Peter Lehnert
Für die Fraktion BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN erteile ich der Abgeordneten Catharina Nies das Wort. Catharina Johanna Nies [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Mein Sohn ist in diesem Jahr drei Jahre alt geworden. Er findet seine Kita super und ist richtig gerne dort. Mich beruhigt das sehr, denn ich bin alleinerziehende Mutter. Ohne Vertrauen in die Kita könnte ich meinen Job nicht (Catharina Johanna Nies) ausüben. So geht es sehr vielen Elternteilen – egal ob alleinerziehend oder zu zweit. (Beifall und Heiterkeit – Zuruf SPD) – So geht es auch den Großeltern! Wir müssen einfach wissen, dass sich unsere Kinder geborgen fühlen, dass sie in ihrer Entwicklung gut begleitet und so gefördert werden, wie sie es brauchen – auch, wenn wir nicht bei ihnen sind. Wir müssen zudem wissen, dass die Kinderbetreuung verlässlich steht. Als Mama und als Politikerin sehe ich, wie gut die Kindertageseinrichtungen in unserem Land arbeiten. Ich sehe aber auch, wie hart sie arbeiten. So viele Sozialpädagog_innen, Erzieher_innen, sozialpädagogische Assistent_innen und auch Kindertagespflegepersonen machen einen großartigen Job – mit einem Blick für das einzelne Kind, mit Zugewandtheit und Zuneigung. Gleichzeitig kostet es in den Kindertageseinrichtungen zu viel Kraft und Ressourcen, ausreichend Personal zu finden, Stellen zu besetzen, erkrankte Kolleg_innen zu vertreten und ohne Gruppenschließungen den Laden irgendwie am Laufen zu halten. Deshalb verstehe ich, dass viele Menschen, die in Kitas arbeiten, und Eltern heute vor dem Landeshaus zusammen demonstriert haben, um auf die angespannte Situation aufmerksam zu machen. Ihre Lautstärke, ihre Sichtbarkeit sind ungemein wichtig. Gerade im laufenden gesetzlichen Anpassungsprozess, in dem wir uns gerade befinden, sind wir auf die Stimmen und Problemanzeigen aus dem ganzen Land angewiesen. Ich danke deshalb allen, die sich auch heute noch in ihrer Freizeit für eine gute frühkindliche Bildung einsetzen. Die Kitas haben heute gesagt: Hey, das, was wir brauchen, ist Vertrauen in uns. – Das ist genau der Punkt, finde ich. Wir schauen uns die Evaluationsergebnisse gerade an und warten auf die Stellungnahme des Fachgremiums. Ein Ergebnis muss am Ende sein, den Kitas künftig mehr Flexibilität für den Einsatz ihres Personals zu geben und gleichzeitig die gesetzten Qualitätsstandards zu halten. Das ist, was wir am Ende erreichen müssen. Ich habe großes Vertrauen in unsere Kitas, dass beides zusammen gelingen kann. (Sandra Redmann [SPD] niest – Unruhe) – Gesundheit! Ich konnte das Geräusch gar nicht einordnen. (Heiterkeit – Serpil Midyatli [SPD]: Das macht sie bei mir auch immer!) – Ich bin völlig verwirrt. (Dr. Heiner Garg [FDP]: Das war keine Kritik, Frau Kollegin!) – Ja, okay. Eine Berechnung des konkreten Fachkräftebedarfs in den kommenden Jahren, denn darum geht es heute, würde sicherlich dabei helfen, die Größe des Problems besser einschätzen zu können. Deshalb ist es gut, dass Sozial- und Bildungsministerium sich abstimmen und planen, sich mit wissenschaftlicher Unterstützung einen Fachkräftebericht für die nächsten Jahre in der frühkindlichen Bildung zu erarbeiten. Das Warten auf eine solche Berechnung darf uns aber nicht vom Handeln abhalten. Denn auch ohne eine genaue Berechnung wissen wir, dass wir Ausbildungsplätze weiter ausbauen, Fachkräfte neu gewinnen und auch im System halten müssen. Genau daran arbeiten wir mit unserer Fachkräfte-StärkenStrategie, mit der Ausweitung der Praxisintegrierten Ausbildung, mit der Ausweitung der Ausbildungsmöglichkeiten für SPA mit Berufserfahrung und mit dem Ausbau der Quereinstiegs- und Qualifizierungsmöglichkeiten für Menschen mit nicht pädagogischen Ausbildungsabschlüssen. Noch einmal: Wir brauchen mehr Flexibilität, um einen sinnvollen Umgang mit Personalausfällen zu finden. Wir brauchen gleichzeitig schlichtweg mehr regulär eingeplantes Personal. Der Evaluationsbericht empfiehlt zum Beispiel eine neue Berechnung der Ausfalltage in der SQKM-Finanzierung und auch die Einführung einer Spanne für den Fachkraft-Kind-Schlüssel. Die Festlegung eines festen Wertes wird als sinnvoll beschrieben. Können wir hierbei stärker in Rand- und Kernbetreuungszeiten denken? – Das alles sind Punkte, die nun geprüft werden. Wir sehen die Probleme, wir hören die Kritik, und wir werden Verbesserungen auf den Weg bringen und warten nun gespannt auf den 30. April 2024 und die Stellungnahme des Fachgremiums zu den Evaluationsergebnissen, um darauf aufzubauen. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
