Martin Balasus
Landtagslehrer Martin, ja. (Zuruf: Der gute Martin!) Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! (Christopher Vogt [FDP]: Hallo, Martin!) – Hallo, ja. – Die Lage in vielen Familien ist alarmierend. Zuhause wird weniger Deutsch gesprochen, Eltern haben keine Zeit für die Unterstützung des schulischen Lernens, dazu kommen oft beengte Verhältnisse, hoher Medienkonsum oder ungesunde Ernährung. Diese Umstände stellen den schulischen Werdegang vor besondere Herausforderungen. Deshalb helfen wir seit 2019 gezielt dort, wo unsere Hilfe am dringendsten gebraucht wird. Das ist das Prinzip der 62 PerspektivSchulen, denen insgesamt über 50 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung stehen – für mehr Lehrkräfte, mehr Sozialarbeit, besondere Projekte oder Fortbildungen. Das Modell ist erfolgreich, und alle Akteure leisten hervorragende Arbeit. Davon konnte ich mich jüngst an der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule in Elmshorn überzeugen. Die Fachwelt ist voll des Lobes, und bestimmt ist unser PerspektivSchul-Programm auch eine Art Blaupause für das geplante Startchancen-Programm des Bundes. Erst im Sommer haben wir hier im Plenum den Beschluss gefasst, das PerspektivSchul-Programm nicht nur fortzusetzen, sondern – mehr noch – es weiterzuentwickeln. Natürlich wird auch die Finanzierung sichergestellt sein. Die Marschrichtung ist klar: Wir wollen kein Eindampfen unseres Programms. Nein, dank des Startchancen-Programms können wir es wahrscheinlich sogar ausbauen. Das Eckpunktepapier für das Bundesprogramm steht. Die Verhandlungen laufen allerdings zäh; es fehlt noch der Abschluss einer Bund-Länder-Vereinbarung. Hoffen wir, dass diese ganz bald folgt und nicht an der unsicheren Haushaltslage des Bundes scheitert! (Zuruf Martin Habersaat [SPD]) Werte SPD, mit Ihrem Antrag schüren Sie nur Unsicherheiten. Natürlich ist die Verschiebung des Haushaltes in diesem Fall, ja, suboptimal. Allerdings ist das Gros der Beschäftigungsverhältnisse unbefristet, also gar nicht betroffen. – Ihr negativer Blick, Herr Habersaat, den Sie hier so an den Tag legen, wird bei Weitem nicht geteilt. Wer heute einen Blick in die Zeitung geworfen hat, kann da über einen Schulleiter aus Gaarden lesen, und der berichtet, dass er positiv in die Zukunft blickt (Martin Balasus) und dass wir in puncto PerspektivSchulen gut aufgestellt sind. (Beifall CDU – Christopher Vogt [FDP]: Wir kennen uns doch nicht, oder?) Was uns in Schleswig-Holstein wirklich helfen würde, wäre ein rasches und verlässliches Agieren des Bundes. Also: Startchancen-Programm jetzt und eine Verlängerung des Digitalpaktes! Denn wir haben es heute mit einer ganz anderen Schülerschaft als noch vor, sagen wir einmal, 20 Jahren zu tun. Dazu kommen immer noch Folgen der Pandemie, ein anhaltender Flüchtlingsstrom und der wachsende Fachkräftemangel. Eine der Folgen: Schleswig-Holstein fällt im Leistungsvergleich deutlich zurück. Zwar haben sich die Ergebnisse laut IQB-Bildungstrend in Englisch verbessert – mancher spricht da vom Netflix-Effekt –, in Deutsch sind sie aber sehr ernüchternd. So rutschen wir in Rechtschreibung sogar in das untere Drittel ab. Gründe gibt es viele, entscheidend ist aber: Wir müssen handeln, und zwar jetzt. (Beifall CDU und vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf Martin Habersaat [SPD]) Der Weg ist klar: Fokus auf die Essentials – also Lesen, Schreiben, Rechnen – und: Üben, üben, üben! – Ein Beispiel: Wer viel Rechtschreibung übt, wird sich in der Schule auch rasch verbessern. Diese Erfahrung durfte ich zumindest als Deutschlehrer machen. Zudem bin ich überzeugt, dass der Schlüssel für erfolgreiches Lernen im frühkindlichen Alter liegt. (Serpil Midyatli [SPD]: Wie wäre es mit Kitaplätzen!) Kinder müssen bei Schuleintritt die deutsche Sprache vernünftig beherrschen. Ein erster Schritt muss die Viereinhalbjährigen-Untersuchung im Umfeld der PerspektivSchulen sein. (Martin Habersaat [SPD]: Nein, für alle!) Mit unserem Handlungsplan „Basale Kompetenzen“ wollen wir nun weitere Maßnahmen über die Grundschule hinaus initiieren. Stichwort „Datengestützte Schulenentwicklung“ – unser Ziel in Zusammenarbeit mit der KMK: eine Lernstandserhebung zu Beginn von Klasse 5. Außerdem sollen Lehrkräfte Instrumente für Lernstandsdiagnosen in Deutsch und Mathe in den Klassen 5 und 6 erhalten. Entscheidend ist aber, dass wir über die Diagnostik hinausgehen. Die Förderung muss sich anschließen. Sinnvoll ist ebenfalls eine gemeinsame Qualitätsund Fortbildungsoffensive Deutsch. Und – da hat Herr Habersaat recht –: Der DaZ-Unterricht gehört auf den Prüfstand: erst Evaluierung und dann gegebenenfalls Weiterentwicklung. (Beifall CDU und Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
