Karin Prien
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich glaube, wir sind uns einig, dass die berufliche Bildung ein deutsches Erfolgsmodell, ein schleswig-holsteinisches Erfolgsmodell ist, und dass sie eben nicht nur unsere Wirtschaft mit gut ausgebildeten Fachkräften versorgt und ihr den Rücken stärkt, sondern auch für den Zusammenhalt (Ministerin Karin Prien) unserer Gesellschaft und als Innovationstreiber in den Unternehmen von großer Bedeutung ist. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ich will neben allem, was man über die beruflichen Schulen sonst noch Wichtiges sagen könnte, auf einen besonderen Aspekt hinweisen: Die berufliche Bildung ist auch deswegen so wertvoll, weil sie eine Vielzahl junger Menschen mit ganz unterschiedlichen Bildungsbiografien und sozialen Hintergründen erreicht und zusammenführt. Damit ist sie entscheidende Wegbereiterin für den sozialen Aufstieg in unserem Land. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dass die berufliche Bildung in unserem Land so erfolgreich ist, dafür sorgen neben den Ausbildungsbetrieben in erster Linie die Schulleitungen, die Lehrkräfte und andere Mitarbeiter an unseren berufsbildenden Schulen. Ich finde, diese Debatte ist eine gute Gelegenheit, allen, die daran beteiligt sind, ausdrücklich unseren Dank auszusprechen. (Beifall) Natürlich sind qualifizierte und hochmotivierte Lehrkräfte – wie an anderen Schulen auch – das A und O. Die Situation an den berufsbildenden Schulen ist natürlich noch ein bisschen vielfältiger und komplexer, denn an den 35 öffentlichen berufsbildenden Schulen in unserem Land, darunter – wie Sie wissen – 19 regionale Berufsbildungszentren, werden derzeit rund 350 verschiedene Bildungsgänge angeboten. Zudem können an den berufsbildenden Schulen alle allgemeinbildenden Schulabschlüsse erworben werden. Das werden sie in großem Umfang. Wir haben es immer wieder mit entsprechenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erörtert: Es ist in diesem Bereich nicht möglich, verlässliche Prognosen aufzustellen, weil keine großen Fallzahlen und Strukturen vorliegen, auf die man dafür angewiesen wäre. Wir haben ein Problem an den berufsbildenden Schulen mit abnehmenden Schülerzahlen. Gott sei Dank wird sich das in den kommenden Jahren wieder nach oben verändern. Deshalb brauchen wir dringend ein atmendes System. Unser Masterplan für berufliche Bildung – darüber haben wir an verschiedenen Stellen miteinander gesprochen – ist, dieses atmende System zu realisieren. Kommen wir zum Status quo an den beruflichen Schulen. Im Schuljahr 2022/23 haben wir an den berufsbildenden Schulen in Schleswig-Holstein 4.527 Lehrkräfte, die unterrichten. 80 Prozent von ihnen haben die Befähigung für das Lehramt an berufsbildenden Schulen oder das Fachlehramt. Zusätzliche acht Prozent haben die Befähigung für ein Lehramt an allgemeinbildenden Schulen. Somit unterrichten an den berufsbildenden Schulen des Landes fast 90 Prozent der Personen mit einer abgeschlossenen Lehramtsausbildung. Weitere fünf Prozent haben einen anderen Hochschulabschluss und werden als Fachkräfte dringend dort benötigt. Ein Teil der Lehrkräfte mit der Befähigung für das Lehramt an den berufsbildenden Schulen kommt traditionell über den Quereinstieg. Sie haben kein Lehramtsstudium absolviert, besitzen aber einen anderen Diplom‑, Magister- oder Master-Abschluss in einer vom Land festgestellten Mangelfachrichtung. Über einschlägige Berufserfahrung oder eine abgeschlossene duale Ausbildung werden sie in das System gebracht. Es ist außerordentlich sinnvoll, im berufsbildenden Bereich so vorzugehen. Nach dem 18-monatigen Vorbereitungsdienst und dem Bestehen der Staatsprüfung haben diese Personen die volle Lehramtsbefähigung für die berufsbildenden Schulen und sind in den Kollegien bestens integriert. