Annabell Krämer
Sehr geehrte Frau Präsidentin! 2005 als Tochterunternehmen des UKSH gegründet, mittlerweile 2.000 Mitarbeiter. Wie heißt es so schön auf der Seite? Die Servicestelle Nord bietet „ein breit gefächertes Spektrum … von Dienstleistungen … Wir wollen, dass die Patienten gesund werden! Deshalb sorgen wir an den Standorten Kiel und Lübeck dafür, dass Ihr Aufenthalt so angenehm wie möglich ist“. Wir hörten es bereits. Sämtliche Leistungen außerhalb der – so nenne ich es einmal – originären gesundheitlichen Versorgung werden von den Mitarbeitern der Service Stern Nord erbracht. Folgendes passt eigentlich recht gut. Ich war vorletztes Wochenende im Krankenhaus und habe eine Freundin besucht. Ich war auf dem Weg, auf dem Flur. Als Erstes sagte eine freundliche Mitarbeiterin zu mir: „Möchten Sie eine Vase für Ihre Blumen?“ – Ich sagte: „Oh ja, danke.“ – „Wasser gebe ich Ihnen.“ Ich bin im Zimmer gewesen. Wir saßen längere Zeit. Das Abendessen kam. Da fragte mich die nette Servicekraft: „Darf ich Ihnen auch eine Tasse Tee bringen?“ Liebe Kolleginnen und Kollegen: Diese Menschen tragen erheblich zur Genesung der Patienten bei. Ich musste vor zwei Jahren leider selber aufgrund eines Bandscheibenvorfalls ein paar Tage im Krankenhaus verbringen. Ganz ehrlich: Das waren so ziemlich die einzigen Sozialkontakte, die ich hatte, als ich da mit einem Mal lag. (Beifall ganzes Haus) Diese Menschen, sei es die Reinigungskraft, die Person, die Essen bringt, seien es die Menschen, die ihren Job gern machen, haben trotz des Termindrucks Zeit für freundliche Worte, auch wenn der Arzt nur eine kurze Visite macht, nur zwei Minuten vorbeiguckt und dann wieder weg ist. Bei der Pflege bemängeln wir immer, dass die Menschen keine Zeit haben. Es gibt viele Menschen, die keinen Besuch bekommen. Onlinebewerbungsprotale für Arbeitgeber. Weiterempfehlungsquote dieses Arbeitgebers: aktuell 29 Prozent. Was wird meistens bemängelt? – Wir haben eine Zweiklassengesellschaft durch AltUKSH-Beschäftigte und uns. Ich beschreibe Ihnen einmal die aktuelle Stellenausschreibung für eine Diätassistenz: abgeschlossene Berufsausbildung, am besten abgeschlossenes Studium Bachelor of Science Diätetik, alternativ abgeschlossenes Studium der Ökotrophologie mit entsprechender Qualifizierung in der Ernährungsberatung, selbstverständlich Schichtarbeit, Eingruppierung Entgeltstufe E 7 im hauseigenen Tarifvertrag. Wer es nicht weiß, dem sage ich es: Das sind 17,05 Euro brutto. Ein weiteres Beispiel – dieses merken Sie sich jetzt bitte einmal –: Unterstützung des Fachpersonals auf der Intensivstation, Erfahrungen in der Pflege erwünscht, Verwaltung des Verbrauchmaterials, selbstverständlich Schichtarbeit, Eingruppierung E 4, 13,73 Euro die Stunde. 13,73 Euro, dazu komme ich später, in Hamburg sind das 16,58 Euro. Der Haustarifvertrag, der über drei Jahre läuft, läuft zum 31. März 2024 aus. Sie wissen alle: Es laufen aktuell Tarifverhandlungen. Obwohl dieser jährliche Anpassungen in diesen drei Jahren in den einzelnen Einstufungen vorsah, hat die Entwicklung des Mindestlohnes diesen längst überholt. Schauen wir auf die aktuelle Stellenausschreibung für eine Verpflegungsassistenz Patienten mit E‑3- Einstufung. Gemäß laufendem Tarifvertrag war eine Einstiegsvergütung mit 12,59 Euro vorgesehen. Die tatsächliche Ausschreibung erfolgt zu 13,50 Euro, denn die tariflich vorgesehenen 12,59 Euro würden ab 1. Januar 2025 unterhalb des dann geltenden Mindestlohns von 12,82 Euro liegen. Letzte Woche traf ich die sechzehnjährige Freundin meiner Tochter bei einem bekannten Discounter. Sie erzählte mir stolz, dass sie jetzt anfangen würde, an zwei Tagen nach der Schule zu jobben. Dann sagte sie: Annabell, das ist doch klasse, oder? 14 Euro die Stunde, ab 18 Uhr 20 Prozent Zuschlag. – Das sind 16,80 Euro die Stunde, mit 20 Prozent Schichtzulage – als ungelernte Kraft. Ich erinnere an die gesuchte Serviceassistenz im Intensivbereich, gerne mit Pflegeerfahrung. Das Einstiegsgehalt liegt bei 13,73 Euro, die Abendzulage (Annabell Krämer) beträgt hier 25 Prozent. Ich zitiere noch einmal die Servicegesellschaft: „Hand in Hand mit Pflege und Medizin meistern wir jede neue Aufgabe und freuen uns über den kontinuierlichen Fortschritt der medizinischen Versorgung … Genau wie Ärztinnen und Ärzte … haben wir ein Ziel: Wir möchten, dass die Patientinnen und Patienten gesund werden, und sorgen auf den Campi Kiel und Lübeck dafür, dass ihr Aufenthalt so angenehm wie möglich ist.“ Das machen diese Menschen Tag für Tag. Wer die letzten Jahre mal im Krankenhaus sein musste, weiß diese Arbeit wirklich zu schätzen. Ich finde, es wird wirklich Zeit, dass wir diese in den TV‑L einbinden. (Beifall FDP, SPD und SSW) Hamburg hat es übrigens geschafft. Da gilt der TVöD, da gibt es auch nicht die Probleme mit den einzelnen Stufen, Herr Kollege Petersdotter. Ich erkenne die Probleme definitiv an, aber die sollten wir angehen. Das darf kein Hinderungsgrund sein, wirklich nicht. Hier hat der Mensch im Vordergrund zu stehen, und da müssen wir unsere Arbeit machen. Hamburg hat es vorgemacht: Dort sind alle anständig in den TVöD eingebunden. Bei uns wäre es der TV‑L. Zur Aufsichtsratszustimmung: Jeder Aufsichtsrat muss ökonomisch handeln, das ist richtig, aber er muss langfristig ökonomisch handeln. Wenn Ihnen die Leute weglaufen, dann haben Sie gar nichts mehr. (Beifall FDP, SPD und SSW) Dann arbeiten Sie mit Zeitarbeitsfirmen. Wie oft hat uns Herr Scholz vom UKSH gesagt, wie teuer Zeitarbeitsfirmen sind? Wie teuer sind diese Menschen? Und die haben noch einen anderen Druck. Ganz ehrlich: Was geht schneller, wenn ein Mensch einen Tag früher aus dem Krankenhaus kommt, weil er genesen ist?
