Martin Habersaat
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Damen und Herren! Vielleicht zur Erläuterung für alle diejenigen, die es nicht wissen: Ich kann mich jetzt immer noch zusätzlich zu einem Dreiminutenbeitrag melden, aber das habe ich gar nicht vor. Ich bedanke mich für den konstruktiven Ton in dieser Debatte, und ich finde es wirklich wichtig, dass wir miteinander reden. Vielleicht kommen wir eines Tages dahin, dass wir das auch mit Zwischenfragen tun, weil manches sofort aufzuklären sein könnte. Darauf komme ich gleich zurück. Frau Ministerin Prien, ich fand es großartig, dass Sie nach Kanada gefahren sind, um sich dort über Schulen und das Bildungssystem zu informieren. Sie wissen, der Bildungsausschuss des Landtags war in der letzten Legislaturperiode auch da. Ich glaube, wir müssen dem Kollegen Balasus noch schonend beibringen, dass das kanadische Schulsystem von der Klasse eins bis acht keine Sortierung von Schülerinnen und Schülern kennt, sondern dort alle gemeinsam beschult werden. (Martin Balasus [CDU]: Ich lasse mich gern einladen!) Es gibt in der Tat viel, was man darüber hinaus von Kanada lernen kann. Überhaupt lohnt es sich, einen Blick in die Welt zu werfen. Herr Krüger, jetzt komme ich zu Ihrer Frage, was ich mit Assessment meine und wie ich mir das vorstelle: Wir waren mit der SPD einmal in Helsinki, um uns das finnische Schulsystem erklären zu lassen. Kanada und Finnland sind ja die PISA-Gewinnerländer, zumindest waren sie das mal. In Finnland ging das auch mal auf und ab. Wenn Sie in Finnland Lehrer werden wollen, dann müssen Sie sich bei der Hochschule bewerben. Dann müssen Sie an der Hochschule glaubhaft machen, dass Sie sich für Kinder und Jugendlichen interessieren. Das ist im deutschen Hochschulsystem ein absurder Gedanke. Da zählt allein der NC. In Finnland haben Sie schon einen Fuß im Lehramtsstudium, wenn Sie zum Beispiel Trainer, Jugendgruppenleiter oder sonst etwas waren. (Zuruf Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Ich persönlich finde das großartig, und ich würde mir sehr wünschen, dass wir in diese Richtung kommen. (Beifall SSW und vereinzelt SPD) In Finnland ist es erstaunlicherweise so, dass Lehrkräfte im Verhältnis schlechter bezahlt werden als in Deutschland. Dort hat man aber überhaupt keine Nachwuchsprobleme. Im Gegenteil, die Menschen wollen in diesen Beruf, weil er dort sehr wertgeschätzt wird. Wenn ich eine Frage hätte stellen dürfen, dann hätte sie sich um die strukturellen Mittel für die Allianz für Lehrkräftebildung gedreht. Meine letzte Information ist, dass die Allianz für Lehrkräftebildung Restmittel verausgaben darf, die an den Hochschulen gewissermaßen übriggeblieben sind und mit denen jetzt bestimmte Dinge umgesetzt werden. Als ich mich das letzte Mal mit den Verantwortli- (Martin Habersaat) chen unterhalten habe, war die Frage offen, ob das, was man da jetzt implementiert, auch über zwei, drei, vier, fünf oder sechs Jahre erhalten bleibt, wenn es nicht mehr aus diesen Restmitteln finanziert werden kann. Meine Frage, Herr Balasus und Frau Prien, wäre gewesen, ob sich das jetzt geändert hat. Dann hätte ich Sie dazu beglückwünscht, das wäre ja großartig. Es war zuletzt nicht so. Eine weitere Frage wäre zum Kompetenzzentrum für Mathematik gewesen. Da geht es darum, dass man den vielen Mathematikstudierenden, die vom Abbruch des Studiums bedroht sind, quasi wieder auf die Spur hilft. Das ist eine tolle Erfindung; aber warum denn nur in Kiel und nicht auch in Flensburg, wo die Grundschullehrkräfte ausgebildet werden, die wir brauchen? – Das können wir gerne im Ausschuss diskutieren. Wenn wir ganz grundsätzlich werden wollen: Ja, ich finde es diskutierenswert, sich anzugucken, was der Vorbereitungsdienst in Deutschland eigentlich leistet, und ob man das gegebenenfalls anders organisieren kann. Ich möchte aber alle warnen, die das für ein Sparmodell halten. In meinem Verständnis wäre es so, dass das nur mit einer verpflichtenden Berufseingangsphase geht, in der junge Lehrkräfte besser als Referendare heute bezahlt werden und eine Entlastung im Stundendeputat bekommen, um eine begleitete Berufseingangsphase gemeinsam mit dem IQSH zu durchlaufen. Ich habe in Hamburg ein ähnliches Modell kennengelernt. Ich finde das gut, aber das wird nicht ganz billig werden. Ich freue mich, dass wir die Anträge heute überweisen. Sie haben ja auch gewürdigt, dass die Opposition nach dem dritten Paket nicht zu möppern anfängt, sondern vorher auf den Tisch legt, was sie sich vorstellen könnte. In dem Sinne sollten wir an dem Punkt gerne weitermachen. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall SPD, FDP und SSW)
