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Martin Habersaat

SPD 21.03.2024 Sitzungen 20/55

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Damen und Herren! Es ist in der Tat bewundernswert, wie die Landesregierung von Erfolg zu Erfolg eilt. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Das ist wahrscheinlich nicht zuletzt auch der Grund dafür, dass jeden Tag Menschen von dem Landeshaus stehen, um zu gratulieren. (Beifall SPD) Auf Antrag der SPD-Landtagsfraktion hat die Landesregierung einen Bericht über die Fachkräfteversorgung der berufsbildenden Schulen in SchleswigHolstein vorgelegt. Dafür zunächst einmal vielen Dank an alle Beteiligten. (Beifall SPD, vereinzelt CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Aus diesem Bericht geht nun hervor, dass 46,8 Prozent der Lehrkräfte an unseren berufsbildenden Schulen älter als 50 Jahre sind, und es besteht zumindest Grund zu der Annahme, dass sie alle 2017 sieben Jahre jünger gewesen sind. In dem Bereich Agrarwirtschaft sind 27,4 Prozent der Lehrkräfte über 60 Jahre alt, in den Bereichen Textiltechnik und Bekleidung sogar fast ein Drittel. Über alle Fachrichtungen gilt: Eine Pensionierungswelle steht bevor, und die wird dann mit prognostiziert steigenden Schülerzahlen ab dem Ende der 2020er-Jahre zusammentreffen. Interessant in dem Bericht ist auch, dass die Teilzeitquote an den beruflichen Schulen nur bei rund einem Drittel liegt im Gegensatz zu einem Anteil von 45 Prozent an den allgemeinbildenden Schulen. Wenn sich unsere Lehrkräfte an den berufsbildenden Schulen eines Tages entschließen sollten, eine ähnliche Teilzeitquote in Anspruch zu nehmen wie die Lehrkräfte an den allgemeinbildenden Schulen, (Martin Habersaat) (Tobias Koch [CDU]: Oder anders herum!) dann würde sich die Situation noch verschärfen, Herr Koch. Da sind wir uns ja einig. (Beifall SPD) Herr Koch, planen Sie da politische Maßnahmen? Das ist in der Tat eine interessante Frage. Momentan befinden wir uns in einer Spirale nach unten – weniger Auszubildende, weniger Lehrkräfte, weniger Stellen für fertig ausgebildete Lehrkräfte, und die gehen dann in andere Bundesländer und bleiben da. 227 Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst helfen uns nur, wenn sie hinterher auch in den Schuldienst in Schleswig-Holstein übernommen werden, und ein Moratorium hilft nur, wenn es ein echtes Moratorium ist. Wir haben auch darüber an verschiedenen Stellen gesprochen. Lustigerweise war es ja nur im Jahr der Landtagswahl so, dass einmalig ein Moratorium stattgefunden hat. Es war nicht etwa so, dass der Istzustand eingefroren worden wäre, bis der Masterplan Berufliche Bildung fertiggestellt wurde. Auch die regionale Verteilung der Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst bereitet Grund zur Sorge. Durchschnittlich zwei Einstellungen im Jahr werden der Fachkräfteversorgung der Kreise Plön, Herzogtum Lauenburg und Schleswig-Flensburg kaum helfen. Im Kreis Dithmarschen sieht es kaum besser aus. Wer sich den Bericht anguckt, der wird weitere Hinweise auf regionale Unwuchten in verschiedenen Berufsfeldern finden, leider aber keine Hinweise, wie diese behoben werden sollen. Große Probleme haben die Schulen derzeit, die gewerblich-technischen Disziplinen zu bedienen, bei denen gleichzeitig die Zahl der Studienanfänger_innen eingebrochen ist: von 14 im Herbstsemester 2021/22, was schon nicht besonders viele waren, auf vier im Herbstsemester 2023/24. Aber, wir haben es gehört, auch