Malte Krüger
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Letztes Jahr kam der IQB-Bildungstrend für die Viertklässler heraus, nun haben wir die Ergebnisse der neunten Klassen. Es ist gut, dass der Lernstand unserer Schüler_innen mittlerweile so genau ermittelt wird. Aus den Ergebnissen können wir lernen und Maßnahmen ergreifen. Daher wünschen wir uns eine zusätzliche IQB-Lernstandserhebung in der fünften Klasse und geben unseren Schulen die Möglichkeit zu Lernstandserhebungen in Deutsch und Mathe für die fünfte und sechste Klasse, begleitet von verpflichtenden Förderprogrammen. Untersucht wurden beim IQB-Bildungstrend 2022 in den Fächern Deutsch, Englisch, Französisch jeweils die Kompetenzen Lesen, Zuhören und Rechtschreibung. Ein Beispiel aus der Kompetenz Rechtschreibung: Die Worte „Düne“, „Ferne“, „Wasservorrat“, „Regen“, „Niederschlagsmenge“, „Kälte“ waren nach Diktat richtig zu schreiben. – Wenn wir uns das Wetter heute angucken, passen die Wörter irgendwie ganz gut an schleswig-holsteinische Schulen. (Vereinzelte Heiterkeit) 6,8 Prozent der Jugendlichen der neunten Jahrgangsstufe verfehlen bedauerlicherweise die Mindestanforderung des ersten Schulabschlusses und 23,2 Prozent für den mittleren Schulabschluss bei solch einer Orthografieaufgabe. Im Lesen setzt sich der negative Trend fort. 30 Prozent verfehlen die Mindestanforderung für den mittleren Schulabschluss. Wir befinden uns in Schleswig-Holstein mit diesem Ergebnis beim IQBBildungstrend im Mittelfeld der 16 Bundesländer. Jedoch sind wir mit dem Ergebnis natürlich nicht zufrieden. Herr Habersaat, Sie sagten gerade, wir argumentierten hier irgendwie mit Englisch. Da haben Sie natürlich recht; Bundesweit ist der Durchschnitt da hoch. Aber in Deutsch sehen wir auch deutschlandweit eine Tendenz, die eben nicht so wie Englisch ist. Also wir sehen bundesweit bei Deutsch, dass die Ergebnisse schlechter ausfallen, als wir uns das wünschten. Warum erreichen mehr Schülerinnen und Schüler nicht den Mindeststandard? Ein großer Faktor war sicherlich Corona. Zwischen der letzten Erhebung in 2015 und der aktuellen in 2022 lagen die pandemiebedingten Schulschließungen mit Unterrichtsausfall, Hybrid- und Wechselunterricht. Der IQBBildungsbericht kommt zu dem Schluss, dass dies die Lernentwicklung der Schüler_innen deutlich beeinträchtigt habe. Aber wir schauen nicht nur auf die Herausforderungen, sondern vor allem auf die Lösungen. Ein leuchtendes Beispiel ist unser PerspektivSchul-Programm. Dabei schaffen Sie eine positive schulische Umgebung, in der sich alle Beteiligten wohlfühlen und achten besonders darauf, Bildungs- und damit Chancengerechtigkeit zu sichern. (Malte Krüger) Zudem ist es für uns wichtig, das Programm „Aufholen nach Corona“ fortzuführen, damit von Anfang an die Grundfertigkeiten gefördert werden. Wir haben bereits den Handlungsplan basale Kompetenzen. Neu schaffen wir jetzt das verpflichtende Modul „Lesen in allen Fächern“. Corona ist nicht der einzige Faktor, der die Leistung im Fach Deutsch negativ beeinflusst. Jugendliche aus einem Elternhaus mit schlechteren sozioökonomischen Voraussetzungen und mit geringerem kulturellen Kapital – also wenn zum Beispiel weniger Bücher im Schrank stehen – haben nicht die gleichen Chancen im Schulsystem. Das wissen wir alle seit Langem. Kinder, deren Eltern nur wenig Bücher zu Hause haben, lesen und schreiben schlechter. Diese Eltern werden auch nicht anfangen, regelmäßig vorzulesen. Da müssen Schule und Unterricht eben Angebote machen. Das machen wir mit einem verpflichtenden Modul „Lesen in allen Fächern“. Hinzu kommen Schülerinnen und Schüler, für die Deutsch ihre Zweitsprache ist. Deutsch als Zweitsprachunterricht wird weiterentwickelt. Gleichzeitig muss die didaktische Forschung, die an der CAU oder an der Europa-Universität Flensburg stattfindet, noch viel stärker mit den Unterrichtsinhalten verknüpft werden. Eine Erkenntnis des Bildungsberichts ist auch, dass Unterricht noch immer relativ variationsarm verläuft und viele Unterrichtsstunden auch in Deutsch fachfremd unterrichtet werden. Das Lesen eines Handyvertrages wiederum wird den Deutschunterricht vermutlich nicht spannender machen. Herr Habersaat, ich habe Ihren Vorschlag im Hamburger Abendblatt gelesen, aber das hat mich noch nicht so ganz überzeugt. Da hoffe ich, dass die Fachdidaktiker_innen an unseren Universitäten vielleicht noch ein oder zwei bessere Ideen finden. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU – Beate Raudies [SPD]: Steuerbescheid!) – Frau Raudies, ich glaube, dann müssten Sie mit an die Schule kommen, sonst kriegt das keiner hin.
