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Malte Krüger

GRÜNE 23.02.2024 Sitzungen 20/53

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Zu allererst möchte ich mich bei der Landesschüler_innenvertretung und den Landeselternbeiräten für das Positionspapier zur Situation an unseren Schulen bedanken. Ich meine, es ist lange klar, dass die psychische Belastung unserer Schüler_innen in den letzten Jahren, auch vor Corona, zugenommen hat. Es gibt leider immer noch Menschen, die der Meinung sind, dass psychische Erkrankungen keine echten Krankheiten seien. Wir alle kennen solche Sprüche. Wer das denkt, dem kann ich echt nur entgegen: Sie liegen völlig falsch. Psychische Erkrankungen, wie zum Beispiel Depressionen, sind keine bloße Traurigkeit, sondern ernsthafte Erkrankungen, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Besonders junge Menschen sind davon betroffen, und die Zahlen sind alarmierend. Studien zeigen, dass die Prävalenz von Depressionen bei Jugendlichen in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Wir als Politik und insbesondere als Landespolitik tragen hier natürlich eine Verantwortung dafür, an unseren Schulen für eine Kehrtwende einzutreten. Wir müssen sicherstellen, dass betroffene Menschen die Unterstützung erhalten, die sie benötigen, um mit psychischen Herausforderungen umzugehen und ein gesundes Leben zu führen. Die Bekämpfung von psychischen Erkrankungen bei jungen Menschen muss dabei einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen. Erstens müssen wir die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen bekämpfen. Zu oft werden zum Beispiel Menschen mit Depressionen stigmatisiert und missverstanden, was es für sie noch schwieriger macht, Hilfe zu suchen. Wir müssen eine Kultur der Offenheit und Akzeptanz schaffen, in der es für junge Menschen in Ordnung ist, über ihre Gefühle zu sprechen und Hilfe zu suchen, ohne Angst vor Ablehnung oder Diskriminierung zu haben. Der Kollege Jasper Balke hat es an dieser Stelle vor einem Monat auf den Punkt gebracht. Er hat gesagt: Wir müssen darüber sprechen, wir müssen den Mund aufmachen. – Dem stimme ich absolut zu. Zweitens müssen wir die Verfügbarkeit von psychologischer Unterstützung an unseren Schulen verbessern. Das ist auch eine zentrale Forderung aus dem Positionspapier, und ich stimme dem zu. Wir müssen schauen, wie wir es hinbekommen, mehr Stellen in das System zu bekommen. Drittens müssen wir in unseren Bildungseinrichtungen Programme zur Förderung der psychischen Gesundheit implementieren. Schulen sollten sich nicht nur darauf konzentrieren, Leistungen zu verbessern, sondern auch darauf, den Schüler_innen die Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, um ihre psychische Gesundheit zu stärken und mit Stress umzugehen. Dies kann durch Programme zur Förderung von Achtsamkeit, Stressbewältigung und sozialer Unterstützung geschehen. Die Ministerin (Malte Krüger) hat auf einige dieser Programme auch schon hingewiesen. Ich hatte hier letzte Woche Schüler_innen von einer Gemeinschaftsschule aus meinem Wahlkreis, und jede einzelne Gruppe hat mich gefragt, wieso die Schülerinnen und Schüler eigentlich nicht wie in den letzten Jahren bei den Prüfungen auswählen dürfen, was sie abwählen. Die Schülerinnen und Schüler argumentierten, dass sie ein Jahrgang seien, der so stark von Corona betroffen war wie kaum ein anderer. Dagegen lässt sich schwer argumentieren. Ich glaube, das Bildungsministerium muss bei den Abschlussprüfungen schauen, wie der Druck von den Schüler_innen genommen werden kann, (Beifall Beate Raudies [SPD]) die den Eindruck haben, dass sie durch Corona immer noch Aufholbedarf haben. Das muss natürlich nicht so sein wie in den letzten Jahren – da gibt es ja auch andere Wege. Die Pandemie mag vorbei sein, aber die Auswirkungen werden wir noch lange spüren. Ich habe als Lehrkraft in der Pandemie an einer Schule gearbeitet, der Kollege Martin Balasus auch – er nickt. (Sybilla Nitsch [SSW]: Ich auch! – Zuruf Martin Balasus [CDU]) – Sybilla Nitsch auch! – Entschuldigung, das wollte ich natürlich nicht unter den Teppich kehren. Also, allein schon wir drei können hier immer wieder von unseren Eindrücken erzählen. Eines der dunkelsten Kapitel aus dieser Zeit war der Suizid eines Schülers. Der Umgang mit einer solchen tragischen Situation ist alles andere als einfach. Es braucht eine gut aufgestellte Schulleitung, es braucht Empathie von allen Beteiligten. Auf eine solche Situation ist niemand vorbereitet, und gerade deshalb ist schnelle Hilfe notwendig. Ich möchte noch darauf verweisen, dass natürlich nicht jeder Suizid mit einer psychischen Erkrankung einhergeht. Das Problem ist deutlich komplexer. Ich möchte damit aber zum Ausdruck bringen, dass wir die Sorgen ernst nehmen, die im Positionspapier geäußert werden, weil wir wissen, was für eine Verantwortung wir gegenüber unseren Schüler_innen haben. Wir nehmen die Sorgen ernst, die im Positionspapier geäußert werden. Deshalb wollen wir das Thema im Ausschuss auch weiter behandeln, weil wir trotz einiger Erkenntnisse bei vielem noch im Dunkeln tappen. Hier müssen wir Erkenntnisse gewinnen, um auch die Forderungen des Positionspapiers besser bewerten zu können. Abschließen möchte ich mit einem Zitat aus dem Positionspapier, welches ich inhaltlich absolut teile: ,,Der Schutz der psychischen Gesundheit sollte unabhängig davon immer einen hohen Stellenwert haben, denn Gesundheitspolitik sollte keine bloße Bewältigungspolitik sein.“ Dahinter können wir uns, glaube ich, alle stellen. – Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU und FDP)

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