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Martin Habersaat

SPD 22.03.2024 Sitzungen 20/56

Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Beginnen möchte ich mit einem Dank an alle, die am schriftlichen Bericht mitgewirkt haben. Ich muss das allerdings in diesem Fall ein bisschen einschränken: Im Unterschied zu dem Bericht, für den ich mich gestern bedankt habe, hat der Bericht, über den wir heute sprechen, wenn man Deckblatt und Inhaltsverzeichnis abzieht, einen Umfang von gerade einmal vier Seiten, und er fasst in weiten Teilen auch nur bisher Bekanntes zusammen. Sieben Seiten immerhin kommen dazu, wenn man die Antworten auf meine Kleine Anfrage hinzunimmt, die ich zu diesem vierseitigen Bericht gestellt habe. Und dann wird es auch ein bisschen inhaltsschwangerer, wie ich mal sagen möchte. Das Problem ist einfach: Sie legen die Fakten nicht alle auf den Tisch. Wenn Sie aber die Fakten nicht alle auf den Tisch legen, können wir auch keine ehrliche Debatte über Herausforderungen und Lösungsansätze führen, meine Damen und Herren. (Beifall SPD, FDP und Jette WaldingerThiering [SSW]) Das Kernproblem, das ich beim schwimmen lernen sehe, ist ein ganz grundsätzliches. Wenn wir als Staat, als Land, Ansprüche formulieren, dann müssen wir auch dafür sorgen, dass diese Ansprüche vor Ort umgesetzt werden können. (Beifall SPD, FDP und Jette WaldingerThiering [SSW]) Wir müssen uns dafür interessieren, ob und wie diese umgesetzt werden. Und da gibt es erste Schritte auf dem Weg. Das weiß ich zu würdigen. Aber, Herr Balasus, mein Problem mit dem CDU-Ansatz ist, dass viel zu häufig darauf gesetzt wird, einen feschen Anspruch zu formulieren, nicht genau hinzugucken, und zu hoffen, dass 2030 das Problem vielleicht gelöst ist. Und das wird nicht reichen. Der Anspruch, den Sie formulieren, findet sich im Rahmenplan Sport. Da ist davon zu lesen, dass in der Primarstufe „ausdauerndes Schwimmen zunehmend längerer Strecken“ stattfindet. – Primarstufe: ausdauerndes Schwimmen, zunehmend längerer Strecken. – Nun ist die Frage: Wie oft findet das denn in der Primarstufe statt? Aber das erheben Sie in Ihrem Monitoring gar nicht. Das fragen Sie überhaupt nicht. Sie schreiben in den Lehrplan, es sollen zunehmend längere Strecken geschwommen werden, aber Sie interessieren sich nicht dafür, ob das stattfindet. In meiner Kleinen Anfrage erfahre ich dann, dass an fast einem Viertel der Grundschulen in Schleswig-Holstein – an fast einem Viertel! – überhaupt gar kein Schwimmunterricht angeboten wird. An einem Viertel der Grundschulen findet kein Schwimmunterricht statt. Das ist doch entsetzlich. (Beifall SPD, FDP und Jette WaldingerThiering [SSW]) Und es ist eben ein Fehler, dass das von der Regierung nur auf Nachfrage und nicht im angeforderten schriftlichen Bericht mitgeteilt wird. Nun haben wir schon oft gehört: 48 Prozent der Viertklässler haben einen Bronze-Abzeichen. Das ist grundsätzlich schön – vor allem für die 48 Prozent. (Martin Balasus [CDU]: Sehr gut!) Aber ich finde, um das Ergebnis einzuschätzen, muss man sich auch noch ein paar andere Gedanken machen. Bei diesen 48 Prozent, die das Abzeichen schon haben, sind ja alle diejenigen dabei, deren Eltern sich darum gekümmert haben, dass sie dieses Bronze-Abzeichen bekommen. (Beifall SPD, FDP und Jette WaldingerThiering [SSW]) Es doch mitnichten so, dass diese 48 Prozent alle in der Grundschule schwimmen gelernt haben, sondern am häufigsten kommt der Fall vor, dass Eltern sich darum kümmern, dass ihr Kind schon vor Eintritt in die Grundschule schwimmen lernt. Der Schwimmkurs wird dann meistens bis zum BronzeAbzeichen weitergeführt. Es gibt dann andere Kinder, die das Schwimmen vielleicht auch in der Grundschule erlernen. Diese sind dann mutmaßlich in den Regionen wohnhaft, wo es ein ausreichendes Angebot an Schwimmstätten gibt. Und nun haben wir 52 Prozent der Schülerinnen und Schüler, die dieses Abzeichen nicht haben. Das ist viel, vor allem vor dem Hintergrund, dass wir uns ziemlich sicher sein können, dass dies die Schülerinnen und Schüler sind, deren Eltern eben 4250 Schleswig-Holsteinischer (Martin Habersaat) nicht beim Erwerb des Bronze-Abzeichens helfen und die mutmaßlich nicht in einer Region wohnen, in der ausreichend Schwimmstätten vorhanden sind. Nun sagen Sie, Sie machen ein Monitoring. Dieses Monitoring sieht dann so aus, dass Schulen mit Schwierigkeiten ein Gespräch mit dem Schulamt führen können. Wenn man nachfragt, was denn Schulen mit Schwierigkeiten sind, dann erfährt man: Das sind die, wo gar kein Schwimmunterricht stattfindet. Ich weiß gar nicht, wie hoch das Dunkelfeld an Schulen ist, wo nur ein Teil der dritten und vierten Klassen Schwimmunterricht haben. Das ist weder im schriftlichen Bericht noch zu der Kleinen Anfrage beantwortet. Aber auch das wäre mal eine interessante Zahl. Nun finden diese Gespräche statt. Was aber passiert mit den Ergebnissen? Wir wissen es nicht. Diese werden nicht erhoben, werden nicht festgehalten, werden dem Landtag nicht mitgeteilt – gar nichts. 96 Schulen, zehn in Stormarn, 13 in RendsburgEckernförde, 21 im Kreis Segeberg – da müssen wir etwas tun. Herr Krüger hat zu Recht gesagt: Es hilft nicht, ein einmaliges Angebot, in den Ferien schwimmen zu lernen, zu unterbreiten. Die Experten sagen, dass es auf Regelmäßigkeit und Dauerhaftigkeit beim schwimmen lernen ankommt. Daran müssen wir arbeiten. Wenn Sie jetzt – zu Recht – fragen: „Wo sind denn die Vorschläge von SPD, FDP und SSW?“, dann können Sie diese in der Drucksache 20/824 – einer der besten – nachlesen. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall SPD, FDP und Jette WaldingerThiering [SSW])

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