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Martin Balasus

CDU 23.02.2024 Sitzungen 20/53

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die vollkommen idyllische unbeschwerte Kindheit gibt es wohl höchstens noch bei Astrid Lindgren. Heute haben psychische Belastungen bei Kindern und Jugendlichen deutlich zugenommen. Dies bestätigte das Robert Koch-Institut im Nachgang der Coronapandemie. Aber nicht nur die Wissenschaft kommt zu diesem Ergebnis, auch die Betroffenen selbst. Just betonten Vertreterinnen und Vertreter der Landesschülerschaft, der Elternverbände sowie Schulpsychologen dieses dringende Anliegen. Sie trugen ihre Sorgen, ihre Hilflosigkeit und vor allem ihren Willen, etwas dagegen zu unternehmen, an uns heran. – Vielen Dank für diesen wertvollen Impuls. Die Landesregierung und wir Parlamentarier greifen ihn gerne auf. Schließlich ist es unser aller gemeinsames Anliegen, unseren Kindern zur Seite zu stehen und sie nicht alleinzulassen. (Beifall CDU und vereinzelt BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Die Studienlage zeigt, dass die Anzahl psychischer Erkrankungen bei jungen Menschen steigt. Laut des statistischen Bundesamtes waren im Jahr 2021 psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen die häufigste Ursache für eine stationäre Aufnahme im Krankenhaus. Dafür ursächlich waren jedoch sicherlich nicht nur die sozialen Einschränkungen mit Schulschließungen, Kontaktverboten, dem Ausfall von Vereinsleben sowie Feiern und so weiter während der Pandemie. Hinzu kommen noch andere weitere Faktoren: Mobbing auf dem Schulhof und vielleicht vor allem in den sozialen Medien. Der Ton, selbst unter Jugendlichen, ist da teils menschenverachtend – Inhalte viel zu häufig gewaltverherrlichend, sexistisch, rassistisch oder antisemitisch. Und den Schutzraum „Zuhause“ gibt es bei Cybermobbing nicht mehr, denn auch Kinder sind immer häufiger online. Außerdem bekommen auch unsere Kinder und Jugendlichen den traurigen Zustand unserer Welt mit – eine Welt mit Kriegen und noch mehr Umweltproblemen, eine Welt mit wachsender Kriminalität, mit Kinderpornografie, mit Missbrauch von Kindern, mit Gewalt gegen Kinder, selbst in Räumen, die einstmals als geschützt angesehen wurden. Entweder registrieren die jungen Menschen diese dunklen Seiten unserer Gesellschaft direkt – zum Beispiel über die Medien –, oder sie bekommen indirekt Informationen, weil in der Familie oder im Freundeskreis darüber gesprochen wird. Leider können Familien auch nicht immer den erforderlichen Rückhalt bieten, den ein junger Mensch braucht. Hohe Trennungsraten, beruflicher Stress und damit weniger Zeit für die Kinder haben Folgen. Wenn es denn überhaupt einen Freundeskreis gibt! Denn inzwischen gibt fast jeder Fünfte der zwischen 16‑ und 20‑Jährigen an, dass er sich sehr einsam fühlt. Kinder und Jugendliche reagieren auf die Verhältnisse in unserer Welt. Man könnte auch sagen, sie sind wie ein Seismograf für unsere Gesellschaft. Wenn etwas nicht stimmt, werden auch sie krank und depressiv, bekommen Schlaf- und Essstörungen. Sie ziehen sich sozial zurück, verletzen sich oder andere. Jedes dieser Symptome belastet auch die Familien. Dort steigt der Stress, was sich wiederum auf die Kinder auswirkt – ein Teufelskreis. Diesen Teufelskreis müssen und wollen wir durchbrechen. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Manches tun wir schon. Zu nennen sind das Sofortprogramm „Unterstützung von Kindern und Jugendlichen bei psychosozialen Folgen von Pande- (Martin Balasus) mie und Krisen“ mit 10 Millionen Euro für den schulpsychologischen Dienst und die Schulsozialarbeit, aber auch Programme wie „Aufholen nach Corona“ und PRO-Jung. Aber die Frage ist, ob das alles ausreicht. (Birte Pauls [SPD]: Nein!) Der nächste Punkt ist: Wir wissen einfach viel zu wenig. Warum steigen die Zahlen von psychisch belasteten junge Menschen weiter? Wie können wir Betroffene noch gezielter unterstützen? Wie können wir präventiv besser vorsorgen? – Also, wir müssen zunächst einmal mehr wissen. Wir wollen Fachleute hören, deren Vorschläge und im besten Fall deren Lösungsansätze. Das ist unser Ansinnen, das wir im Bildungsausschuss gerne vertiefen möchten. Denn solch eine gravierende Problematik löst man nicht mal eben, so nebenbei. Da schüttelt man keine Lösungen aus dem Ärmel. Wir brauchen Fakten, auf deren Basis wir fundierte Entscheidungen über Maßnahmen treffen können. Abschließend noch ein Zitat Astrid Lindgrens – ich zitiere mit Erlaubnis der Präsidentin –: „Zwei Dinge hatten wir, die unsere Kindheit zu dem machten, wie sie war – Geborgenheit und Freiheit.“ Beides – Geborgenheit und Freiheit – ist heute wichtig wie eh und je. Nur scheint da irgendwie etwas aus dem Lot gekommen zu sein. Zu viel oder zu wenig Geborgenheit und Freiheit kann zu folgenschweren Belastungen für unsere Kinder und Jugendlichen führen. Das müssen wir ändern. – Vielen Dank. (Beifall CDU und vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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