Sybilla Nitsch
Geehrte Präsidentin! Liebe Kollegen, liebe Kolleginnen! Ein paar sind ja noch da. Mit der Tourismusstrategie der Küstenkoalition wurde seinerzeit der Grundstein für eine neue Tourismusoffensive gelegt; das haben wir hier jetzt schon ein, zwei Mal gehört. Wie wir heute wissen, hatte die einen durchschlagenden Erfolg: 30 Millionen gewerbliche Übernachtungen, ein Umsatzplus von 30 Prozent und Top‑3-Bundesland bei der Gästezufriedenheit von Deutschlandurlaubern. Bereits vor Ablauf der gesteckten Zeit waren die Ziele erfüllt. Erfolg schafft Neider, wissen wir. Anders gesagt: Auch andere Bundesländer haben natürlich seitdem erkannt, was bei uns richtig gut läuft, und haben dementsprechend nachjustiert. Da ist für uns klar: Wenn wir in diesem Konflikt oder auch Wettbewerb nicht weiter abgehängt werden und unsere Entwicklung fortsetzen wollen, müssen wir nachlegen. Zu jeder guten Strategie gehören ein umfassendes Monitoring und eine umfangreche Evaluation. Daher war für uns frühzeitig klar, dass in Teilen der Strategie 2025 nachgesteuert werden muss. Die Tourismusstrategie 2030 ist nun das Ergebnis dieser gewonnenen Erkenntnisse; deren Ergebnisse liegen seit Ende des letzten Jahres vor. Der vorliegende Bericht versucht nun deutlich zu machen, wo die Schwerpunkte der Strategie sind. Natürlich haben wir alle die Strategie sehr intensiv gelesen; leider muss man ja sagen: In den letzten eineinhalb, zwei Jahren wurde das leider nicht so oft thematisiert. Aus den bestehenden zehn Handlungsfeldern wurden speziell vier herausgearbeitet und als priorisierte Handlungsfelder festgelegt. So weit, so gut. Diese Ergebnisse haben wir also aus den Empfehlungen des Gutachters „Projekt M“ bekommen. Für alle Handlungsfelder gilt: Sie werden kontinuierlich (Sybilla Nitsch) überprüft, nachjustiert und fortgeschrieben. Das ist ein ganz normaler Ablauf. Um sich nicht zu verzetteln, auch vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage, machen natürlich Schwerpunktsetzungen irgendwo Sinn, aber kein Feld soll verlorengehen und geht auch nicht verloren. Der Bericht zeigt, dass einiges in Gange ist. Ja, okay. Insbesondere die Handlungsfelder Marketing sowie Strukturen und Kooperation sind Grundvoraussetzung und daher natürlich unbedingt umzusetzen. Die Handlungsfelder Mitarbeitendengewinnung und ‑bindung sowie die Tourismusakzeptanz wurden von den Praktikern ausgewählt. Da begrüßen wir als SSW besonders, dass der bezahlbare Wohnraum für Beschäftigte im Tourismus prioritär aufgenommen wurde. Wir können den Tourismus nicht nach oben treiben und die Angestellten dabei außer Acht lassen. Kommunen und insbesondere Betriebe müssen hier weiter und stärker Verantwortung übernehmen. Nicht ganz nachzuvollziehen ist für mich die Aussage im Bericht zum „Leitfaden Mitarbeitendengewinnung und ‑bindung“. Demnach sehen die Akteurinnen und Akteure die Umsetzung des Leitfadens als nicht mehr erforderlich an, er sollte daher nicht weiterverfolgt werden. Angesichts des flächendeckenden Arbeits- und Fachkräftemangels wundert mich diese Aussage doch sehr. Zumal in dem gemeinsamen Schreiben der IHK, der DEHOGA und des Tourismusverbands Schleswig-Holstein – der Kollege Buchholz nannte es bereits – auf diesen brisanten Punkt explizit hingewiesen wurde. Es wurde darauf hingewiesen, dass das in der Umsetzung unabdingbar ist. Da klafft zwischen dem Ministerium und den Verbänden etwas grundlegend auseinander. Das könnte man im Ausschuss näher erörtern. Ich empfehle da, noch einmal in die Gespräche zu gehen. Noch einmal zurück zu dem Schreiben der drei Verbände: Andere Bundesländer haben nachgelegt, und wenn wir Schleswig-Holstein weiterhin erfolgreich als Tourismusverband vermarkten wollen, dürfen wir nicht in die Politik der ruhigen Hand gehen und sagen: „Läuft alles schon, kriegen wir gut hin“, sondern wir müssen die Akteure in ihrer Arbeit stärken. Daher kann ich hier schon einmal sagen, dass wir als SSW das Ansinnen der drei Verbände begrüßen und ganz grundsätzlich unterstützen. (Beifall FDP, Christian Dirschauer [SSW] und Thomas Hölck [SPD]) Dass die erfolgreiche Tourismusstrategie auch Probleme mit sich bringt, wird gerade an den Hotspots deutlich. Die Tourismusdirektoren im Land teilen uns mit, dass sie die Probleme und auch die Herausforderungen erkennen und ganz klar an Standards für den Qualitätstourismus arbeiten. Nicht nur, dass mit dem Andrang die Infrastruktur kaum hinterherkommt, es kann halt auch zu einer extremen Belastung für die Wohnbevölkerung werden. Deswegen ist überall hoher Handlungsbedarf. Tourismus hat nun einmal nicht den Stellenwert wie eine Northvolt-Ansiedlung, sodass einem mal eben die Straßen und verschiedenen Anbindungen gebaut würden. Das heißt, hier ist es umso wichtiger, dass die Branche zusammenhält und wir als Politik das so gut wie möglich stützen. Daher bin ich der Meinung, dass es richtig gut ist, wenn wir uns mit dem Thema „Tourismusbewusstsein und ‑akzeptanz“ in der Strategie beschäftigen. Ohne die Menschen vor Ort funktioniert der Tourismus eben nicht. Abschließend gehe ich kurz auf den Antrag der Koalition ein. Kurz reicht hier eigentlich auch aus, denn ich frage mich: Was ist eigentlich der Mehrwert dieses Antrags? – Haben Sie schon einmal auf der Seite 11 nachgelesen, wo die Eckpunkte der Strategie stehen? Da wird festgelegt, dass Nachhaltigkeit als eine Leitmaxime in der Tourismusstrategie verankert ist. Also, liebe Leute, für mich ist das ein netter Versuch, sich mit der Nachhaltigkeit schmücken zu wollen und dann im letzten Satz noch einmal schnell die Biodiversitätsstrategie mit einzupflegen. Es tut mir leid, aber wir werden diesem Antrag nicht zustimmen, weil wir sagen: Das ist ja schon in der Strategie. Die Umsetzung der Tourismusstrategie 2030 mit ihren entsprechenden Handlungsfeldern hat Priorität und nicht der Antrag der Koalition. – Vielen Dank. (Beifall FDP und Christian Dirschauer [SSW])
