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Dr. Kai Dolgner

SPD 25.01.2024 Sitzungen 20/49

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich bin zumindest examinierter Strahlenschützer. – Heute Morgen hat der Kollege Junghans von der CDU gesagt – wenn auch nicht wörtlich –, wenn man jenseits der Fakten an etwas festhält, dann ist das Fundamentalismus. (Zuruf Rasmus Vöge [CDU]) Es ist übrigens relativ egal, ob das 30 oder 31 Länder tun. Die Fakten sprechen eine ziemlich eindeutige Sprache. Sie können das gerade heute Morgen im Spiegel wieder nachlesen. Rechnen Sie Pfund in Euro um, kommen Sie dazu, dass der neue Reaktor in Großbritannien vermutlich um 50 Milliarden Euro kos- (Dr. Kai Dolgner) ten wird – bei einer installierten Leistung von 3,2 Gigawatt. Ich betrachte das völlig unabhängig davon, ob wir die Endlagerproblematik gelöst haben, die Kosten auf Millionen Jahre rechnen und so weiter; das ist eine interessante Barwertrechnung. All das lassen wir außen vor. Wir kommen dann auf 16 Milliarden Euro pro installierter Gigawattleistung, 16 Milliarden Euro pro Gigawatt. Ich nehme einmal die Onshore-Windenergie. Die Windräder können Sie übrigens wieder abbauen. Ja, es gibt ein paar Probleme mit den Rotorblättern. Aber wenn Sie fragen: „Wollen Sie im Hinterhof lieber Rotorblätter oder Atomabfälle haben?“, wäre die Antwort eindeutig. Ich lasse auch das einmal außen vor. Was schätzen Sie, was ein Megawatt installierter Leistung onshore denn so kostet? (Martin Habersaat [SPD] meldet sich schnipsend zu Wort – Heiterkeit) – In meiner Fraktion wissen das einige. Den anderen kann man das sagen: zwischen 1 Millionen Euro und 1,5 Millionen Euro, offshore 2,5 Millionen Euro. (Dr. Heiner Garg [FDP]: Das ist weniger!) – Das ist weniger. Photovoltaik ist sogar noch günstiger. (Rasmus Vöge [CDU]: Was ist mit der Wasserstoffinfrastruktur? – Zuruf FDP: Nenenenene!) Auch die Infrastruktur für Kernkraftwerke, Transport, Abbau und so weiter, kostet. Sie brauchen eine Lösung für die Welt. Sie haben heute darauf hingewiesen, dass Europa eine Friedens- und Demokratiezone sei. Nun ist das leider die Minderheit in der Welt. Sobald Sie anfangen, Kerntechnologie zu exportieren, exportieren Sie schlicht und ergreifend auch die Fähigkeit, Atomwaffen herzustellen. Das ist das alte Problem. Zu Infrastrukturfragen können Sie mir eine Zwischenfrage stellen; die beantworte ich Ihnen gern. (Zuruf Lukas Kilian [CDU]) – Ja, Sie trauen sich ja nicht, eine Zwischenfrage zu stellen. Das erklärt alles. Zur Kernfusion kann ich Ihnen gerne erklären, wie das geht. Dafür benötigen Sie übrigens überschweren Wasserstoff. Das ist nicht ganz zu Unrecht der heilige Gral der Kernforschung. Wissen Sie, was das Problem beim heiligen Gral ist? In der realen Welt wird seit 2.000 Jahren nach dem heiligen Gral gesucht. In der irrealen Welt kommen in einer sehr interessanten Artus-Verfilmung die Ritter der Tafelrunde auf die Idee, die derzeitigen Probleme nicht lösen zu wollen, sondern sich auf Gralssuche zu begeben. Genau das besiegelt ihren Untergang. Falls zufällig jemand den heiligen Gral finden sollte – herzlichen Glückwunsch. Dass er allerdings noch gefunden wird, bevor wir den sprichwörtlichen Untergang durch steigende Meeresspiegel erleben werden, glaube ich nicht. (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW)

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