Hauke Hansen
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Im September 2023 verkündete Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, man sei bei der Versorgung mit wichtigen Arzneimitteln für Kinder in diesem Jahr deutlich besser aufgestellt als noch im Vorjahr. Meine Damen und Herren, was bedeutet konkret „besser aufgestellt“? – Ich wollte da mehr erfahren und habe deshalb Anfang des Monats einen Tag lang ein Praktikum in einer Apotheke gemacht, der Klaus-Groth-Apotheke in Bordesholm. Die Erfahrungen, die ich da gemacht habe, haben mich wirklich tief berührt. – 42. Sitzung (neu) – Mittwoch, 22. November 2023 Über 270 Arzneimittel, die diese Apotheke regelmäßig auf Lager hat, waren an meinem Praktikumstag nicht lieferbar. Ein nicht unerheblicher Teil davon war schon sehr lange nicht lieferbar, teilweise über Monate. Diese Apotheke kauft den größten Teil der Arzneimittel über drei verschiedene Großhändler ein. Es ist also nicht ein Großhändler, bei dem 270 Artikel vergriffen waren. Nimmt man die drei Großhändler zusammen, stellt man fest, das ist eine ganz beträchtliche Versorgungslücke. Das für ein Industrieland wie Deutschland ziemlich erschreckend. (Werner Kalinka [CDU]: So ist es! – Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Stellen Sie sich vor, Sie kommen in die Apotheke, um ein Rezept für Ihre chronische Erkrankung einzulösen, ein Medikament, das Sie seit Jahren erhalten, das Sie gut vertragen und auf das Sie eingestellt sind! Ihr Medikament ist nicht lieferbar. Oder stellen Sie sich vor, Ihr Kind fiebert hoch, Sie gehen in die Apotheke, und es gibt keinen Fiebersaft! Das Personal in der Apotheke hat in beiden Fällen folgende Möglichkeiten: Wenn Sie Glück haben, kann es Ihnen ein wirkungsgleiches, anderes Medikament herausgeben. Dafür muss in der Regel mit dem verordnenden Arzt Rücksprache gehalten und ein neues Rezept ausgestellt werden. In Ausnahmefällen, die wirklich selten sind, geht es ein bisschen einfacher. Wenn Sie Pech haben, müssen Sie mit einem ganz anderen Wirkstoff Vorlieb nehmen, mit dem Sie nicht so optimal versorgt sind wie mit dem eigentlichen Medikament. Oder Sie gehen mit komplett leeren Händen nach Hause. Meine Damen und Herren, es kann in einem Land wie Deutschland, das sich rühmt, eines der besten Gesundheitssysteme der Welt zu haben, nicht eine Frage von Glück oder Pech sein, ob man eine optimale medikamentöse Versorgung erhält. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Der aktuelle Zustand ist einfach nicht hinnehmbar. Ich möchte an dieser Stelle aber nicht nur alles düster darstellen, sondern auch die Chance nutzen, mich bei den Apothekenteams und den Apothekerinnen und Apothekern zu bedanken, die sich in unserem Land täglich tausendfach mit genau diesem Problem auseinandersetzen und in höchstem Maß verantwortungsvoll damit umgehen, Patientinnen und Patienten qualitativ hochwertige und optimale Versorgung zukommen zu lassen. Daher sage ich – (Hauke Hansen) ich glaube, im Namen des gesamten Hohen Hauses – herzlichen Dank für Ihren Einsatz. Das ist sehr wertvoll. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP und vereinzelt SPD) Ich glaube, dass ein großer Teil von Ihnen mit mir in der Einschätzung übereinstimmt, dass die bisherigen Maßnahmen, die auf Bundesebene getroffen wurden, nicht ausreichen, um dem aktuellen Zustand angemessen entgegenzuwirken. Das haben die Ministerpräsidenten in ihrem Beschluss zu diesem Thema bei der Ministerpräsidentenkonferenz am 6. November 2023 so gesehen, das hat die CDU-Bundestagsfraktion bei Ihrem 21-Punkte-Antrag vom letzten Freitag im Deutschen Bundestag so gesehen, das sieht der Präsident der Apothekerkammer Schleswig-Holstein, Dr. Kai Christiansen, so, das sieht die Präsidentin des Bundesverbandes der Apothekenverbände, Frau Overwiening, so, und das sehen die Menschen, die in einer Apotheke ihr Medikament nicht erhalten, genau so. Nur Herr Lauterbach sieht das nicht so. Meine Damen und Herren, „zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“. – Damit das auch in Zukunft für möglichst viele Bürgerinnen und Bürger unseres Landes wohnortnah möglich ist, stimmen Sie bitte für unseren Alternativantrag, beziehungsweise – Heiner Garg hat es vorgeschlagen – unterstützen Sie die Überweisung in den Sozialausschuss, damit wir uns noch einmal intensiv mit dem Thema auseinandersetzen können. Die Patientinnen und Patienten und die Apothekerinnen und Apotheker in unserem Land sowie deren Mitarbeiter verdienen diese Wertschätzung. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Dr. Heiner Garg [FDP])
