Martin Habersaat
Dann stehen Sie also dazu, dass Sie sagen, das Thema „Hochschulen und Strategie“ war in der Priorität nicht so hoch angesiedelt, dass es in den letzten zwei Monaten hätte besprochen werden sollen? – Herr Habersaat, das ist doch Augenwischerei. Wir haben hier gerade das Gutachten des Wissenschaftsrats, das vor zweieinhalb Jahren in Auftrag gegeben worden ist. Das ist doch ein Zeichen dafür, dass wir uns den Wissenschaftsstandort ganz genau anschauen wollen, um ihn eben nachhaltig aufzustellen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Ich will gar nicht so sehr darauf eingehen, was alles in dem Bericht steht, denn vieles davon wurde schon erwähnt. Ich will aber eine Sache noch herausgreifen. Dort geht es auch um Studium, Lehre und Forschung. Der Wissenschaftsrat sieht da eine gezielte Weiterentwicklung und Profilierung. Das ist mir wichtig, weil wir in der Politik oft über Exzellenzen reden. Die sind auch wichtig. Es ist auch schade, dass unsere Antragsskizzen für die Exzellenzcluster es nicht geschafft haben. Allerdings sind auch die Basics wie Studium, Lehre und Forschung wichtig, und sie müssen weiterentwickelt werden, damit wir unseren Wissenschaftsstandort nachhaltig ausbauen können. Jetzt ist die Frage, wie es weitergeht. – Die Ministerin hat angekündigt, dass es Arbeitskreise mit den Hochschulen geben und sich systematisch an eine Auswertung gesetzt wird. Das ist gut so. Ich glaube, wir können aus dem Gutachten des Wissenschaftsrates viel für den Hochschulstandort lernen und natürlich kurzfristige und auch langfristige Maßnahmen dazu entwickeln. Es darf nun aber nicht die Erwartung bestehen: Jetzt ist das Gutachten da, und morgen sind alle Probleme gelöst. – Das wird der Sache, meine ich, nicht gerecht. Aber ich habe natürlich auch ein paar Wünsche. Erstens. Natürlich wünsche ich mir für die Universitäten und Fachhochschulen, wenn wir wieder finanzielle Spielräume haben, eine Erhöhung des Pools für Ermäßigungsstunden oder eine generelle Absenkung der Lehrverpflichtung. Momentan ist das aber nicht finanzierbar. Zweitens. Ich halte die Idee einer Landestransferstrategie, welche im Gutachten des Wissenschaftsrates genannt wird, für ausgesprochen gut. Wir wissen doch in unserer aktuellen Lage, dass diejenigen Handlungsfelder zwischen den Ministerien oder Ausschüssen, zwischen unseren Zuständigkeiten, die Felder sind, bei denen wir noch viel Potenzial haben. Denken Sie an den Übergang von der Kita in die Schule, an Energie und Wirtschaft oder an die Schnittstelle zur Digitalisierung. Das ist an und mit unseren Hochschulen nicht anders. Umso mehr macht es Sinn, sich eine Landestransferstrategie als Ziel zu setzen. Das passt übrigens auch sehr gut zu unserem ersten Satz im Hochschulbereich im Koalitionsvertrag, wo wir auf genau diese Transformationsbewegung, die wir in unserer Gesellschaft haben, eingehen und Sachen fordern. Drittens. Im Gutachten steht, die Hochschulen sollten sich zu Einrichtungen lebenslangen Lernens (Malte Krüger) weiterentwickeln. Das steht auf Seite 10. Ich finde, das sollten wir landespolitisch begleiten, weil es die Realität doch trifft: Viele Menschen arbeiten nicht mehr 40 Jahre in einem Beruf, sondern wollen sich noch einmal weiterqualifizieren, umorientieren oder aus ganz anderen Gründen an einer Hochschule Wissen erlangen. Lebenslanges Lernen wollen wir ja auch bei unseren Lehrkräften. Da ist es doch nur folgerichtig, wenn wir uns an unseren Hochschulen dementsprechend aufstellen, dass es gelebt wird. Viertens. In § 54a Absatz 4 Hochschulgesetz wurde sich in der letzten Legislatur auf eine Evaluation nach der Gründung des Promotionskollegs verständigt. Der Wissenschaftsrat empfiehlt eine Abkehr von dieser Evaluation, weil zwischen 2017 und 2023 keine Weiterentwicklung des Kollegs stattgefunden habe. – Hier bin ich etwas anderer Meinung als der Wissenschaftsrat. Ich glaube, es ergibt keinen Sinn, dass wir warten, bis etwas passiert. Ich glaube, wir müssen eher herausfinden, warum keine Entwicklung stattgefunden hat. Dafür brauchen wir eine Evaluation. Das ist mein Wunsch. (Vereinzelter Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ich bin der Überzeugung, dass das Promotionskolleg eine Möglichkeit bieten kann, die landesweit vorhandenen Kompetenzen zusammenzuführen. Dafür lohnte sich auch ein Blick nach Nordrhein-Westfalen, wo diesbezüglich schon viele Erfahrungen gemacht worden sind. Diese Erfahrungen aus anderen Bundesländern können wir uns bei dem Thema für einen nachhaltigen Wissenschaftsstandort Schleswig-Holstein zunutze machen. Der Wissenschaftsrat stellt fest: Das Hochschulsystem bleibt hinter den Möglichkeiten zurück. Wir haben an den Hochschulen eine zu komplexe Struktur und ungenutzte Synergiepotenziale. Es ist also viel zu tun, aber genau diese Hausaufgaben wollten wir ja bekommen, um das System weiterzuentwickeln. Dafür sind wir dankbar. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU)
