Beate Raudies
Für die Landesregierung erteile ich der Ministerin für Justiz und Gesundheit, Frau Dr. von der Decken, das Wort. Dr. Kerstin von der Decken, Ministerin für Justiz und Gesundheit: Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Die Landesregierung setzt sich mit Nachdruck dafür ein, gut ausgebildete Fachkräfte für die Gesundheits- und Pflegeberufe zu gewinnen und zu halten. Denn wir wissen alle: Eine qualitativ hochwertige und auch zukunftsfeste Versorgung ist nur dann gegeben, wenn in allen Bereichen gut ausgebildete Fachkräfte tätig sind. In Schleswig-Holstein sind mehr als 218.000 Menschen im Gesundheitsbereich beschäftigt. Mit einem Beschäftigungsanteil von rund 15 Prozent belegt unser Land damit einen bundesweiten Spitzenplatz. Aber wir wissen, dass die Gesundheits- und Pflegeberufe von einem Fachkräftemangel betroffen sind. Die demografische Entwicklung wird diesen Mangel weiter verschärfen und gleichzeitig den Bedarf an Fachkräften weiter steigen lassen. Da der Fachkräftemangel viele Berufe betrifft, hat das Land bereits 2012 die Fachkräfteinitiative Schleswig-Holstein ins Leben gerufen. Ziel der Fachkräfteinitiative, die stetig weiterentwickelt wird, ist die Entwicklung und Sicherung des Fachkräfteangebots in unserem Land. Im Zusammenhang mit der Fachkräfteinitiative wird auch ein Monitoring zu den Fachkräftebedarfen bewegt. So wurde 2018 die Fachkräfteprojektion 2035 vorgestellt, die zurzeit aktualisiert und ergänzt wird. Die Bundesagentur für Arbeit hat vor zwei Jahren, also 2022, eine Fachkräfteengpassanalyse vorgelegt, die auch viele Pflege- und Gesundheitsberufe umfasst. Angesichts des Fachkräftemangels speziell in den Gesundheits- und Pflegeberufen haben wir im Land bereits weitergehende Maßnahmen ergriffen und den bereits mehrfach angesprochenen Pakt für Gesundheits- und Pflegeberufe ins Leben gerufen. Er ist unter dem Dach der bereits existierenden Fachkräfteinitiative etabliert worden. Mit diesem Pakt haben wir eine neue Arbeitsstruktur geschaffen, um dem Fachkräftemangel gezielt und effizient entgegenzuwirken. Über Schnittstellen hinweg wirken wir mit anderen Häusern, mit Institutionen sowie mit Akteurinnen und Akteuren zusammen. Wir sammeln konkrete Themen. Diese werden in Arbeitsgruppen behandelt und Lösungen gemeinsam erarbeitet. Wegen seiner übergeordneten Bedeutung wird der Pakt über die Dauer der Legislaturperiode hinaus angelegt sein. Was tut der Pakt konkret? – Wir möchten die Bedingungen in Ausbildung und Studium weiter verbessern, um mehr Fachkräfte zu gewinnen. Auch die Weiterbildungsmöglichkeiten für bereits ausgebildete Fachkräfte möchten wir stärken, um damit einen Beitrag zu leisten, diese in den Berufen zu halten. Darüber hinaus möchten wir die Integration ausländischer Fachkräfte in die Gesundheits- und Pflegeberufe insgesamt weiter verbessern. Der Pakt soll aber auch dazu beitragen, eine valide Datengrundlage zu den aktuellen und künftigen Ausbildungs- und Fachkräftebedarfen in Gesundheits- und Pflegeberufen zu schaffen. Eine solche haben wir noch nicht in umfassendem Maße, auch weil es in Schleswig-Holstein in den Gesundheitsund Pflegeberufen keine Kammern gibt. Mein Haus führt bereits mit verschiedenen Akteurinnen und Akteuren intensive Gespräche, damit zum Thema Statistik- und Bedarfserhebung eine Arbeitsgruppe im Pakt etabliert werden kann. Schließlich fördern wir aus dem Versorgungssicherungsfonds seit Dezember 2023 ein Projekt der Universität Lübeck. Dort wird eine zentrale Koordinierungsstelle aufgebaut, die unter anderem eine umfassende Datengrundlage zur Hebammenversorgung erarbeiten wird. Meine Damen und Herren, wir sind bereits auf mehreren Ebenen aktiv, um nicht nur dem Fachkräftemangel in den Gesundheits- und Pflegeberufen entgegenzuwirken, sondern auch die Bedarfe noch weiter und besser auszuleuchten. Wir werden hieran mit allen Beteiligten weiterhin mit Nachdruck arbeiten. – Vielen Dank. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
