landtag.ltsh.de ↗

Nelly Waldeck

GRÜNE 21.02.2024 Sitzungen 20/51

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Immerhin ist die Stimmung wieder zurück; alle sind aufmerksam. Das ist doch schon einmal ein gutes Zeichen. Vielen Dank, Herr Minister, für Ihren Bericht. Die Mobilitätsgarantie ist für mich eines der wichtigsten neuen Projekte des Verkehrsbereichs im schwarz-grünen Koalitionsvertrag. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wir haben uns da wirklich Großes vorgenommen; das ist mir sehr klar. (Zuruf Christopher Vogt [FDP]) Ich freue mich gerade deswegen, dass wir heute darüber im Parlament diskutieren. Die Mobilitätsgarantie soll Verkehre von den Nutzerinnen und Nutzern aus denken und die Anbindung an den öffentlichen Verkehr überall und vor allem flexibel garantieren. Gerade für einen ländlich geprägten Raum wie Schleswig-Holstein ist eine solche Herangehensweise neu und eine riesige Herausforderung. Kollege Dürbrook, ich teile den Frust über den Bahnverkehr ganz klar und ausdrücklich. Ich sehe den. Aber deswegen zu sagen, wir beschäftigten uns nur noch mit dem Thema Bah“ und nicht mehr mit dem Thema on Deman“, mit Bus, Carund-Bikesharing, finde ich, ist auch kein richtiger Ansatz; denn die Probleme sind nicht nur das Geld, sondern auch der Fachkräftemangel, Baustellen, die übrigens über Jahrzehnte von anderen Fraktionen aufgebaut wurden. Zu sagen, wir beschäftigten uns nur noch mit der Bahn, ist, finde ich, der falsche Ansatz. Ich finde, wir sollten uns weiterhin mit beiden Bereichen auseinandersetzen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Durch die Mobilitätsgarantie sollen die schnellen und die flächendeckenden Verkehre klug miteinander verknüpft werden. Die schnellen Zug- und Busverbindungen werden aber nur von vielen genutzt, wenn die letzte Meile nach Hause, bis zum Ziel, gesichert ist. Die letzte Meile ist, wenn ich gerade in Haddeby und nicht in Kiel wohne, gern auch mal 20 Kilometer lang. Hierfür braucht es kluge Konzepte, die Mobilität neuer denken, als wir es bisher getan haben. On-Demand-Busse sind da ein Bestandteil. Bisherige Beispiele in Schleswig-Holstein zeigen deutlich, dass diese Formate ziemlich gut angenommen werden. Die Auslastungen bei remo oder dem DorfSHUTTLE in Süderbrarup sind enorm hoch und die Kapazitäten teils über Tage ausgelastet. Gerade der On-Demand Anbieter remo in Rendsburg auch, dass die digitale Bedarfserfassung gut funktioniert. So liegt die Auslastung der Fahrten eher bei zwei oder drei Personen als bei Einzelbuchungen. (Beifall Eka von Kalben [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Nicht selten, hat mir ein Fahrer berichtet, ist auch das gesamte Auto voll, vor allem wenn der Dorfshuttle abends vom Club Cheyenne nach Hause fährt. Dann ist das Auto meistens mit Personen, die alle unterschiedlich gebucht haben, voll besetzt. Das zeigt, dass die Idee der digitalen Bedarfserfassung funktioniert und wir On-Demand-Verkehr weiter verfolgen können. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) (Nelly Waldeck) Er ist aber nur die Ergänzung zu schnellen Linien. Vom Bahnhof nach Hause will man nur, wenn die Bahn auch fährt, und dafür brauchen wir beide Teile des Angebots. Keiner verzichtet aufs eigene Auto, wenn es zwar einen Abholservice gibt, aber die Bahn nicht fährt. Das haben wir in Zeiten der vielen Zugausfälle gemerkt. Dort wurde remo deutlich weniger verwendet. Die Mobilitätsgarantie muss über On-Demand-Verkehre hinaus verschiedene Angebote klug kombinieren. Ich glaube, dafür ist SMILE24 ein gutes Beispiel, denn oft denken wir den schnellen Bahnverkehr. Der On-Demand-Verkehr wird in einer anderen Region ausprobiert, in einer weiteren das Bike-Sharing. Das geschieht jetzt bei SMILE24 anders, und wir versuchen, alles in einer sehr kleinen Region gut zu kombinieren. Mit 37 Millionen Euro kann natürlich nicht davon gesprochen werden, dass wir das sofort auf alle anderen Regionen ausweiten, aber ich denke, es gibt gute Möglichkeiten, an Mitteln und Wegen zu arbeiten und ein realistischeres Angebot aufzustellen. Baden-Württemberg hat das getan. Die haben für ganz Baden-Württemberg eine Mobilitätsgarantie für etwa 240 Millionen Euro im Jahr aufgestellt. Das ist immer noch deutlich zu viel, aber BadenWürttemberg ist ja ein ganzes Stück größer als Schleswig-Holstein. So ein Projekt muss intensiv begleitet werden, es muss geprüft werden, wo wir das Geld am besten ausgeben. Dafür müssen wir einige Fragen an das Projekt SMILE24 stellen: Beispielsweise welche Angebote besonders gut angenommen werden, welche Kommunikation nötig ist, um überhaupt die Information über eine verbesserte Mobilitätslage zu verbreiten, welche Entfernung zu einer Haltestelle noch akzeptabel ist oder welche Bedienformen bevorzugt werden, feste oder flexible Bedienlinien. 2Es ist sehr wichtig, dass wir uns dieses Modellprojekt ansehen und eine grundlege Evaluation vornehmen, damit wir unser Geld, was gerade sehr knapp ist, sinnvoll investieren können. Der erste Schritt ist genau dieser Gesamtüberblick. Auch die NAH.SH Plus App, die wir bisher schon geschaffen haben, kann, wenn sie weiter ausgeweitet wird und alle Angebote umfasst, einen wichtigen Beitrag dazu leisten, damit man alle Angebote, die es im Land gibt, auf einen Blick hat. Ich denke, das ist ein ganz wichtiger Schritt. Das heißt, mit der NAH.SH Plus App sind wir einen wichtigen Weg gegangen. Wir rollen die On-Demand-Verkehre langsam aus. Das sind die konkreten Verbesserungen. Ansonsten warten wir, was uns das Modellprojekt in der Schlei-Region für Erkenntnisse bringt. Insofern bedanke ich mich für den Bericht, und wir arbeiten weiter an dem langfristigen Ziel. – Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU)

Alle Reden von Nelly Waldeck Protokoll ↗