsministerium und den Gemeinsamen Bundesausschuss. Das hat auch meine Vorrednerin schon gesagt. Ich denke da besonders an die Datenlage. Das gilt natürlich nicht nur für die Frauengesundheit. Die Antwort auf die Große Anfrage macht deutlich, dass wir noch Luft nach oben haben – „Optimieren im Bestand“ würde ich es nennen. Wenn man vom Forschungsbereich einmal absieht, zeigen die Antworten deutlich, dass es in der frauengesundheitlichen Versorgung in Schleswig-Holstein zwar keine großen Baustellen gibt, aber sehr viele kleine. Aktuell sind die gynäkologische und die gynäkologisch-onkologische Versorgung im Land ausreichend, aber wendet man den Blick auf die psychische Gesundheit von Frauen, wird anhand der erhobenen Daten deutlich, wie groß der Bedarf nach Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten im psychiatrisch-psychologischen Bereich ist. Hier nachzusteuern ist dringend geboten. Gut, dass wir dieses Thema im Rahmen dieser Plenartagung beraten. Die hohe Nachfrage nach Therapieplätzen und die teils sehr langen Wartezeiten zeigen, wie wichtig es ist, dass wir hier noch stärker präventive Initiativen ergreifen müssen. Lassen Sie mich kurz zur Geburtshilfe kommen; das ist ein ganz wichtiger Bereich der Frauengesundheit. Hier gibt es Engpässe, insbesondere auf den Inseln. Das Land fördert aktiv Projekte wie den Hebammenruf und die Möglichkeit des Boarding- (Hauke Hansen) houses. Dadurch wird die Sicherheit von Müttern und Kindern rund um die Geburt signifikant verbessert. Die Zahlen sagen auch: Die Koordination der Hebammenversorgung und die Erhöhung der Studienplätze an den Universitäten waren richtige Schritte nach vorn. Bei der Behandlung von Endometriose sind wir auf einem guten Weg. Auch das wurde heute schon angesprochen. Nah an der entsprechenden Forschung dran zu sein, ist dabei ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg: In Kiel und Lübeck haben wir spezielle Endometriosezentren, die maßgeblich zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung beitragen. Die gezielt geförderte Erforschung der Endometriose unterstreicht den erkennbaren Einsatz des Landes für Frauengesundheit. Abschließend möchte ich betonen, dass wir in Schleswig-Holstein bereits viel angepackt haben. Die bereits veranlassten Initiativen und Maßnahmen zeigen Wirkung, aber wir dürfen uns darauf nicht ausruhen.

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