Martin Habersaat
Vielen Dank, Frau Präsidentin, und besonders der Vizepräsidentin des Landtags für diesen Hinweis zur Geschäftsordnung, was die Kurzbeiträge angeht. – Meine Damen und Herren! Ich möchte davor warnen, so eine bildungspolitische Debatte mit Nebelkerzen zu führen. Davon habe jedenfalls ich, aus meiner Wahrnehmung, einige gehört. (Martin Habersaat) Es ist doch eine Binsenweisheit, dass die Leistungszuwächse größer sind, wenn Schulen geöffnet haben. Meine Damen und Herren, stellen Sie sich einmal einen Moment lang vor, es wäre andersrum, dann müssten wir die Schulen sofort schließen! Es ist doch absurd, das hier überhaupt als Argument in die Debatte einzuführen. (Christopher Vogt [FDP]: Bei Englisch ist es ja so!) Frau Prien, Sie können auch nicht leugnen, dass Sie in den letzten Monaten nach jeder Studie, die uns miserable Ergebnisse bescheinigt hat, immer, zumindest in den ersten Sätzen darauf hingewiesen haben, dass das auf die Kinder mit Migrationshintergrund – zumindest zu einem Teil – zurückzuführen ist. Natürlich ist das nicht falsch, aber natürlich ist es auch ein Setting, wenn Sie das immer besonders betonen. (Beifall SPD – Martin Balasus [CDU]: Tut sie ja auch nicht!) Wenn es denn aber so ist, dass wir bei den Kindern mit Migrationshintergrund die größere Schwierigkeiten haben und da den Grund sehen, warum Schleswig-Holstein bei den Leistungsvergleichen, die länderscharf erhoben werden, so abschmiert, warum in Gottes Namen kürzen Sie dann bei den DaZ‑Mitteln? (Beifall SPD und SSW) Das ist ja die nächste Nebelkerze: Natürlich ist es eine Kürzung, wenn Sie sagen: In Schleswig-Holstein müssen die Klassen größer werden, es gibt weniger Lehrkräfte für die Schulen, und es müssen mehr Schülerinnen und Schüler in DaZ-Gruppen unterrichtet werden. – Was ist denn das sonst, wenn keine Kürzung? (Beifall SPD, SSW und Christopher Vogt [FDP]) Wir brauchen für Schulen gutes und ausreichend Personal, gute Konzepte und gute Gebäude. Da sind wir uns, glaube ich, so weit einig. Wir haben Ihnen zwölf Vorschläge gemacht, was Personal angeht. – Herr Balasus, Sie haben eben dazwischengerufen, das sei alles Quatsch. Das war in der Landtagsdebatte noch ein ganz anderer Ton, den Sie angeschlagen haben, und im Bildungsausschuss übrigens auch. Ich rate Ihnen, sich die Vorschläge noch einmal anzugucken und zu Herzen zu nehmen. (Beifall SPD – Zuruf Martin Balasus [CDU]) Wenn wir Lehrkräfte wirklich entlasten wollen, müssen wir uns auch angucken, was wir mit den Klassenlehrkräften machen. (Martin Balasus [CDU]: Entlasten!) Wir müssen uns angucken, wie wir die ganzen Studien, die da kommen, nicht den Lehrkräften als Zusatzaufgabe aufbürden, sondern diese so organisieren, dass die Ergebnisse ihnen als Service für die Unterrichtsentwicklung zur Verfügung gestellt werden. Hamburg macht das; daran sollten wir uns ein Beispiel nehmen. Beim Thema gute Konzepte weise ich einmal darauf hin, dass Kanada, Estland und die skandinavischen Länder alle ein Gemeinschaftsschulsystem haben. Ich lese einmal einen Satz vor: „Internationale Schulleistungsstudien zeigen, dass ein Bildungssystem durch längeres gemeinsames Lernen gerechter und leistungsstärker gestaltet werden kann.“ Das schreiben nicht irgendwelche Sozialisten, das schreibt das Bildungsministerium in NordrheinWestfalen in Reaktion auf die PISA-Studie. Hört, hört! (Beifall SPD) Wäre ich nun ein Schüler, dessen Eltern arm sind – sprechen wir es ruhig aus –, dessen Schule schlecht ausgestattet ist, oder es regnet rein, und der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion sagte mir, mein Mindset sei das Falsche – –
