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Martin Habersaat

SPD 19.06.2024 Sitzungen 20/60

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Damen und Herren! Zunächst einmal bedanke ich mich für den guten Vorschlag, beide Anträge in den Bildungsausschuss zu überweisen. Ich hoffe tatsächlich, dass es uns gelingt, aus beiden Vorschlägen etwas zu machen. Ich will allerdings schon sagen, dass es nicht nur die Begründung unseres Antrages ist, die uns am Herzen liegt, sondern auch die Punkte, die davor stehen. (Heiterkeit BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Beifall SPD) Der zweite Dank geht an die Kollegen Krüger und Vogt, die sich immer besonders aufmerksam mit SPD-Anträgen auseinandersetzen. Das will auch einmal gewürdigt werden. (Heiterkeit – Zuruf Christopher Vogt [FDP]) Kollege Dolgner hat schon unterstellt, dass man in Germanistik das Zählen in Form von „eins, zwei, viele“ lernt. – Ganz so ist es nicht. Ich will aber noch zwei, drei Sachen sagen, die ich mir für die inhaltliche Diskussion wünsche. Wir haben an den Schulen zwei Lager, wenn wir solche Themen diskutieren: Da sind die einen, die finden, dass man darauf achten muss, wie es den Kindern geht, ob sie sich wohlfühlen und wie riesengroß der Sprung vom Kindergarten in die Schule ist. Zum Beispiel sagt einem niemand mehr, wann man essen soll oder wann man sich mit Sonnencreme eincremen soll. Man ist sozusagen völlig auf sich gestellt. Die anderen sagen: Schule hat so viel zu tun, so viel Fachlichkeit und so viel Unterricht. – Manchmal fällt das böse Wort „Firlefanz“, wenn man über Demokratie und Wohlbefinden an der Schule redet. Ich hoffe doch sehr, dass es uns gelingt, beides miteinander zu verbinden. Als Lehrer war ich jedenfalls immer der festen Überzeugung, dass guter Unterricht mit guten Leistungen nur dann möglich ist, wenn ich die Schülerinnen und Schüler in Gänze wahrnehme. Dazu gehört gegebenenfalls auch mal ein Stuhlkreis, in dem aktuelle Probleme diskutiert und die Menschen wahrgenommen werden, die da sitzen. Dazu gehört auch das Einüben von demokratischen Strukturen über die jährliche Wahl des Klassensprechers hinaus. Es bestreitet ja niemand, dass das stattfindet. Sie haben vielleicht gesehen, dass sich nur ein halber von den zwölf Punkten, die es bei uns sind, mit dem WiPo-Unterricht beschäftigt. Die andere Hälfte ist der Sachunterricht, weil wir finden, dass auch in der Grundschule Demokratie schon theoretisch unterrichtet wird. Die anderen Punkte drehen sich um die Frage, wie Demokratie erlebbar gemacht werden kann. Weil Herr Vogt über die Frage der Gefühle besonders gesprochen hatte: Haben Sie schon mal die Klassensprecherwahl in einer Grundschule erlebt? Wenn da drei Teams antreten, hinterher ein Team gewinnt und zwei verlieren, dann fließen da Tränen. Dann finden die Kinder Demokratie in diesem Moment gar nicht mehr so toll. Das muss man in diesem Moment mit ihnen besprechen, und das muss und kann man auffangen. Da können unsere Schulen eine Menge leisten. Ich glaube, die Kinder wünschen sich dafür Regeln. Auch wenn Sie „Geschäftsordnung“ vielleicht ein zu heftiges Wort finden, wünschen sich die Kinder natürlich Regeln für die Frage, wann sich wer wie beteiligen darf. Je kleiner die Kinder sind, desto wichtiger ist es auch, dass die Großen ihnen diese Rechte geben, weil sie sich sie nicht von sich aus nehmen. Wenn wir in diesem Geist in die Beratungen gehen, dann bin ich sehr zuversichtlich. – Vielen Dank. (Beifall SPD)

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