landtag.ltsh.de ↗

Anette Röttger

CDU 14.12.2023 Sitzungen 20/46

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zunächst danke ich unserer Kulturministerin für ihren Bericht, und ich freue mich auch, dass wir dieses Thema zu diesem Zeitpunkt gesetzt heute Vormittag behandeln dürfen. Das ist nicht selbstverständlich, daher herzlichen Dank. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Beate Raudies [SPD]: Früher war das selbstverständlich!) Schleswig-Holstein hat eine vielfältige Kulturszene, die von einem breiten landesweit bedeutsamen kulturellen Infrastrukturnetz durchzogen ist. Museen, Theater, Gedenkstätten, Konzerthallen, Denkmäler, Kirchen und Synagogen – wir verfügen hier über Weltkulturerbe, wir sind von Festivals geprägt. Hier leben und arbeiten die glücklichsten Menschen in einer gepflegten Kulturlandschaft. Jede Region halt landestypische Eigenarten. Gemeindetag, Städteverband und Landkreistag und auch das Kulturministerium haben sich im Juni 2021 in Schleswig-Holstein auf einen Kulturpakt 2030 verständigt. Kulturelle Angebote sind Daseinsvorsorge. Sie sorgen für persönliche Widerstandsfähigkeit – für Resilienz – und sind wichtige Standortfaktoren für das Lebens- und Arbeitsumfeld der Menschen. Wie selbstverständlich in einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung räumen wir der Kultur in unserem Land einen wichtigen Stellenwert ein. Der Artikel 13 der Landesverfassung benennt dies klar und besagt, dass das Land gemeinsam mit den Kommunen die Kunst und Kultur schützt und fördert. Die Pandemie mit vielen Beschränkungen hat insbesondere kulturelle Aktivitäten und Akteure vor große Herausforderungen gestellt. Die multiplen Krisen und vielen Veränderungsprozesse haben uns gezeigt, wie wichtig Kunst und Kultur sind. Kulturpolitik hat durch ihren Querschnittscharakter viel Potenzial, Kulturist ein Schatz von unschätzbarem Wert, der wesentlich zu einem friedlichen Miteinander beiträgt (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt unverzichtbar bleibt. Die Servicestelle für Kulturförderung hat sich bewährt. Sie unterstützt bei der Erschließung neuer Finanzierungsquellen. Kulturelle Angebote können Menschen zusammenführen und damit einer gefühlten Auflösung von Bindungen in der Gesellschaft entgegenwirken. Kulturelle Angebote gehören zum Jahresverlauf. Sie prägen Feste und Traditionen. Die Gedenk- und Erinnerungskultur gibt nicht nur Orientierung, sie fordert auf zur Verantwortung, damit sich schlimme Ereignisse der Vergangenheit nicht wiederholen. Das spüren wir aktuell mehr denn je. Schleswig-Holstein setzt mit dem Kompetenzzentrum für musikalische Bildung einen Schwerpunkt bei der musikalischen Bildung und bereitet ein Musikschulfördergesetz vor. Die Volkshochschulen sollen von der Weiterbildungsstrategie profitieren, die Bibliotheken sich zu dritten Orten weiterentwickeln. Kulturelle Bildung soll so früh wie möglich beginnen. Der frühe Zugang zu Literatur fördert Lesekompetenz, musikalische Bildung, überwindet Sprachbarrieren und fördert das Zuhören. Kultur inspiriert, bildet, trägt zur Persönlichkeitsbildung bei und regt den gemeinsamen Dialog an. Insbesondere in die Vorweihnachtszeit gehören das Vorlesen, das Vortragen, das Musizieren, das Tanzen, das Kunsthandwerk, Filme oder Theaterstücke, Weihnachtsoratorien oder das Friedenslicht der Pfadfinder dazu. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Kultur ist Futter für die Seele. Ich danke allen, die sich hier einbringen, sich ehrenamtlich und hauptamtlich, sei es in der Kinder‑, Jugend‑, Erwachsenen- oder Seniorenarbeit, engagieren. Ich danke der Kulturabteilung für die Durchführung der Kulturdialoge und Workshops in einem mehrstufigen Analyse- und Beteiligungsprozess hin zu den kulturpolitischen Leitlinien. Die Grundsätze dafür sind klar definiert: „Das Land Schleswig-Holstein ist und bleibt verlässlicher Partner für alle Kulturakteurinnen und ‑akteure und unterstützt die Professionalisierung der kulturellen Infrastruktur.“ Kulturpolitische Leitlinien sind die Leitplanken, an denen sich die Kulturpolitik in dieser Zeit orientieren kann, um sich bei allen Veränderungsprozessen gut für die Zukunft aufzustellen und zu rüsten. Das Land fördert die Vernetzungen und Kooperationen, begleitet den digitalen Wandel und weite- (Anette Röttger) re Transformationsprozesse konzeptionell. Die Auswertung ergab die bereits genannten fünf wesentlichen Handlungsfelder digitale Transformation – ich denke an den digitalen Masterplan, an die Arbeit der Landesbibliothek und an die digitalen Knotenpunkte –, die ökologische Nachhaltigkeit, die kulturelle Teilhabe und Diversität, die kreativen und kooperativen Räume und schlussendlich die Verstärkung von Prozessförderung und Wandlungsprozessen. Diese Leitlinien sind dazu da, die Megatrends und Wandlungsprozesse aufzunehmen, die unsere Kultureinrichtungen verändern. Ich wünsche gutes Gelingen auf diesem Weg. Nutzen wir alle die kulturellen Angebote insbesondere in dieser Zeit! Machen wir daraus vielleicht ein gutes Geschenk, denn Kultur hat Publikum verdient. – Herzlichen Dank. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Alle Reden von Anette Röttger Protokoll ↗