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Sybilla Nitsch

SSW 23.02.2024 Sitzungen 20/53

Kære fru landdagspræsident! Kære kollegaer! The Kids Are Alright, hieß einmal ein Lied, das 1965 von der Band The Who veröffentlicht worden ist. (Beifall Oliver Brandt [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN] Seitdem ist es mehrfach gecovert worden – von Goldfinger etwa, von Greenday oder auch Pearl Jam. Zuletzt haben sich in den späten Neunzigern The Offspring darauf bezogen und den Song The Kids Are Not Alright herausgegeben. Auch heute müssen wir feststellen: The kids are not alright. Ich möchte den Landesschülervertretungen, den Landeselternbeiräten und den schleswigholsteinischen Schulpsycholog_innen für ihren gemeinsamen Brief danken, in dem sie uns erneut auf die mentale Gesundheit von Schülerinnen und Schülern und insgesamt auf das Thema psychische Gesundheit an Schulen hinweisen. Es ist kein neues Thema, aber es ist eines, das – so scheint es mir jedenfalls – immer drängender wird. Die multiplen Krisen, von denen wir auch hier im Parlament so oft reden, sie treffen eben auch unsere Schülerinnen und Schüler. Schon vor der Coronapandemie fühlte sich jeder fünfte Jugendliche psychisch belastet. Nach der Coronapandemie war es dann jeder dritte. Wir können diese Zahlen nicht ernst genug nehmen. Es stimmt auch, wenn wir sagen: Schule kann nicht alles leisten. Aber es gibt Momente, in denen man die Auswirkungen des Schullalltags und auch die Chancen, die hier liegen, besonders hervorheben muss. Schulen können nämlich geradezu die Wirkung eines Schutzfaktors entwickeln gegen eine Welt, die wahrlich keine einfache ist für unsere Jugendlichen. In Schulen entwickeln sich soziale Kompetenzen, individuelle Resilienz und starke Selbstbilder, wenn es gut läuft. Schulen haben explizit den Auftrag, Schülerinnen und Schüler zu stärken und zu fördern. Es ist die Aufgabe der Schule, die kognitiven, emotionalen, sozialen, kreativen und körperlichen Fähigkeiten des jungen Menschen unter Wahrung des Gleichberechtigungsgebots zu entwickeln. Die Schule soll dem jungen Menschen zu der Fähigkeit verhelfen, in einer ständig sich wandelnden und dabei zunehmend digitalisierten Welt ein erfülltes Leben zu führen, heißt es in den Bildungs- und Erziehungszielen unseres Schulgesetzes. Schulen sind nicht nur Orte, an denen Kinder und Jugendliche fachliche Inhalte lernen, sondern ganz ausdrücklich auch Orte an denen sie Selbstwirksamkeit erfahren und soziale und emotionale Kompetenzen ausbauen. Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ist damit ganz klar auch ein Arbeitsfeld der Sozial- und Bildungspolitik. (Beifall SSW und Dr. Heiner Garg [FDP]) Wir brauchen mehr präventive und akute Angebote, damit sich psychische Probleme nicht chronifizieren. Ich will das Folgende gar nicht in Abrede stellen, und ich weiß es aus eigener Erfahrung. – Frau Waldinger-Thiering hätte heute eigentliche die Rede halten sollen. – Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es extrem engagierte Kollegen und Schulleitungen gibt, auch unter allen, die an Schulen tätig sind. Aber manchmal ist es so, dass man durch den Druck im Alltag einfach aufgeben muss und nicht das für die Kinder und Jugendlichen umsetzen kann, was sie eigentlich verdient haben. Der offene Brief an das Bildungsministerium spricht ganz explizit den Punkt Schulkultur an. Für einige der Punkte haben wir als SSW große Sympathien. In Dänemark ist seit einigen Jahren ein Wort in aller Munde: trivsel. Das bedeutet so etwas wie Wohlbefinden und Gedeihen. Wir müssen uns um das Wohlbefinden unserer Schülerinnen und Schüler besser kümmern, und da geht es nicht nur um (Sybilla Nitsch) Inhalte im Schulunterricht, sondern da geht es um weitere Kreise der Schulkultur. 2022 wurde das Thema beispielsweise beim Deutschen Präventionstag behandelt, und es wurde über neue Schulfächer wie psychische Gesundheit oder Prävention debattiert. Wir wissen ja: Wenn es um neue Schulfächer geht, dann schlackern den meisten von uns die Ohren, weil es zur Wahrheit gehört, dass die Belastungen derer, die im Schulsystem arbeiten, steigen. Von daher muss man sich einfach angucken: Wie formt man die Schulkultur, damit diese Begriffe im Grunde genommen im Querschnitt der Arbeit etabliert werden? Wir brauchen nämlich eine Schulkultur, die unseren jungen Menschen Mut macht. Luftholen statt aufholen, so werden die Punkte rund um Entzerrung und Entschlackung der Lehrpläne zusammengefasst – auch, um gegebenenfalls Platz für anderes zu machen. Wir als SSW wollen, dass die Schülerinnen und Schüler Zeit haben, um sich konzentrieren zu können, um sich in Lerninhalte zu vertiefen, aber auch, um soziale, emotionale und psychosoziale Entwicklungsschritte zu gehen. Nun hat dieser Berichtsantrag hier für einige Debatten gesorgt. Wir vom SSW sind genauso schockiert darüber, dass man diese Gepflogenheiten so behandelt, denn die Schülerinnen und Schüler, die es betrifft, also jedes dritte Kind, das in unserem Schulsystem mitläuft, haben nichts davon, dass wir uns auf diese Art und Weise hier über das Thema streiten. Die wollen nämlich eine Schulkultur, die sie sieht und die sie in den Mittelpunkt stellt. Deshalb haben diese Schüler_innen es verdient, dass wir das in der Breite als Parlament diskutieren, und zwar alle. Daher müssen Sie sich nächstes Mal einen Ruck geben und so eine Entscheidung überdenken – im Sinne unserer Schülerinnen und Schüler. Ich hätte mir gewünscht, dass wir das vertieft im Berichtsantrag hätten nachlesen können. – Vielen Dank. (Beifall SSW, SPD)

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