Malte Krüger
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Eine umfangreiche und vor allem durchgängige Sprachbildung ist fester Baustein unseres Bildungssystems. Das ist so und wird sich auch nicht ändern. Schulpflichtige Kinder und Jugendliche, die zu uns fliehen oder aus anderen Gründen einwandern, haben ein Recht auf Schule, und diejenigen ohne Deutschsprachkenntnisse erhalten auch weiterhin einen Zugang zu unserem schleswig-holsteinischen DaZ-Mehrstufenmodell. Wir alle erinnern uns sicherlich an das Jahr 2015. Viele Menschen sind vor Krieg und Terror nach Deutschland geflüchtet. Nicht nur die Hilfsbereitschaft und der Zusammenhalt in der Bevölkerung waren enorm, auch das Bewusstsein für die Sprachbildung, was seitdem gewachsen ist. Seitdem ist alltagsintegrierte Sprachbildung fester Bestandteil (Malte Krüger) des Lehramtstudiums und DaZ auch ein wichtiger Teil des Vorbereitungsdienstes der Lehrkräfte. Menschen haben sich damals wie heute freiwillig gemeldet, um zu helfen, und auch viele Studierende engagieren sich bis heute für Geflüchtete; ein Beispiel ist der Verein „kulturgrenzenlos“, der in der CAU gegründet wurde. Ich war im Jahr 2015 in meinem Bachelorstudium, habe Deutsch und WiPo studiert und hatte auch das Gefühl: Bei dieser Herausforderung damals muss geholfen werden, damit diese zu meistern auch gelingen kann. Ich habe mir ein Sozialsemester genommen und an einer Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete geholfen, sodass Menschen sich im Containerdorf wenigstens ein bisschen wohlgefühlt und ein wenig Orientierung bekommen haben. Aber viele Studierende haben damals noch viel mehr gemacht. Mit sehr vielen Kommiliton_innen haben wir freiwillig an Fortbildungen für Deutsch als Zweitsprache teilgenommen. Ich habe selbst in Kronshagen DaZ-Unterricht gegeben, lustigerweise bei der Schule, die hier vorhin zu Besuch war. Dieser DaZ-Unterricht ist für mich ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lehrerjobs gewesen. Das ist nicht nur Grammatikunterricht, den wir da geben. Das ist viel mehr, das ist auch Kulturaustausch und so viel mehr. Deshalb: DaZ-Unterricht an unseren Schulen ist Kern unserer Bemühungen für eine gelingende Integration, aber eben nicht nur an unseren Schulen, auch viele Unternehmen setzen auf eigenen Sprachunterricht, damit eine Integration in die Arbeitswelt gelingen kann. DaZ ist uns wichtig. Deshalb ist es auch gut, wenn wir heute darüber debattieren – aber, Herr Habersaat, doch nicht so! Ich zitiere aus Ihrem Antrag: „Die Landesregierung wird beauftragt, vor Einsparungen im DaZ-System das bisherige System zu evaluieren und Verbesserungsmöglichkeiten sowie“ – jetzt kommt es – „Einsparpotentiale und Synergieeffekte zu identifizieren.“ Ich fasse das für mich mal so zusammen: Das Land soll nicht bei DaZ sparen, aber schauen, an welcher Stelle bei DaZ gespart werden kann. (Martin Habersaat [SPD]: Erst gucken, wo, und dann, wie wir weiter verfahren!) Lesen Sie sich den Satz noch einmal durch, vielleicht fällt dann der Groschen. Ich finde das etwas merkwürdig. (Heiterkeit und Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Wenn wir schon beim Groschen sind: Der liegt nicht auf der Straße. Deshalb muss in allen Bereichen gespart werden, und das auch, so leid mir das tut, im Bildungsbereich. (Zuruf Martin Habersaat [SPD]) Im Jahr 2024 geht doch jedes Bundesland von einem erheblichen Zuwachs an DaZ-Schüler_innen aus. Woher wollen Sie denn die ganzen Lehrkräfte bekommen? Es ist doch eher so, dass momentan Schulen nicht wissen, wo sie die Schüler_innen unterbekommen und sie daher erst mal in den Regelunterricht schicken. (Zuruf Peter Lehnert [CDU] – Martin Balasus [CDU]: Ist ganz logisch! Kann nicht funktionieren!) Das ist nun wirklich nicht gut. Ich habe das erlebt, ich hatte kurzzeitig in meiner Klasse – kurz nach dem Ausbruch des Krieges ukrainische Geflüchtete, die kein Wort Deutsch gesprochen haben. Die nehmen Sie doch nicht langfristig in den Unterricht. Wie soll das funktionieren? Sie können zum großen Teil kein Deutsch. Deshalb muss gezielt Deutschunterricht stattfinden und kurzfristig versucht werden, eine Lösung zu finden. Es darf nicht passieren, dass Schüler_innen mit DaZ-Bedarf langfristig keinen adäquaten Platz bekommen, sondern das Gegenteil muss erfolgen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Opposition ist immer leicht, wenn man keine Gegenfinanzierungsvorschläge macht. Oliver Brandt und Lasse Petersdotter haben darauf schon vorhin in der Haushaltsdebatte hingewiesen. So richtig spannend wird es immer erst, wenn Sie erklären, woher die Fachkräfte kommen sollen, aber auch die finanziellen Mittel, die benötigt werden, wenn wir die Schüler_innenzahlen pro Klasse nicht erhöhen würden. Es gibt unterschiedliche Prognosen, wie viele DaZ-Schüler_innen wir im kommenden Jahr aufnehmen werden. Ich gehe davon aus, dass die Landesregierung hierzu vielleicht noch etwas sagen wird. Meines Wissens kalkuliert die Landesregierung damit, dass durch die Erhöhung der Lerngruppengröße rund 40 Stellen eingespart werden können; das entspricht rund 2 Millionen Euro. Ich habe Ihrer Rede vorhin, Herr Habersaat, nicht entnehmen (Malte Krüger) können, wie Sie das gegenfinanzieren wollen; vielleicht wollen Sie dazu gleich noch etwas sagen. (Martin Habersaat [SPD]: Staatssekretäre einsparen!) Ich halte fest: Sie wissen weder, woher die Lehrkräfte kommen sollen, noch wie eine mögliche Gegenfinanzierung aussehen könnte. Sie wollen bei DaZ nicht sparen, aber schon mal nach Einsparpotenzialen schauen. – So geht das nicht. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Sie können mir glauben, dass uns Grünen guter DaZ-Unterricht sehr wichtig ist; aber Fremdsprachenunterricht in größeren Lerngruppen ist immer noch besser als gar kein Fremdsprachenunterricht. Mit zukünftig 18 Schülerinnen und Schülern in unseren DaZ-Klassen werden wir immer noch – Herr Balasus hat darauf hingewiesen – unter dem Bundesdurchschnitt liegen. Auch mit 25 Unterrichtsstunden pro Woche bekommen unsere Schülerinnen und Schüler in der Basisstufe mehr Förderung als in vielen anderen Bundesländern. Da es Ihnen nicht nur um die Lerngruppenerhöhung geht – Sie haben das vorhin ausgeführt, Herr Habersaat –, sondern Sie auch konzeptionell beim DaZ-Unterricht etwas verbessern wollen, auch wenn Sie das nicht so konkret ausführen, schlagen wir vor, Ihren Antrag in den Bildungsausschuss zu überweisen.
