landtag.ltsh.de ↗

Martin Habersaat

SPD 23.05.2024 Sitzungen 20/58

Vielen Dank, geschätzte Präsidentin. – Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! (Lars Harms [SSW]: Ich schätze, das war ein Kompliment!) PISA, IQB-Bildungstrend, IGLU-Studien zeigen: Unsere Schülerinnen und Schüler werden schlechter. Demgegenüber werden unsere Lehrkräfte immer knapper. 10 Prozent der Lehrkräfte an unseren Schulen sind gar keine richtig ausgebildeten Lehrkräfte, an den Grundschulen sogar 15 Prozent. Nicht einmal 90 Prozent des Unterrichts an unseren Schulen findet so statt wie vorgesehen. Nur schlechte Nachrichten also und kein Silberstreif am Horizont? – Doch, natürlich. Hamburg macht vieles vor, und wir geben die Hoffnung nicht auf, dass auch in Schleswig-Holstein diese Lösungen eines Tages flächendeckend ankommen. Und dann ist da auch noch der technische Fortschritt. Eine Metastudie der TU München im Auftrag der KMK kam 2017 zu dem Schluss, dass intelligente Tutorensysteme – kurz: ITS – die größte positive Wirkung auf Lernergebnisse in MINT-Fächern haben. ITS können Schülerinnen und Schüler als persönlicher Lerntutor dienen, individuelle Lernstrategien unterstützen und ein wichtiges Werkzeug für das Erstellen verschiedener Endprodukte sein. ITS können Lehrkräften helfen, ihren Unterricht zu gestalten und ihn passgenau auf die individuellen Lernvoraussetzungen und Lernfortschritte einzelner Schülerinnen und Schüler zuzuschneiden. ITS können den Lehrkräften auf Knopfdruck Rückmeldung zum Leistungsstand der einzelnen Lernenden sowie auch der ganzen Gruppe geben. Auf dieser Basis können die nächsten Lernprozesse vorbereitet und an die unterschiedlichen Lernstände angepasst werden. ITS können unseren Schulen helfen, besser und gerechter zu werden. Einen Satz aus unserem Antrag will ich an dieser Stelle doch noch in Erinnerung rufen: „Eine Schule ohne Lehrer*innen wird auch in Zukunft eine schlechte Schule sein“, (Martin Habersaat) was auch immer wir mit ITS anstellen können. (Zurufe) Das Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie wurde 2023 von der Vodafone Stiftung mit einer Studie zu ITS beauftragt. Hier ist nachzulesen, dass nach Angaben von Schulleitungen 2023 ITS nur an elf Prozent der Schulen genutzt wurde. – Elf Prozent! Der häufigere Fall ist, dass einzelne Lehrkräfte solche Angebote und auch andere digitale Lehr- und Lernangebote nutzen, während andere im gleichen Fach oder in der Nachbarklasse das nicht tun. Die KMK tastet sich nun langsam voran. Das Ziel sind länderübergreifende Lösungen auf gemeinsamen Plattformen. Zur Erinnerung: Die KMK-Studie mit den ermutigenden Ergebnissen zum Thema ITS war von 2017. Bis dahin sind einzelne Bundesländer schneller. In Hamburg hat die Kompetenzstelle KI des Landesinstituts für Lehrerbildung inzwischen weit mehr als ein Viertel aller Lehrkräfte mit Fortbildungen erreicht, und in Hamburg wird das System bettermarks flächendeckend an allen Schulen zur Verfügung gestellt. Wenn man in Hamburg zur Schule geht, kann man sich ziemlich sicher sein, dass bettermarks vorhanden ist, und mit 25-prozentiger Wahrscheinlichkeit trifft man auf eine Lehrkraft, die das optimal einzusetzen weiß. Rheinland-Pfalz hat eine Landeslizenz für die KIPlattform fobizz erworben, Hessen nutzt die Plattform ebenfalls, hinzu kommt dort Fiete, das individuelle Rückmeldungen zu Schreibprozessen auch schon in der Grundschule geben kann. Fiete wird in Sachsen-Anhalt an 35 Grundschulen getestet. Schleswig-Holstein war mit der ersten Handreichung zum Thema ChatGPT, das Ende 2022 die Schlagzeilen dominierte, früh dran. Doch die erste Handreichung ließ Fragen offen, und die müssen Stück für Stück beantwortet werden. Sie sichert erstens noch nicht den flächendeckenden Fortschritt in diesem Bereich, und zweitens muss sie, wie gesagt, weiterentwickelt werden. Insofern ist das ein positiver Punkt aus dem Alternativantrag der Koalition. Wie schaffen wir es, dass unsere Lehrkräfte flächendeckend ITS ermöglichen? Auf welche Ausstattung der Schulen können sich Schüler_innen und Eltern verlassen? Wie schaffen wir es, dass wir nicht langfristig akzeptieren müssen, dass unsere Kinder in drei Gruppen antreten: die einen, die kostenpflichtige Abomodelle zur Verfügung haben, die anderen, die ChatGPT mit der kostenfreien Version auf ihrem Handy nutzen, und die dritten, die gänzlich ohne KI antreten? Schaffen wir es also, einen verbindlichen Rahmen zu setzen? Schaffen wir es vielleicht sogar, Einigkeit über die Anschaffung von Landeslizenzen herzustellen? – Ich hoffe! Im letzten Bildungsausschuss erhielten wir einen Bericht der Landesregierung zum aktuellen Stand der datengeschützten Schulentwicklung und Unterrichtsentwicklung im Land. Verknüpfungen zu KILösungen und flächendeckende Verbindlichkeiten waren da allerdings noch nicht Teil der Ausführungen, müssen wir sagen. Die Koalition begrüßt in Drucksache 20/879 das segensreiche Wirken der Landesregierung und fordert uns heute mit ihrer Drucksache auf, diesen Beschluss von damals zu bekräftigen. (Zuruf: Sehr gut!) Das reicht noch nicht. KI ist ein Werkzeug, das alle unsere jungen Leute beherrschen sollten. Wir sollten dafür sorgen, dass sie es können. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall SPD)

Alle Reden von Martin Habersaat Protokoll ↗