Silke Backsen
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Auch von unserer Seite erst einmal vielen Dank für den vorgelegten Bericht. Sei es an den weiten Sandstränden in Sankt Peter-Ording, auf unseren Inseln in der Nord- und Ostsee, in der Geltinger Birk, auf Fehmarn, in der Holsteinischen Schweiz oder im Auenland nördlich von Hamburg – die Menschen reisen in den Norden, weil sie hier eine unvergleichliche Natur vorfinden, weil sie im Wind an den Küsten und in der Abgeschiedenheit des Binnenlandes dem hektischen Alltag und der manchmal drückenden Hitze der Großstädte entfliehen können. Wir alle hier in Schleswig-Holstein können das gut verstehen, denn wir leben nicht ohne Grund im schönsten Bundesland zwischen den Meeren. Und ja, wir wollen über unsere Stärken im Land reden. Ich glaube, das ist irgendwie falsch verstanden worden, oder es ist ein falscher Satz besonders betont herausgenommen worden. Wir wollen über diese Stärken reden und sie nach vorn stellen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Der Tourismus in Schleswig-Holstein hat eine große wirtschaftliche Bedeutung, und wir alle betonen dies auch immer wieder. Gleichzeitig sind der Tourismus und alle angeschlossenen Betriebe aber auch ein entscheidender Faktor für die Lebensqualität unserer Gäste hier im Land. Deswegen dürfen wir nicht versäumen, jetzt die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen – für eine nachhaltige Transformation auch und gerade in diesem Sektor, bezogen (Silke Backsen) auf die ökonomischen, sozialen und ökologischen Aspekte. Wir brauchen weniger Fokus auf das reine Marketing, und dafür mehr qualitative Entwicklung der Destinationen. Wir brauchen eine ökonomische touristische Entwicklung, die nicht ausschließlich auf das Wachstum ausgerichtet ist. Und wie wir gerade schon gehört haben, müssen wir die Menschen vor Ort mitnehmen – das wissen wir alle – und für mehr Tourismusakzeptanz sorgen. Ende des Jahres soll es daher vom Ministerium einen Leitfaden geben, der die inhaltlichen Aspekte einer Fachtagung vom Dezember 2022 vertieft. Außerdem –das sollte allen bekannt sein, denn wir haben es schon mehrfach gehört – müssen wir uns darum kümmern, mehr Mitarbeitende für diese Branche zu gewinnen, und das zu fairen Bedingungen. Deshalb sind zwei der priorisierten Handlungsfelder – auch das haben wir schon gehört – Mitarbeitendengewinnung und -bindung sowie Tourismusbewusstsein und -akzeptanz. Es gibt schon sehr viele gute Beispiele im Land: Der deutsche Nachhaltigkeitspreis für Beherbergung ging im letzten Jahr an Janbecks FAIRhaus im Kreis SchleswigFlensburg. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Im Bereich Housekeeping bedeutet das, dass ein Betrieb ökologisch verträglich, ressourcenschonend und sozial fair geführt wird. Das ist vorbildhaft und wirklich großartig. Genau hier müssen wir viel mehr unterstützen und dafür sorgen, dass die Erkenntnisse und das Wissen über alle Handlungsfelder hinweg transferiert werden. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU) Nachhaltiger Tourismus bedeutet aber auch, sich auf die Folgen des Klimawandels einzustellen. Wie sehr uns dieses Thema herausfordern wird, konnten wir im Oktober 2023 an der Ostseeküste auf dramatische Weise beobachten. Die Sturmflut hat einen Großteil der touristischen Infrastruktur einfach weggespült und viele Betriebe in eine wirklich sehr ernste Lage gebracht. Extremwetterereignisse und Sturmfluten wie diese werden zunehmen – das ist gewiss. Deshalb rückt das Thema Klimawandelanpassung in den Fokus. Was bedeutet nachhaltiger Tourismus eigentlich noch? – Er bedeutet auch, den Bereich klimafreundlicher Mobilität endlich ganzheitlich zu denken. Wer einmal versucht hat, Sankt Peter-Ording oder Kappeln von Hamburg aus mit dem Zug zu erreichen, der wird niemandem mehr einen Vorwurf machen, der sich doch lieber für das Auto entscheidet. Wir müssen hier wirklich ernsthaft buchstäblich neue Wege finden und dieses Thema anpacken. Zur touristischen Profilierung dieses Landes werden unter anderem die beiden freizeitorientierten Kernthemen Naturerlebnis und maritimes Erlebnis in den Mittelpunkt gestellt. Sie haben aber auch eine starke naturschutzorientierte Komponente, denn Natur und Meer können wir nur nutzen und erleben, wenn wir sie schützen. (Unruhe) Die letzte Landesregierung hat mit der Tourismusstrategie 2030 einen Kurs abgesteckt, der uns in die richtige Richtung zu einem Tourismus führt, der die sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Dimensionen gleichwertig berücksichtigt.
