Malte Krüger
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Ich bin ein bisschen aufgeregt; mein ehemaliger Informatiklehrer guckt zu; verzeihen Sie mir das. Bei dem Thema ist das besonders spannend. (Unruhe) Wir sind uns alle einig: Das Land muss die Schulen auf dem Weg zum Arbeiten mit KI begleiten und vorbereiten. Da besteht gar kein Dissens. Das Ziel ist also klar. Beim Weg haben wir ein paar kleinere Unterschiede. Ich sehe mit Besorgnis, dass sich zwischen den Ländern unterschiedliche Wege auftun; dazu komme ich später. Erst einmal bleiben wir beim Hier und Jetzt im Landtag. Die SPD fordert in ihrem Antrag drei Dinge. Erstens. Die Überarbeitung der bestehenden Handreichung. Das fordern auch wir. Sie möchte gern, dass das „Konzept als Vorlage für alle weiterführenden Schulen in SH, wie allen Schüler*innen die Nutzung der (möglichst) aktuellen KI-Werkzeuge beigebracht wird“, genutzt wird. Da frage ich mich, ob sich das auch auf Grundschulen bezieht? Was ist mit den Grundschulen, wenn das nur für weiterführende Schulen gilt? Mich interessiert die Begründung der SPD, warum das nicht auch für Grundschulen gilt. Denn – das wurde ja schon gesagt – Schulen ohne KI sind schlechte Schulen; da sind wir einer Meinung. Das gilt natürlich ebenso für Grundschulen. Digitalisierung startet nicht erst (Malte Krüger) ab der 5. Klasse, sondern die ist schon weiter vorne da. Wir gehen mit unserem Antrag einen etwas anderen Weg. Wir bekräftigen den Einsatz von Buddy Bo – Martin Balasus hat es gerade erwähnt –, eine App, die an Grundschulen zum Training basaler Lesefertigkeiten eingesetzt werden kann. Das IQSH hat dazu eine ausführliche Informationswebseite, sodass ich richtig Lust bekommen habe, mir die App einmal anzuschauen. Ich habe sie im App-Store gesucht, aber leider nicht gefunden, weil sie wohl nur für Schulen zugänglich ist. Frau Ministerin, wenn Sie noch eine Lizenz übrig haben – ich gucke mir die App gern an, ich teile mir die Lizenz auch gern mit Martin Habersaat. (Zurufe und Heiterkeit) – Auch gern mit Martin Balasus, mit allen beiden. – Vielleicht überzeugen wir die SPD, dass es auch an Grundschulen wichtig ist, sich mit KI auseinanderzusetzen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Weil ich auf die App nicht zugreifen konnte, habe ich mir das sehr gute Video des IQSH bei YouTube dazu angeschaut; das war auch lehrreich. Die App hat absolut Potenzial, alle Anwendungen in dem Bereich haben sehr viel Potenzial. Ich finde aber auch, dass man bei den Angeboten merkt, dass wir noch am Anfang stehen, dass da noch sehr viel Entwicklungspotenzial vor uns liegt, das wir nutzen wollen. Zweitens fordert die SPD die Nutzung intelligenter Tutorsysteme (ITS). Das soll für Lehrkräfte und Schüler_innen aller Schularten selbstverständlich werden: „Das Bildungsministerium wird beauftragt, entsprechende Maßnahmen für die Lehrkräfteausbildung und, in Kooperation mit den Schulträgern, für die Ausstattung der Schulen zu ergreifen.“ Was bedeutet ITS? Das sind Lernsysteme, die sich den Nutzer_innen anpassen, die den jeweiligen Lernstand und das Lerntempo berücksichtigen. Mich stört an der Formulierung eine Kleinigkeit – im Großen und Ganzen sind wir uns sehr einig –, nämlich dass die SPD formuliert, es müsse „selbstverständlich“ werden. Ich glaube, da sind wir uns einig. Das ist ein bisschen so wie beim Internet. Das Internet ist für junge Menschen inzwischen absolut selbstverständlich. (Zuruf Christopher Vogt [FDP]) Allerdings ist das Internet nicht selbstverständlich geworden, weil das Ministerium irgendwann auf die Idee gekommen ist, dass wir es jetzt selbstverständlich machen, sondern es sind gesellschaftliche Entwicklungen, die stattfinden. Natürlich wünschen wir uns – das habe ich eingangs gesagt –, dass das Land das begleitet, einen Rahmen setzt und Hilfestellung gibt, wo es erforderlich ist. Das ist beim Internet so, das ist bei KI ähnlich. Wir müssen auf die Entwicklung vorbereitet sein. Deswegen wird ja nicht erst seit gestern an dem Thema gearbeitet. Bereits 2021 hat die KMK ein Pilotprojekt in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen gestartet. Dort gibt es zurzeit Ausschreibungen zu dem Bereich und weitere Pilotierungen. Ich wünsche mir, dass wir bei dem Thema bundesweit etwas mehr Dampf machen, weil sonst etwas passiert, was jetzt gerade passiert, dass nämlich einzelne Bundesländer wie Bayern ausscheren. So habe ich den Zeit-Artikel zumindest gelesen. Dort sollen jetzt unter anderem 2.100 Euro pro Schule eingesetzt werden. Ich habe das Vorgehen immer so verstanden, dass man sich erst einmal auf KMKEbene darauf einigt, welcher Rahmen gelten soll, und dass man dann in die KI-Anwendungen reingeht. Drittens fordert die SPD: „Der Landtag begrüßt den Weg der KMK zu mehr Kompetenzorientierung und ermutigt das Bildungsministerium, weiter an einer Entschlackung der Rahmenpläne und Anpassungen von Prüfungsformaten zu arbeiten.“ Ich bin bei dieser Forderung absolut dabei; Kompetenzorientierung ist wichtig. Mir ist schleierhaft, was mit „Entschlackung“ konkret gemeint ist. Das ist mir noch nicht ganz klar. Ich werde jetzt nicht die einzelnen Punkte unseres Antrags vorstellen, weil Martin Balasus das schon gemacht hat. Unser Antrag enthält viele wichtige Punkte. Ich nenne nur zwei Stichpunkte: Die Lehramtsausbildung ist besonders wichtig; nur wenn Lehrkräfte gut ausgebildet sind, gelingt uns die Vermittlung. Da haben wir auf jeden Fall noch Bedarf. Mir ist auch die Feststellung wichtig: Wir haben den Schulentwicklungstag zum Thema Digitalisierung, der natürlich auch für KI-Elemente genutzt werden kann. Das Wichtigste für uns im Land muss sein, dass wir bei dem Thema bundesweit keinen Flickenteppich haben, sondern einheitlich vorangehen. – Vielen Dank. (Malte Krüger) (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU)