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ich will eines betonen: Gerade im berufsbildenden Bereich ist die einschlägige Berufserfahrung von großer Bedeutung. Deshalb werden wir diesen Weg über Seiten- und Direkteinstiege weiter fortsetzen. Wir haben zu den beiden Einstellungsterminen am 1. August 2022 und 1. Februar 2023 insgesamt 136 Anwärterinnen und Anwärter für das Lehramt an berufsbildenden Schulen in den Vorbereitungsdienst eingestellt. Ich will Sie mal ein kleines Stückchen mit in die Vergangenheit nehmen, meine Damen und Herren: Im Jahr 2017, als wir gemeinsam mit Jamaika erstmals die Landesregierung gestellt haben, hatten wir bei der Unterrichtsversorgung an den berufsbildenden Schulen ein Niveau von gerade einmal 90 Prozent. Heute liegen wir bei 101 Prozent, meine Damen und Herren. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wir sind in der Lage, nahezu alle Planstellen an den beruflichen Schulen zu besetzen. Die Situation hat sich also deutlich verbessert. Trotzdem will ich (Ministerin Karin Prien) nicht verhehlen, dass der Fachkräftemangel in unserem ganzen Land, in unserer ganzen Gesellschaft, in allen Bereichen angekommen ist. Deshalb ist es ein großer Kraftakt, den wir gemeinsam als Koalition gut bestehen. Ich will Ihnen zum Abschluss noch zwei Beispiele dafür nennen, dass wir diese Herausforderung sehr gut bestehen. Zum einen ist es so, dass wir gemeinsam noch unter der Jamaikakoalition 60 Stellen im Rahmen des Moratoriums ins System gegeben haben, die auch weiterhin im System sind und zu diesem Zweck auch weiterhin im System bleiben, um den Masterplan berufliche Bildung umsetzen zu können. Insofern ist dafür gesorgt, dass der notwendige Puffer besteht, um kleinere Berufe, die regionalen Basisberufe – zum Beispiel in Landwirtschaft oder Tourismus –, sowie kleine Landesberufsschulen aufrechterhalten zu können. Zum Zweiten haben wir vielfache Anstrengungen zu einer Verbesserung der grundständigen Lehrkräfteversorgung unternommen – zunächst an der Europa-Universität Flensburg und zukünftig mit neuen Studiengängen an der Christian-Albrechts-Universität. Wirtschaftspädagogik hatten wir schon eingerichtet. Jetzt werden wir noch einen Bachelor-Studiengang an der Fachhochschule in Kiel und einen Master-Studiengang für Sozialpädagogik mit dem Profil berufliche Bildung einrichten. Auch da kommen wir weiter voran. Das ist wichtig, damit wir die großen Herausforderungen im Bereich der Erziehungsberufe stemmen können. Ich will heute mit einer guten Nachricht schließen: Wir haben im vergangenen Jahr schülerzahlenunabhängig 21 zusätzliche Stellen ins System gebracht, um mehr sozialpädagogische Assistentinnen und Assistenten und Erzieherinnen ausbilden zu können; in diesem Jahr noch einmal zusätzlich 64 Stellen. Was Sie wissen sollten, ist, dass es uns damit gelungen ist, über 1.000 zusätzliche Ausbildungsplätze in diesem Bereich zu schaffen, insbesondere durch die Erweiterung der Ausbildungsmöglichkeiten durch die Erweiterung der PiA-Ausbildungsangebote. Deshalb kann man wirklich sagen: Diese Lehrkräfteoffensive ist ein großer Erfolg dieser Landesregierung. Damit möchte ich schließen. – Danke. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
