Martin Balasus
Sehr geehrte Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Zahl ist schrecklich – schrecklich hoch. Genau 378 Menschen sind im vergangenen Jahr in Deutschland ertrunken. Jeder dieser Fälle ist einer zu viel. Das haben wir, das müssen wir immer im Hinterkopf haben, wenn wir uns für das Schwimmen starkmachen, denn wir alle wollen so einen Zustand ändern. Schwimmen lernen heißt, sein eigenes Leben und auch vielleicht das Leben anderer retten zu können. Der uns vorliegende Bericht der Landesregierung über die Schwimmfähigkeit der Schülerinnen und Schüler in der vierten Klassenstufe zeigt deutlich, wo wir stehen und wo wir weiter konsequent anpacken müssen, um unserem gemeinsamen Ziel, dass jedes Kind im Land zwischen den Meeren schwimmen können soll, immer näher zu kommen. Fast jede zweite Schülerin, fast jeder zweite Schüler hat zu Beginn der 4. Klasse bereits ein Bronzeabzeichen in der Tasche – oder an der Badehose, das wird da ja immer aufgenäht – und kann damit nachweislich sicher schwimmen. (Zurufe) – Bei mir ist das Zeichen nicht mehr aufgenäht. (Heiterkeit) Die Fachanforderungen für den Sportunterricht sehen diese Schwimmfähigkeit bis zum Ende der sechsten Klassenstufe vor. Im Jahr 2022 besaßen bundesweit 24 Prozent der Kinder im Grundschulalter und 42 Prozent der über Zehnjährigen das Bronzeabzeichen, wie eine repräsentative Umfrage von Forsa im Auftrag der DLRG ergab. Klar ist also, und das hat die Ministerin auch schon betont: Schleswig-Holstein steht im Vergleich zu anderen Bundesländern wirklich ordentlich da. Zurücklehnen dürfen wir uns trotzdem nicht, wir müssen hier 4246 Schleswig-Holsteinischer (Martin Balasus) weiter dranbleiben, denn klar ist auch, dass die Schließungen von Schulen und Schwimmstätten in den Pandemiejahren 2020 bis 2022 unsere Bemühungen zurückgeworfen haben. Schätzungsweise über 30.000 Kinder hatten also weder im Rahmen des Sportunterrichts noch in Vereinen oder privat mit ihren Eltern die Chance, eine gesicherte Schwimmfähigkeit zu erlangen. Aus heutiger Sicht ist das ein großer Fehler, aus dem wir für die Zukunft lernen müssen. Die Landesregierung hat das Problem erkannt und mit der Schwimmlern-Offensive SchleswigHolstein nachweislich wirksame Maßnahmen auf den Weg gebracht. Über 1,5 Millionen Euro Fördergelder sind in den letzten fünf Jahren bereitgestellt worden. Die DLRG, der Schwimmverband SHSV und das DRK konnten so zusätzliche vergünstigte oder sogar kostenlose Kurse anbieten, von denen schon 20.000 Kinder und Jugendliche profitiert haben. (Beifall CDU) Ein sehr erfolgreiches Projekt ist zum Beispiel das Schwimm-Mobil der DLRG, auch bekannt als rollende Seepferdchenschmiede. Zwei Bufdis touren mit dem Schwimm-Mobil durchs Land und unterstützen dort, wo sie besonders dringend gebraucht werden – am Vormittag bei Schwimmprojekten an Schulen oder nachmittags in Bädern, in denen Schwimmlehrer fehlen. Auch ein mobiles Schwimmbecken konnte beschafft werden und hilft dort, wo Schwimmstätten zu weit entfernt sind und der Weg eine riesige Herausforderung darstellt, oder wenn Schwimmstätten belegt sind. Die niedrigschwelligen Angebote der Schwimmlern-Offensive helfen vor allem auch Kindern aus Haushalten, in denen Sprachbarrieren vorhanden sind oder wenig Bewusstsein dafür herrscht, wie wichtig die Schwimmfähigkeit der eigenen Kinder ist. Der Bericht der Landesregierung deutet darauf hin, dass diese Mentalitätsfragen nicht zu unterschätzen sind. In den kreisfreien Städten, wo das nächste Schwimmbad meist nicht weit entfernt ist, ist der Anteil der sicheren Schwimmer meist niedriger als in den Kreisen. Das ist überraschend. Ohne Frage bleibt es aber eine zentrale Herausforderung, ausreichend Schwimmstätten überall im Land vorzuhalten, damit auch wirklich an jeder Schule Schwimmunterricht für unsere Kinder erfolgen kann. Mit der Sportstättenförderung unterstützt das Land die Kommunen maßgeblich bei der Sanierung ihrer Schwimmhallen. Wir als Land können zwar Gelder für die Sanierung der Sportstätten oder die Schwimmlern-Offensive bereitstellen – ohne die haupt- und vor allem ehrenamtlichen Schwimmtrainerinnen und Schwimmtrainer, die sich in DLRG, DRK oder dem Schwimmverband engagieren, ginge aber nichts. Ihnen allen gelten unser Dank und unsere Anerkennung für die Sicherheit unserer Kinder. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Den eingeschlagenen Weg der erfolgreichen Zusammenarbeit von Schulen und Vereinen müssen wir mit Nachdruck weiterverfolgen, und wir dürfen mit zunehmendem Abstand zu den Pandemiejahren das Ziel nicht aus den Augen verlieren: Nicht nur mehr Kinder als im Bundesschnitt sollen sicher schwimmen können, jedes Kind soll sicher schwimmen können. Zum Abschluss möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass Schwimmen natürlich auch gesundheitsförderliche Aspekte hat. Das ist eine gesundheitsfördernde Sportart, und sie macht auch noch Spaß. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ich freue mich in jedem Fall schon darauf, wenn es wärmer wird und die Badesaison losgeht. – Vielen Dank. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
