Niclas Dürbrook
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Flensburger Schleife – das haben wir jetzt schon mehrmals gehört – sorgt für eine ärgerliche Verzögerung auf dem Weg zum Flensburger Bahnhof. Die Folge ist, dass immer mehr Fernverkehrszüge einen großen Bogen um Flensburg machen. Um das am Anfang einmal in aller Deutlichkeit für meine Fraktion zu sagen: Wir finden, dass Flensburg als Oberzentrum nicht nur für den nördlichen Landesteil bei uns, sondern auch für den südlichen Landesteil in Dänemark einen Fernverkehrshalt haben sollte und wir gemeinsam dafür kämpfen müssen, dass Flensburg weiterhin über den Fernverkehr erreichbar ist. (Beifall SPD, CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW) Wir haben große Sympathien für den Antrag, den der SSW heute vorgelegt hat. Natürlich klingt es erst einmal nach einer sehr naheliegenden Lösung, wenn man den ehemaligen Haltepunkt in Flensburg-Weiche ohnehin hat und er so günstig liegt, dass man sich die Schleife nach Flensburg rein sparen würde, ihn auszubauen, dort künftig den Fernverkehr halten zu lassen und gleichzeitig von Flensburg-Weiche eine Anbindung mit dem Regionalverkehr zum Flensburger Hauptbahnhof zu schaffen, damit die Fahrgäste den Fernverkehr weiterhin vernünftig nutzen können. Wir haben allerdings ein bisschen Bedenken, dass man den zweiten Schritt vor dem ersten macht. (Niclas Dürbrook) (Beifall Dr. Bernd Buchholz [FDP]) Die Koalition stellt in ihrem Antrag richtigerweise – es tut mir ein Stück weit leid, das sagen zu müssen – dar, dass es sinnvoll ist, erst das Fahrgastpotenzial und die Kosten zu ermitteln, dann den zweiten Schritt zu machen und zu klären, wie man in Weiche – wenn wir zwei Bahnsteige haben – vom Regionalgleis auf den Fernverkehr kommt. Es ist niemandem geholfen, wenn wir das andersherum machen. Nach wie vor ist offen und zu klären, wie es mit Park and Ride und Fahrradabstellmöglichkeiten in Flensburg-Weiche aussieht. Wer einen Blick in die Flensburger Kommunalpolitik wirft, weiß leider, dass das Thema Bahnhofsumfeld in den letzten Jahren eine extrem große Rolle gespielt hat. Man hat sich viel Mühe gegeben, um den Bahnhof aufzuwerten. Es gibt einen Hotelneubau. Es gibt ganz bewusst den Neubau eines Parkhauses, weil man den Bahnhof aufwerten will. Für mich passt das nicht ganz zusammen mit den Planungen, die man jetzt in Weiche hat, wenn ein ganz entscheidender Teil des Verkehrs sozusagen aus der Stadt ausgelagert würde und man wieder einen ein Stück weit verödeten Bahnhof hätte. Die allergrößte Frage aber – das hat die Kollegin Waldeck gerade richtig beschrieben – ist tatsächlich, was überhaupt in Zukunft auf dem Jütlandkorridor noch fahren wird, wenn im Jahr 2029 – ich äußere in fast jeder Rede große Zweifel an diesem Zeitplan – die Fehmarnbeltquerung mit ihrer Hinterlandanbindung – irgendwann wird sie fertig sein – fertig sein wird. Der Plan ist, dass die Fernverkehrszüge dann eben nicht mehr über den Jütlandkorridor fahren, sondern ihren Weg über Fehmarn nehmen. Die Begeisterung dafür in der Region ist nicht unbedingt überall überbordend. Das würde tatsächlich bedeuten, dass wir gegebenenfalls einen Bahnhof in Flensburg-Weiche hätten, aber keinen Fernverkehr mehr, der dort vorbeikommt. Für viel Geld an dieser Stelle einen Umbau anzustoßen, ohne das vorher zumindest geprüft zu haben, finden wir falsch. Ich habe gerade gesagt, man sollte den zweiten Schritt nicht vor dem ersten machen. Man sollte aber auch den ersten Schritt nicht bis sonst wann verzögern. Wenn wir heute den Antrag von Schwarz-Grün mit breiter Mehrheit beschließen – davon gehe ich erst einmal aus –, erwarte ich, dass die Prüfaufträge, die in diesem Antrag festgelegt sind, wirklich umgesetzt werden, und zwar zeitnah. Das bedeutet, eine Prüfung, ob Flensburg-Weiche ertüchtigt werden kann, ob es Sinn macht, den Bahnhof auszubauen, muss in allernächster Zukunft kommen. Das werden wir weiterhin gern begleiten, denn unser gemeinsames Ziel muss es sein, dass Flensburg weiterhin über den Fernverkehr erreichbar ist. – Herzlichen Dank. (Beifall SPD)
