Claus Ruhe Madsen
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Noch in der letzten Legislaturperiode – im Jahr 2022 – wurde die Tourismusstrategie 2030 verabschiedet. Wie der Name schon sagt, ist die Strategie auf langfristige und strukturelle Verbesserungen angelegt – bis zum Jahr 2030. Trotzdem können wir heute, knapp zwei Jahre nach der Verabschiedung, schon einige To-dos abhaken. Im November haben wir das Umsetzungsmanagement an die TA.SH übergeben. Das war ein wichtiger Schritt, um die Umsetzung voranzutreiben. Bis dahin haben das meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusätzlich gemacht, und sie haben großartige Arbeit geleistet. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Sybilla Nitsch [SSW]) Wir haben alle möglichen Lösungen geprüft, auch vor dem Hintergrund der Haushaltssituation. Schließlich haben wir uns im Steuerungskreis einstimmig auf die TA.SH geeinigt. Es waren also alle wesentlichen Tourismusakteure in diese Entscheidung einbezogen. Und ja, das hat etwas Zeit in Anspruch genommen. Uns war aber wichtig, hier gemeinsam zu der besten Entscheidung zu kommen. Ich bin überzeugt, dass die TA.SH diese Aufgabe gut erfüllen wird und auch die geforderte Oberlehrerrolle – wenn nötig – einnehmen kann. Natürlich kann es hier und da zu Interessenkonflikten kommen, aber wir haben alle Vor- und Nachteile aller möglichen Konstellationen durchgeprüft, und die TA.SH ist die beste Lösung. Das Umsetzungsmanagement wird innerhalb der Organisation das größtmögliche Maß an Freiraum haben. Auch das war allen Beteiligten wichtig und wird auch so gemacht. Nachdem jetzt also das Technische erledigt ist, können wir uns jetzt umso mehr auf das Inhaltliche konzentrieren. Wir haben uns mit der Tourismusstrategie das Ziel gesetzt, den Tourismus im Land qualitativ und nachhaltig zu entwickeln und weiter nach vorn zu bringen. Natürlich freuen wir uns über gute Zahlen, aber es geht nicht mehr allein um den nächsten Rekord bei den Übernachtungen. Es geht um Tourismus, der für Gäste, Einheimische, Fachkräfte, Natur und Land verträglich ist. Das Ganze ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen erreicht wird und der viel Kommunikation und Zusammenarbeit im ganzen Land und mit vie- (Minister Claus Ruhe Madsen) len Akteurinnen und Akteuren erfordert. Ob mit oder ohne Umsetzungsmanagement – wir mussten und müssen die Aufgaben priorisieren. Wir haben zunächst die Handlungsfelder 1, 6, 8 und 9 vorrangig umgesetzt. In den Handlungsfeldern 1 und 6 geht es um Marketing, Strukturen und Kooperationen, also grundlegende Aufgaben, die auch für die anderen Handlungsfelder entscheidend sind. Wir haben hierfür beispielsweise schon die Schärfung der Aufgabenprofile aller Akteure im touristischen System veranlasst. Die Handlungsfelder 8, Mitarbeitergewinnung, und 9, Tourismusakzeptanz, wurden von der Branche als drängendste Themen benannt. Das heißt aber nicht, dass die anderen Themen hinten runterfallen. Wir haben überall schon erste Projekte angestoßen. Die Weiterentwicklung einer touristischen Landesdatenbank ist in Arbeit. Wir haben Qualitätsstandards für Radtourismus definiert und veröffentlicht. Das ist die Grundlage, um Qualitätsradrouten zu entwickeln. Den Start macht der Ochsenweg. In der Lübecker Bucht gibt es dieses Jahr ein Pilotprojekt des Tourismusverbandes Schleswig-Holstein, bei dem ein übergreifendes Mobilitätskonzept für alle Arten der Fortbewegung getestet werden soll. Das Projekt Labtour testet Möglichkeiten des digitalen