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Karin Prien

23.05.2024 Sitzungen 20/58

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich hatte mich heute Morgen schon auch für diese Debatte und die Anträge zu dem Thema bedankt. Ich glaube, einig sind wir uns zunächst einmal darin, dass KI in Schule eines der ganz großen Innovationsthemen ist, und zwar für die Weiterentwicklung von Schule und Unterricht. Das ist bei einzelnen Rednern auch angeklungen, weil die Anwendungsbereiche und die Anwendungsmöglichkeiten für KI sehr vielfältig sind, auch im Rahmen der datenbasierten Schul- und Unterrichtsentwicklung, aber auch mit Blick auf andere Bereiche des Lehrens und des Lernens. Dazu komme ich gleich noch. Herr Habersaat, ein bisschen stört es mich, wenn Sie von ChatGPT sprechen. Sie wissen, das ist einer von vielen kommerziellen Anbietern. Ich weiß auch nicht, ob wir so klug beraten sind, uns unter datenschutzrechtlichen Gesichtspunkten gerade diesen Anbieter auszusuchen. Da gibt es andere OpenSource-Modelle, da gibt es auch deutsche Firmen. Ich finde, da muss man bei der Sprachwahl etwas aufpassen. Richtig ist in jedem Fall, dass Large Language Models von großer Bedeutung sind und immer bedeutender werden. Auf deren Basis werden dann auch intelligente tutorielle Systeme und (Ministerin Karin Prien) adaptive Lernsysteme immer wichtiger. Natürlich arbeiten viele Schulen in Schleswig-Holstein auch schon mit bettermarks. Über die Frage, ob man hier wirklich eine Landeslizenz braucht, können wir uns gern im Ausschuss austauschen. Ich will ganz deutlich sagen: Auch bei diesen Tools muss immer belegt werden, dass sie tatsächlich wirksam sind. Dazu gibt es eine sehr differenzierte Studienlage. Insofern: Darüber müssen wir einmal sprechen. Sie haben mich gebeten, einmal etwas dazu zu sagen, wie weit wir da sind. Wir überlegen jetzt tatsächlich mit Blick auf die Perspektiv- und Startchancen-Schulen, hier zu einer Lizenz zu kommen, weil wir sagen: Hier können wir dies ganz besonders gut gebrauchen. Darüber hinaus verhandeln wir über gute Zugangsbedingungen für die anderen Schulen. Was können diese Systeme? Das ist eben nicht wie in der Kulturdebatte. Sie können dazu beitragen, Individualisierung wirklich gut zu machen. Sie wissen, individualisiertes Unterrichten ist der Traum jeder Lehrkraft. Leider kommen viele Lehrkräfte an ihre Grenzen, wenn sie auf sieben, acht, zehn oder zwölf Niveaus gleichzeitig unterrichten sollen. Diese Modelle helfen dabei, genau diese Individualisierung zu ermöglichen, weil jedes Kind seinem Lernstand entsprechende Aufgaben zugewiesen bekommen kann. Das ist schon etwas wirklich Gutes, und das ist in Zeiten knapper Personalressourcen wichtig. Machen wir uns nichts vor: Mit der Lehrkräfteausstattung wird es nicht besser werden, weil wir in den nächsten Jahren nicht mehr Menschen haben werden. Also werden wir auch verstärkt auf KISysteme setzen müssen. Über den Einsatz von KI – all das immer in einem ethischen Rahmen, den wir sehr genau betrachten müssen –, werden wir vor allem Freiräume für Lehrkräfte schaffen können und müssen. Gleiches gilt für die Korrekturleistung von Lehrkräften. Es gibt inzwischen Programme, mit denen man nahezu jede Prüfungsleistung auch mit KI überprüfen kann. Auch das sind wichtige zukünftige Einsatzmöglichkeiten. Ich will aber sehr deutlich sagen, und es ist bei manchen von Ihnen auch angeklungen: Es gilt das Primat des Pädagogischen. Das gilt selbstverständlich auch für KI. Jetzt so zu tun, als sei die Schule mit KI plötzlich ganz toll, ist natürlich totaler Unsinn. Das will ich an dieser Stelle deutlich sagen. (Beifall CDU, Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Jette WaldingerThiering [SSW]) Dessen ungeachtet hat KI ebenso wie der Einsatz von KI für uns eine sehr hohe Priorität, und ich will vier Bereiche nennen, in denen wir das sehr intensiv betreiben. Erstens. Es geht tatsächlich um eine Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Ländern, damit genau die von Ihnen angesprochene Zersplitterung nicht passiert, Herr Krüger. Ich habe das als KMKPräsidentin sehr intensiv vorangetrieben, indem ich zum Beispiel alle Akteure zusammengebracht habe – Schulbuchverlage, Start-ups, Schulverwaltungen, Landesinstitute. Ich habe sie zu einer gemeinsamen Konferenz eingeladen, denn was uns in Deutschland in Wahrheit fehlt, ist ein vernünftiges Geschäftsmodell zur Entwicklung von intelligenten tutoriellen Systemen. Jetzt komme ich zum Thema DigitalPakt: Meiner Meinung nach muss dies einer