Malte Krüger
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Zunächst einmal vielen Dank, Frau Ministerin, für den Bericht. Als ich 16 war, war ich auf der Realschule in Glücksstadt, und ich wollte unbedingt an eine berufliche Schule. Ich habe mich an drei beruflichen Schulen beworben, und ich habe drei Absagen bekommen, (Zurufe: Oh!)) weil die Plätze zu dieser Zeit so begehrt waren, dass ich selbst nicht an eine berufliche Schule wechseln konnte und daher im Anschluss auf ein normales Gymnasium in Glücksstadt gehen musste – oder durfte –, dort standen eben deutlich mehr Plätze zur Verfügung. (Zuruf) Herr Knöfler hat es gerade schon gesagt – ich stimme ihm absolut zu –, die Ministerin hat es erwähnt, ebenso Martin Habersaat, und ich wette, der SSW wird es auch erwähnen: Berufliche Bildung in Schleswig-Holstein, das ist eine Wucht; das ist richtig gut, und berufliche Bildung brauchen wir in Schleswig-Holstein. (Beifall BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU) Ohne berufliche Bildung bekämen wir all das, was wir vorhaben, etwa die Energiewende, nicht vorangebracht. Berufliche Bildung brauchen wir. Klar, ich kann verstehen, dass die Opposition und gerade auch Sie, Herr Habersaat, auf viele Probleme hinweisen. Gleichzeitig ist es natürlich richtig, dass wir in den letzten Jahren viele Erfolge sehen konnten. Einen Erfolg möchte ich unterstreichen, nämlich, dass wir bei der Unterrichtsversorgung inzwischen deutlich besser dastehen als noch vor einigen Jahren. Das ist ein echter Erfolg. (Beifall BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU) Natürlich haben wir aber auch an beruflichen Schulen mit Lehrkräftemangel zu tun. 76 Stellen sind nicht besetzt. Gleichzeitig haben wir sinkende (Malte Krüger) Zahlen bei den Schülerinnen und Schülern. Wer in der beruflichen Bildung unterwegs ist, kennt bereits den Begriff der Wanne: Wir sehen für mehrere Jahre sinkende Schülerinnen- und Schülerzahlen, aber wir sehen eben auch, dass diese Zahlen nach einigen Jahren wieder rapide steigen werden. (Christopher Vogt [FDP]: Die SchwarzGrün-Delle!) – Das ist keine Schwarz-Grün-Delle, sondern natürlich auch demografiebedingt. Jetzt kommen mehrere Probleme quasi gleichzeitig. Zum einen sehen wir, dass die Hälfte aller Berufsschullehrkräfte bereits über 50 Jahre alt ist. Wir werden in einigen Jahren steigende Schülerinnenund Schülerzahlen haben; gleichzeitig stehen viele Pensionierungen bevor. Natürlich muss da gegengesteuert werden, und es wird auch jetzt schon gegengesteuert. Das ist richtig. Ein zweites Problem: Wir haben so gute Berufsschullehrkräfte, dass diese natürlich auch für die Wirtschaft sehr attraktiv sind. Die Wirtschaft hat teilweise ein Interesse, Berufsschullehrkräfte abzuwerben. Das heißt, wir müssen den Beruf natürlich so attraktiv machen, dass wir die Lehrkräfte an unseren Schulen halten. Das ist doch klar. (Beifall BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU – Martin Habersaat [SPD]: Dann machen Sie das doch!) Und dann haben wir etwas, was uns allen, wie ich glaube, ziemlich zu denken gibt: Wir stellen bei unseren jungen Menschen einen Wertewandel fest. Leider ist es immer noch so, dass das Abitur, dass das Gymnasium als Weg zum Ziel gelten. Ich sehe das nicht so. (Beifall BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN und CDU) Ich glaube, dass wir gut daran tun – wir alle; wir sind alle an vielen Schulen unterwegs –, immer für das Bewusstsein zu werben, dass die berufliche Bildung ein krasses Privileg ist, das wir in Schleswig-Holstein, in Deutschland haben. (Beifall BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN und CDU – Zuruf Martin Balasus [CDU]: Ja!) Wir sollten jeden jungen Menschen dazu anregen, das auch wahrzunehmen. Jetzt kommen wir zu den Lösungen. Viele davon wurden hier schon vorgestellt. Wir haben zum einen den Handlungsplan Lehrkräftegewinnung. Dazu wurde schon vieles gesagt; das will ich nicht alles wiederholen. Aber eine Sache ist mir wichtig: Wir haben für die drei unterschiedlichen Stadien der Lehramtsausbildung schon Maßnahmen vorgestellt. Mir ist wichtig, dass wir für jeden Bereich klar unsere Maßnahmen haben, aber ebenso wichtig ist mir, dass wir die Verzahnung dieser verschiedenen Bereiche sehen: den Übergang vom Studium in den Vorbereitungsdienst, den Übergang vom Vorbereitungsdienst in die Lehrkräftevorbereitung. Auch das müssen wie immer in den Blick nehmen; denn an diesen Stellen verlieren wir Schülerinnen und Schüler sowie Studierende häufig. Da müssen wir ansetzen, um diejenigen in den Systemen zu halten, die wir haben. Die zweite Lösung ist das duale Masterstudium Berufliche Bildung. Das ist 2019 bereits gestartet. Ich muss dazu sicherlich nichts weiter ausführen; dazu wurde schon oft etwas gesagt. Dann haben wir das Satellitenmodell – Peer Knöfler hat darauf hingewiesen –, eine Kooperation mit den Fachhochschulen. Auch das kann helfen, wenn es darum geht, für die beruflichen Schulen zu werben. Wir haben den Lehramtsstudiengang Sozialpädagogik. Mir ist sehr wichtig, dass dieser nun startet, weil ich glaube, dass es momentan noch etwas schwierig ist. Da kommen dann Leute von der Leuphana Universität – die eine gute Universität ist, die aber eben von Schleswig-Holstein aus doch sehr weit entfernt liegt. Wenn wir also hier einen Lehramtsstudiengang Sozialpädagogik haben, dann kann das sehr erfolgreich sein. (Zuruf SPD) Außerdem müssen wir beim Quer- und Seiteneinstieg flexibler sein. Wir müssen die Leute da besser abholen. Oft werden diese leider noch nicht da abgeholt, wo wir sie eigentlich brauchen. Eine Flexibilisierung bezüglich Quer- und Seiteneinstieg wünsche ich mir also sehr.
