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Annabell Krämer

FDP 22.03.2024 Sitzungen 20/56

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Schließen wir doch mal die Augen und stellen uns vor, das Schwimmen sei wie eine Reise durch die endlosen Wellen der sommerlichen – mehr oder weniger warmen – Ostsee. Die Wellen tragen uns, während wir uns frei und auch ziemlich schwerelos fühlen. Wir spüren auch ein bisschen die Verbundenheit mit dem Wasser und wissen ganz genau, wie wir durch den wechselseitigen Armzug und den kontinuierlichen Beinschlag einen Antrieb ohne Unterbrechung erzeugen können. Unsere Augen schauen vielleicht durch die Gläser unserer Schwimmbrille zum Grund des Gewässers. Zum Atmen drehen wir den Kopf seitlich aus dem Wasser. Wir sind vom Meer umgeben, genauso wie Schleswig-Holstein, das Land zwischen den Meeren. Und nun öffnen wir die Augen und stellen schlagartig fest, dass wir leider nie Schwimmunterricht hatten, leider vollkommen hilflos im Wasser herumdümpeln und zu ertrinken drohen. (Martin Balasus [CDU]: Oh, ist das schlecht! – vereinzelte Heiterkeit) Weil wir von dem oben beschriebenen Bewegungsablauf beim Kraulschwimmen ebenso wenig gehört haben wie vom anfängerfreundlichen Brustschwimmen. So, meine Damen und Herren, genau so fühlen sich 52 Prozent der Grundschülerinnen und Grundschüler in Schleswig-Holstein. Der Schwimmunterricht an Schulen, und besonders an Grundschulen, spielt da eine unverzichtbare Rolle, um unseren Kindern nicht nur die Freude am Wasser zu vermitteln, sondern auch diese wirklich lebenswichtigen Fertigkeiten beizubringen. Denn nur, wenn wir unsere Kinder frühzeitig mit dem Element Wasser vertraut machen, können wir sicherstellen, dass sie sich in Notfällen überhaupt behaupten können. (Beifall FDP – Zuruf Martin Balasus [CDU]) Es können jedoch nicht alle Kinder das Schwimmen erlernen. Ertrinken ist eine der häufigsten Unfalltodesursachen bei Kindern, und genau deshalb sollten sie so früh wie möglich sicher und auch selbstständig das Schwimmen lernen. Die meisten Kinder sind laut Aussage der DLRG übrigens bereits mit fünf Jahren in der Lage, die SeepferdchenPrüfung abzulegen. Wieso sollte dann das BronzeSchwimmabzeichen nicht vor dem Alter von zehn Jahren für alle machbar sein? Dass jedes zweite Kind in der vierten Klasse nicht schwimmen kann, ist, ehrlich gesagt, immer noch eine sehr skandalöse Nachricht. (Beifall FDP und vereinzelt SPD) Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass jedes Kind in Schleswig-Holstein die Möglichkeit hat, das Schwimmen zu erlernen und sich sicher in den Wellen des Lebens bewegen kann. Wir fordern daher, dass die Landesregierung endlich ihrer Verantwortung nachkommt und ihre Arbeit macht. Was möchte die Koalition denn nun unternehmen, um diesen unterirdischen Zustand des Schwimmunterrichts in den Griff zu bekommen? – Sie bittet die Landesregierung, sich auch zukünftig dafür einzusetzen, dass jedes Kind bis zum Ende seiner Grundschulzeit die Möglichkeit erhält, schwimmen zu lernen. Das fordern Sie ja selber, Herr Balasus! Da steht nichts von sechster Klasse. Sie bitten darum, die Weiterqualifizierungsbemühungen von Lehrkräften und den Dialogprozess fortzusetzen, um auf dieser Grundlage bestehende Schwimmangebote im Land weiterzuentwickeln. Das kann doch nicht Ihr Ernst sein! Sie feiern sich dafür, dass lediglich 48 Prozent der Schülerinnen und Schüler mit Eintritt in die vierte Klassenstufe schwimmen können. (Martin Balasus [CDU]: Ja, nach wie vor Nummer eins!) Sie haben auch nach der x-ten Debatte über den Schwimmunterricht nicht begriffen, dass Eltern händeringend nach Möglichkeiten suchen, ihr Kind schwimmfähig zu bekommen. Die Wartelisten für Schwimmkurse sind endlos, Herr Balasus. Und die Schulen agieren hier als Zentralakteure. Anstatt sich des Problems endlich einmal anzunehmen und mehr Anstrengungen bei der Ausbildung der Lehrkräfte und – ganz wichtig – bei der Erhaltung der (Annabell Krämer) alten und bei der Errichtung neuer Schwimmstätten zu unternehmen, schwimmen Sie weiterhin gegen den Strom jeglicher Vernunft. (Zuruf FDP: Der war gut! – Beifall FDP und SPD) – Ja, ist doch wahr. Wir fordern, dass die Fachanforderungen endlich verbindlich umgesetzt werden und der Schwimmunterricht als Teil des Sportunterrichts endlich den Stellenwert erhält, den er verdient. Schwimmunterricht muss so organisiert sein, dass alle Schülerinnen und Schüler die Chance erhalten, als sichere Schwimmerinnen und Schwimmer von den Schulen zu gehen. Rund 160 Kommunen in unserem Land stellen die erforderliche Infrastruktur für den Schwimmunterricht, und das für über 1.000 Kinder aus Städten und Gemeinden. Ich fordere Sie auf, diese knapp 160 Kommunen endlich angemessen bei den Betriebskosten zu unterstützen. Ganz ehrlich, der Vorwegabzug im kommunalen Finanzausgleich von bisher 7,5 Millionen Euro gehört signifikant aufgestockt. (Beifall FDP und SSW) Die Kosten für diese Lehrschwimmbecken müssen auf viele Schultern verteilt werden. Das ist eine gemeinschaftliche Aufgabe, deshalb muss die Last auch über alle Kommunen hinweg verteilt werden. Ansonsten wird das Bädersterben dazu führen, dass bald noch weniger Kinder in unserem schönen Land das Schwimmen erlernen. Sie berufen sich übrigens darauf, dass der Landtag erst eine verbindliche Schwimmfähigkeit nach der 6. Klasse vorsieht. (Zuruf Martin Balasus [CDU]) – Genau. Genau deshalb bin ich unglaublich gespannt darauf, wie der Bericht dazu im Mai 2024 aussehen wird. Sie gucken, aber im Mai werden wir nämlich in diesem Plenum darüber debattieren. Dann erwarte ich, dass die Quote bei 90 Prozent liegt. Eines will ich Ihnen ganz ehrlich sagen, und das ist das Erschreckende, das ist ganz ernst. Sie alle wissen: Wer nicht schwimmen kann, der ist ausgegrenzt. Schwimmen ist ein Teil von Integrationsarbeit. Schwimmen integriert neue Mitbürgerinnen und Mitbürger.

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