qualifizierte Lehrkräfte für Sozialpädagogik sind schwer zu finden, und die werden gebraucht, um die Fachkräfte auszubilden, die wir an unseren Kitas und künftig verstärkt für das Angebot unserer Ganztagsschulen brauchen, wenn denn die Landesregierung nicht wieder wortbrüchig wird und den Pfad zum Ausbau des Ganztags fortsetzt. Bis 2035 ist mit einer Lücke von mindestens 180.000 Fachkräften in Schleswig-Holstein zu rechnen. Die berufsbildenden Schulen und die duale Ausbildung sind ein zentraler Schlüssel zur Bekämpfung dieses Fachkräftemangels, soweit ihnen vorher nicht selbst die Fachkräfte ausgehen. In die Bedarfsprognosetools zur Lehrkräfteversorgung wollte die Landesregierung die beruflichen Schulen lieber nicht aufnehmen. Ich hätte mir gewünscht, sie hätten es getan, und sei es nur wegen der 400 allgemeinbildenden Lehrkräfte, die hier beschäftigt sind und die ja den allgemeinbildenden Schulen in dem Moment nicht mehr zur Verfügung stehen. Jetzt müssen wir uns um die vorhandenen Lehrkräfte kümmern. Das sind Fachkräfte, die aufgrund ihrer besonderen Ausbildung auch für andere Arbeitgeber attraktiv sind. Davon kann manche Berufsschulleitung ein Lied singen. Auf Seite 27 des Berichts erfährt der geneigte Leser von einer Prüfung möglicher Entlastungen für Lehrkräfte. Frau Prien, ich finde, nach sieben Jahren im Amt darf man da ruhig einmal ein bisschen konkreter werden, als Prüfungen anzukündigen. (Beifall SPD) Im Herbst hat eine Statuserhebung zur Gesundheit der Lehrkräfte stattgefunden, deren Ergebnisse dem Landtag bisher nicht zugeleitet worden sind, die aber an einzelnen Schulen vorliegen und bekannt sind. Diese sorgen, so höre ich es, an den Schulen für lebhafte Diskussionen und anscheinend tatsächlich für Handlungsbedarf. Mein Eindruck: Es wird in den Kollegien als Affront wahrgenommen, dass das Bildungsministerium keine Maßnahmen aus der Statuserhebung ableitet und auch keine Ressourcen zur Verfügung stellen will. (Beifall Birgit Herdejürgen [SPD]) Und es wird von Schulleitungen als Affront wahrgenommen, wenn bei Schulleiterdienstversammlungen die Erwartung geäußert wird, die Schulleitungen mögen nun dafür sorgen, dass die Lehrkräfte bitte weniger gestresst sind. Das geht überhaupt nicht, meine Damen und Herren. (Beifall SPD und Jette Waldinger-Thiering [SSW]) Unsere derzeitigen Ausbildungskapazitäten und deren Strukturen müssen schließlich so aufgestellt werden, dass sie helfen, den Bedarf zu decken. Es darf nicht ewig dauern, in Kiel neue Studiengänge in Sozialpädagogik einzurichten. Die starken Fachhochschulen in Schleswig- Holstein müssen umfangreicher und systematischer in diese Aufgaben einbezogen werden. Die Allianz für Lehrkräftegewinnung muss endlich zu einer Einrichtung mit strukturellen Mitteln werden. Ich verstehe die Zurückhaltung der Hochschulen, jetzt Strukturen zu schaffen, die mit Ablauf des Jahres 2025 vielleicht (Martin Habersaat) wieder eingestellt werden müssen. Wer weiß, was die Hochschulen noch zu spenden haben, meine Damen und Herren? Es darf auch nicht mehr passieren, Lehrkräften aus dem Vorbereitungsdienst kein Übernahmeangebot zu machen. Ja, manche dieser Maßnahmen kosten Geld, aber wie viel Geld kostet es eigentlich, sich Jugendliche ohne Berufsausbildung oder eine Wirtschaft mit 180.000 fehlenden Fachkräften zu leisten? – Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit. (Beifall SPD und Jette Waldinger-Thiering [SSW])

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