Hauke Hansen
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Kampagne „Praxis in Not“ haben wir alle mitbekommen. Für eine gute und flächendeckende Gesundheitsversorgung sind niedergelassene Ärztinnen und Ärzte und ihre Praxisteams unverzichtbar. Während längst nicht mehr alle Arztsitze besetzt werden können, steigt gleichzeitig der Versorgungsbedarf auch durch eine älter werdende Gesellschaft. Liebe Praxisteams im Land, liebe niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, Sie bewegen viel für unser Land. Sie sind eine wesentliche Stütze unseres Gesundheitssystems. An dieser Stelle daher von unserer Seite ganz herzlichen Dank für Ihren wertvollen Einsatz! (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP) Mit unserem Antrag wollen wir die Rahmenbedingungen verbessern, um eine gute Versorgung auch in Zukunft zu gewährleisten. Eine Überlegung ist, die vorhandenen ärztlichen Kapazitäten zukünftig noch gezielter einzusetzen. Das bedeutet, Ärztinnen und Ärzte von einigen Aufgaben zu entlasten, damit sie in Zukunft mehr Zeit für andere Aufgaben haben. Hier spielen Medizinische Fachangestellte – kurz MFA – schon heute eine sehr wichtige Rolle. Sie organisieren den Praxisablauf und sind in der Regel der erste Kontakt für die Patientinnen und Patienten. MFA sind dadurch leider auch häufig die Personen, die den Frust der Patientinnen und Patienten über das, was im Gesundheitssystem schiefläuft, abbekommen. Das ist auf Dauer psychisch belastend und führt dazu, dass einige MFA ihren Job aufgeben. Hier müssen wir etwas tun. Neben den MFA gibt es für die Ärztinnen und Ärzte auch noch Unterstützung durch sogenannte – 42. Sitzung (neu) – Mittwoch, 22. November 2023 PAs, die Physician Assistants, die in Deutschland noch recht unbekannt sind. Im Gegensatz zu den MFA dürfen PAs auch selbstständig delegierbare Tätigkeiten ausüben, die dem Arztvorbehalt unterliegen. Das kann zum Beispiel das Mitwirken bei der Erstellung von Prognosen sein. Die JamaikaRegierung hat seinerzeit die Einführung des Studiengangs in Schleswig-Holstein beschlossen. Seit Oktober 2020 wird das Studium am Westküstenklinikum in Heide angeboten. Bei der Abschlussfeier unseres ersten Jahrganges vor vier Wochen in Heide war für mich klar zu spüren, dass da viel Potenzial drinsteckt. Jedoch geht unser erster PA-Jahrgang fast ausschließlich in den stationären Bereich. Das liegt auch am Geld: Der Einsatz von PAs wird im ambulanten Bereich nicht gesondert vergütet. Und auch so schwimmen die meisten niedergelassenen Medizinerinnen und Mediziner nicht im Geld: Der sogenannte Orientierungspunktwert, den die gesetzlichen Krankenkassen grundsätzlich mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung aushandeln, spielt hierbei eine ganz wichtige Rolle. Seit 2013 ist dieser Wert um rund 15 Prozent angestiegen. Das ist deutlich unterhalb der Inflationsquote. Auch sehen wir aktuell, dass nicht alle Leistungen bezahlt werden – ich nenne das Stichwort Budgetierung. Es ist ein Unding, eine erbrachte Leistung nicht zu bezahlen. Ich fasse zusammen: Die psychische Belastung und die zu geringe Bezahlung führen dazu, dass die Arbeit für MFA und PAs im ambulanten Bereich weniger attraktiv ist. Gleichzeitig wird dieses Fachpersonal im ambulanten Bereich dringend gebraucht, um Ärztinnen und Ärzte wirkungsvoll zu entlasten. Mit dem Ihnen nun vorliegenden Antrag von CDU, Grünen und FDP wollen wir das Problem angehen und im Wesentlichen vier Dinge erreichen: Erstens. Wir wollen, dass der Orientierungspunktwert an die Inflation angepasst wird, damit MFA im ambulanten Bereich angemessen bezahlt werden können. Zweitens. Wir wollen, dass Honorierungen der PAs im ambulanten Bereich angemessen abgerechnet werden können. Drittens. Wir wollen die Budgetierung des ambulanten Bereichs, auch der Zahnmedizin, beenden, beginnend mit der Grundversorgung. Viertens. Wir wollen Maßnahmen anstoßen, die den wertschätzenden Umgang von Patientinnen und Patienten mit dem Praxispersonal fördern. (Hauke Hansen) (Zuruf SPD: Prüfen wollt ihr!) Wichtig ist, dass der Bund mitmacht, damit alle vier Punkte Realität werden. Das, was wir in SchleswigHolstein dazu beitragen können, werden wir dazu beitragen. Ich freue mich auf eine breite Unterstützung dieses Antrags. Wir können uns Praxen in Not einfach nicht leisten! – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP)