der Schwerpunkte sein. Da sind wir uns übrigens auch einig mit dem BMBF für den DigitalPakt 2.0. Einzelne Länder haben überhaupt nicht die finanziellen Kapazitäten, um ITS selbst zu entwickeln. Die Dinger sind viel zu teuer, und es lohnt sich auch gar nicht für kleine Gruppen. Insofern ist es nicht nur wichtig, dass wir den DigitalPakt 2.0 jetzt schnell auf den Weg bringen, sondern dass da wirklich ein Schwerpunkt liegt. Ich hoffe, dass wir uns in gemeinsamer Verantwortung von Bund, Ländern und Kommunen darauf verständigen können. (Beifall CDU und vereinzelt BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Wir entwickeln zurzeit auf KMK-Ebene aus den Mitteln des DigitalPakts 1 ein allen 16 Ländern gemeinsames adaptives intelligentes System, kurz AIS, um die Kräfte aller 16 Länder zu bündeln. Das ist eine KI-gestützte adaptive Computerlernumgebung zur individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern und zur Unterstützung und Professionalisierung von Lehrkräften. Das System soll sich flexibel in die Unterrichtsphasen integrieren lassen und somit einen Rahmen für modernes, abwechslungsreiches, motivierendes und adaptives Lehren und Lernen schaffen. Diese Oberfläche wird auch einen textgenerierenden Chatbot auf Basis von generativer KI-Technologie enthalten. Sie sehen also, wir haben uns gemeinsam auf den Weg gemacht, um das zu entwickeln, was allen Ländern zur Verfügung stehen soll. (Ministerin Karin Prien) Das zweite Handlungsfeld wurde vollkommen richtig benannt: die Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften. Ich würde eine Wette abschließen: Auch in Schleswig-Holstein haben 25 Prozent der Lehrkräfte – noch mehr als 25 Prozent – entsprechende Fortbildungen bereits hinter sich gebracht. Aber wir müssen bei der digitalen Fortbildung von Lehrkräften das Thema KI-Technologie noch viel stärker in den Vordergrund stellen. Wir haben dazu das Landesprogramm „Zukunft Schule im digitalen Zeitalter“ geschaffen. Wir haben auf die Regionen und auf die einzelnen Fächer zugeschnittene Medienexperten, die die Schulen in den Regionen beraten und die entsprechenden Fortbildungsangebote machen. Da sind wir aus meiner Sicht in SchleswigHolstein sehr gut aufgestellt, und das wird auch bundesweit so gesehen. Gern würde ich Ihnen noch berichten, dass wir zusammen mit der Robert Bosch Stiftung eine Kooperation mit der Universität Stanford eingehen. Ziel ist es, unsere Lehrkräftefortbildnerinnen und ‑fortbildner, aber auch unsere Educational Engineers im eigens dafür entwickelten Programm META Training AI optimal für KI-Fortbildungen zu schulen. Wir suchen da also auch den internationalen Zusammenhang, um unsere Lehrkräften besonders gut voranzubringen. Drittes Handlungsfeld ist die praktische Unterstützung der Schulen. Ja, wir waren recht schnell mit unserer Handreichung. Wir hatten allerdings auch den großen Vorteil, dass wir mit Professor Weßels und ihrem Kompetenzzentrum an der FH Kiel eine Professorin hatten, die schon sehr lange in dem Bereich forscht. Dadurch konnten wir sehr schnell in diesem Bereich vorangehen. Sie wissen es vielleicht auch, wir haben weitere KI-Professuren eingerichtet, zwei davon mit dem Schwerpunkt KI und Lernen, KI und Bildung. Meine Damen und Herren, auch da sind wir also sehr gut aufgestellt. Das vierte Handlungsfeld ist die Einbindung von Wissenschaft und Praxis. Da ist es so: Wir sind im Augenblick dabei, ein KI-Schulprojekt mit zehn Schulen als Pilotprojekt aufzusetzen, bei dem wir uns mit wissenschaftlicher Begleitung sehr genau anschauen können: Was sind denn die wirklichen Anwendungsfälle in Schulen, die Sinn machen? Das Projekt startet zum Schuljahr 2024/25 und geht gerade jetzt in die Ausschreibung. Die Erfahrungen, die wir da sammeln werden, werden wir nutzen, um flächendeckend in die Ausstattung mit einem textgenerativen KI-System zu gehen. Es gibt viele andere Projekte, mit denen wir etwa im Bereich KI-basierter Feedbacksysteme und Schreibagenten für sprachliches Lernen an Schule arbeiten. Dazu würde ich Ihnen aber gern nähere Details im Bildungsausschuss berichten. Meine Damen und Herren, Sie sehen, wir sind in vielen Bereichen zum Thema KI unterwegs. Wir halten das für eine große Chance für Schulentwicklung, für Unterrichtsentwicklung, und wir werden in diesem Sinne weiterarbeiten und Sie gern laufend im Bildungsausschuss darüber unterrichten, was wir da gerade so treiben. – Ich danke Ihnen. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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