Besuchermanagements. Neue Modelle für bezahlbaren Wohnraum sind bereits in der Bearbeitung. Mit dem neuen Leitfaden für Tourismusakzeptanz werden wir den Tourismusakteuren helfen, die einheimische Bevölkerung mehr einzubinden. Das ist ein nicht zu unterschätzender Faktor. Eine Studie in Scharbeutz aus dem Jahr 2022 hat ergeben, dass Einheimische das große Gastronomieangebot sehr wohlwollend betrachten, sich aber gleichzeitig auch mehr Kultur und Veranstaltungen wünschten. Gleichzeitig beschweren sie sich aber auch darüber, dass dort zu viele Gäste sind. Ohne den lieben Bürgerinnen und Bürgern von Scharbeutz zu nahetreten zu wollen: Vermutlich gibt es das gute gastronomische und das gute kulturelle Angebot, (Sandra Redmann [SPD]: Bitte? – Heiterkeit) weil es dort viele Gäste gibt. Genau das muss man reflektieren und miteinander in Einklang bringen. Ich selber habe es erlebt, in einer Gemeinde mit genau zwölf Einwohnern zu leben, in der es aber im Sommer mehr als 1.000 Feriengäste gab. Das führte dazu, dass wir einen kleinen Brugsen – einen kleinen Kaufmann –, einen Friseur, ein Postamt und eine Bushaltestelle hatten. All das hätten wir sicherlich nicht für zwölf Einwohner gehabt. Deswegen muss man auch schauen, dass man die Vorteile des Tourismus sichtbar macht. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Das war sicherlich ein Applaus für diese kleine Gemeinde. Im Übrigen ist der Friseur gleichzeitig der Postbeamte dort gewesen, ganz interessant. (Birgit Herdejürgen [SPD]: Welche Gemeinde ist das? – Zuruf Niclas Dürbrook [SPD]) – Das ist Sönder Nissum. Aber ich habe in Fjand gelebt, und da gibt es nur zwölf Einwohner. Weiter westlich kommt man in Dänemark nicht mehr, es sei denn, man riskiert nasse Füße. (Dr. Kai Dolgner [SPD]: Briefe schreiben während des Friseurbesuchs!) – In der Tat, Post abgeben und Haare schneiden war dort im gleichen Lokal möglich. (Dr. Bernd Buchholz [FDP]: Ich möchte es mir nicht vorstellen!) Wir planen eine Wissensplattform wie im Antrag angesprochen. Ursprünglich war sie nur für das Handlungsfeld 9 vorgesehen. Aber es ist in der Tat sinnvoll, sie auf die gesamte Strategie auszuweiten. Das werden wir machen. Das ist auch ein gutes Beispiel dafür, dass diese Strategie nicht in Stein gemeißelt ist. Wir werden es immer wieder erleben, dass sich ein Leitprojekt erledigt und dafür an anderer Stelle ein neues hinzukommt. Wir haben es hier mit einem dynamischen Prozess zu tun und werden die Strategie immer wieder überprüfen, nachjustieren und fortschreiben. Das ist auch zwingend notwendig, denn es kann immer wieder zu Ereignissen kommen, die uns im Tourismus beschäftigen und zum Umplanen zwingen. Die Sturmflut im Oktober 2023 ist das beste Beispiel dafür. Akut stellt das Land Mittel für Soforthilfen in Höhe von 140 Millionen Euro zur Wiederherstellung der kommunalen Infrastruktur zur Verfügung. Die Ereignisse zeigen aber auch, dass wir einen stärkeren Fokus auf die Sicherung der touristischen Infrastruktur infolge von Naturereignissen legen müssen. Hier wird sich ein verstärkter Handlungsbedarf ergeben. Ich bin sicher, dass wir mit der TA.SH als Umsetzungsmanagerin und den vielen Akteuren an unserer Seite den Tourismus in die richtige Richtung weiterentwickeln können und werden. Das ist (Minister Claus Ruhe Madsen) ein langer Prozess, aber Gäste, Einheimische, Fachkräfte, Natur und Land werden es uns am Ende danken und weiterhin das schönste Bundesland genießen. – Vielen Dank. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
