Nelly Waldeck
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleg_innen! Von Flensburg nach Dänemark zu kommen, gleicht heute einer Odyssee. Nach Aarhus muss man im dänischen Fredericia umsteigen, nach Kopenhagen auch, oder man fährt über Schleswig. Wie widersinnig, erst 38 Kilometer in den Süden zu fahren und dann wieder in den Norden über Flensburg nach Dänemark zu fahren. Dieser Zustand ist mehr als unbefriedigend. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Mit Wegfall der durchgängigen IC-Verbindungen verschärft sich die Situation weiter. Damit überhaupt noch Züge fahren, statten wir unsere Regionalzüge gerade entsprechend aus, sodass man wenigstens in Tinglev umsteigen kann. Das kann aber nur ein Notnagel sein. Spätestens mit dem Wegfall des IC wird der Bedarf für eine Fernverkehrsanbindung von Flensburg nach Dänemark deutlich. Flensburg wäre ohne Grenze die fünftgrößte Stadt Dänemarks. Es ist ein wichtiger Anker der Beziehungen zu Sønderjylland und verdient eine Anbindung im dichten Takt nach Dänemark. Flensburg ist aber auch ein Oberzentrum im Norden Schleswig-Holsteins und verdient schnelle Verbindungen nach Hamburg. Flensburg braucht also dringend eine Anbindung an den Fernverkehr. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Bislang wurde ein Halt in Flensburg seitens der DB abgelehnt, da die angeblich wenigen zusätzlichen Fahrgäste Flensburgs die verlängerte Fahrzeit nicht rechtfertigten. Oft wird in diesem Rahmen über die Schlaufe zum Flensburger Bahnhof diskutiert. Der acht Kilometer lange Umweg dauert bei 100 Kilometer pro Stunde ungefähr fünf Minuten Fahrtzeit statt nur einer Minute beim Abbiegen in Weiche. Ich bezweifle sehr, dass die Fahrzeitverkürzung – beim Ausbau auf 120 km/h auf sogar nur drei Minuten – mehr Fahrgäste generiert als ein zusätzlicher Halt am Flensburger Bahnhof. Diese Rechnung der Deutschen Bahn würde ich wirklich gerne einmal vorgelegt bekommen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU) Diese vier Minuten Fahrtzeit könnten an anderer Stelle sogar eingeholt werden, zum Beispiel südlich von Flensburg. Dazu gehört, dass die nördlichen Fahrgastströme nicht mehr separiert, sondern in Flensburg zusammengefasst würden. Die eingesparten Kosten der IC-Verbindungen könnte man entsprechend nutzen, (Nelly Waldeck) um öfter und beschleunigt nach Hamburg zu fahren. Der DB-Trassenfinder zeigt eine Stunde vierzig Minuten. Über 20 Minuten schneller als heute wäre sofort möglich. Das bringt mehr Fahrgäste, was wiederum mehr Fahrten ermöglicht, was wiederum mehr Fahrgäste bringt – eigentlich ein ganz kluges Spiel. Eine Option, die lange diskutiert wurde, die auch funktionieren könnte, wäre die Einrichtung eines neuen Haltepunktes Weiche, der die Schleife zum Flensburger Bahnhof vermeidet. Flensburg-Weiche ist – für alle, die sich in Flensburg nicht ganz so gut auskennen wie offensichtlich viele andere hier – ein relativ am Rande liegender Ortsteil von Flensburg. Die dortige Einrichtung eines Fernverkehrshalts müsste eine schnelle ÖPNV-Verbindung sicherstellen. Die Lage der Gleise lässt die Einrichtung eines Bahnsteiges, der Regional- und Fernverkehr kombiniert, allerdings leider kaum zu. Hierfür bräuchten wir eine geeignete Lösung. Klar ist: Wenn im Stadtteil Weiche keine gute Anbindung existiert, macht die Einrichtung eines Halts im Flensburger Umland im Gegensatz zur 23-minütigen Fahrt nach Schleswig keinen so großen Unterschied mehr. Gäbe es allerdings die Möglichkeit, einen potenziellen Haltepunkt direkt mit Regionalzügen zu verknüpfen, könnte das auch für die Anbindung des Stadtteils an die Innenstadt einen erheblichen Vorteil bieten. Im Landesweiten Nahverkehrsplan wurde die Einrichtung des Flensburger Haltepunktes mit der Einrichtung des Flensburger Innenstadthaltepunkts verbunden. Die Ratsversammlung Flensburg hat aber mit ihrer Beschlusslage – gerade erneut – einstimmig ein deutliches Signal zum Erhalt des jetzigen Standorts des Bahnhofs abgegeben. Wir brauchen also zunächst eine Prüfung, wie ein Halt in Weiche, der Regional- und Fernverkehr kombiniert, überhaupt aussehen und vernünftig bedient werden kann. Zuletzt bleibt noch der Blick in Richtung Fehmarnbeltquerung. Aktuell sieht es so aus, als verkehrten nach 2029 auf der Jütlandroute überhaupt keine Fernverkehrszüge mehr. Das hat die Konzernbevollmächtigte nach dem Beschluss der Flensburger Ratsversammlung sehr deutlich gemacht. Wir müssen also betrachten, wie lange die Errichtung des Haltepunktes braucht, wie hoch die Kosten wären, den Haltepunkt einzurichten, und wie lange er überhaupt eine Nutzung hat. Wie im Deutschlandtakt auch: erst der Fahrplan, dann der Bauplan. Wir müssen uns weiter dafür starkmachen, dass es nach 2029 weiter durchgehende Züge über die Jütlandroute gibt. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Der komplette Wegfall dieser Verbindung wäre die absolute Katastrophe für die Anbindung nach Dänemark und unsere Grenzregion. Diese Verbindung einzufordern, ist das wichtigste Instrument, um die verkehrliche Anbindung in Flensburg sicherzustellen. – Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU)
